Ein Orkan. Die Zuschauer geben alles. Die Augen leuchten. Es wird geschrieen, geklatscht, ein Lärm, als ob ein Tor gefallen sei. Was ist passiert? Kevin Großkreutz wird in der 75. Minute beim Stand von 1:1 gegen Heidenheim eingewechselt. Die Zuschauern feiern ihn, als ob er schon 111 Spiele für den VfB entschieden hat. Aber er hat bis dahin noch kein Tor geschossen, gerade einmal zehn Spiele für den VfB absolviert. Großkreutz ist ein Phänomen. Normalerweise werden Spieler dafür geliebt, weil sie mit dem Ball Sachen anstellen können, die einzigartig sind, weil sie besonders gut passen, verteidigen oder Tore schießen können. Großkreutz kann nichts besonders gut. Wahrscheinlich ist es gerade das, was wir an ihm mögen. Denn wir erkennen uns in ihm wieder. Er ist…
Der sieht mich mit dem Arsch nicht an. August 2016. 30 Grad. Tiefblauer Himmel. Montafon. Österreich. Mit dem Salsa Beargrease – einem Fat-Bike – unterwegs. Bis weit nach oben. Für ganz fehlt es an Wegen. Und Bike schultern. Naja. Muss nicht sein wenn vermeidbar. Am Ende – des für mich fahrbaren – Weges. Die Wiesbadener Hütte. Auf 2443 Meter Höhe. Bin jetzt kein Mensch mit großer Hüttenerfahrung. Eher keine. Hat sich bisher nicht ergeben. Kann noch. Mein Salsa nach oben gebracht in einer Mixtur zwischen hartem aber rhythmischen Tretens. Und Schieben (nicht so filigran). War ok. Keine Tortur. Ist ja auch Kopfsache. Und da war ich gut. Oben ankommen hat was. So eine Grundzufriedenheit mit der Gesamtsituation. Bißchen Pause, dort wo die Welt noch in…
Ein Stück Frühling im Herbst. Mit Volksfestbier und »Wenn es mehr zu sagen gibt außer „Hallo und was geht ab?“ ist es „ihr seid mir wichtig, ich bin froh das ich euch hab!“ Selbst wenn ich nach außen hart und zu oft viel zu kühl bin wird’s immer wenn ich euch seh‘ in mir wieder Frühling!«
Mit Tag(s) versehen: geHört
Es ist ein paar Tage her. Viele Tage. Besser Jahre. Viele Jahre. Möglicherweise 37 oder 38 Jahre her. Leute wie die Zeit vergeht. Sitze mal wieder im Zug von Zürich nach Lugano. Ich reise gerne mit dem Zug. Lieber Schiene als Strasse. Es ist eine Frage der Zeit. Schiene ist Mehrzeit. Auch wenn du länger brauchst. Gedankenlos aus dem Fenster schauen. Ok. Es gibt Reisen die sind weniger prickelnd. Menschen können nerven. Im Auto hast du deine Ruhe. Ein Aspekt. Gut sind akzeptable Verbindungen. Weniger gut sind zig Umstiege. Und anschließende Endlos-Fahrten mit Vorort-Bussen. Damals alternativlos. Hatte noch keinen Führerschein. Kleiner 18. Möglicherweise hätte ich sonst eher den Drang zur Autofahrt gehabt. Heute mal wieder über die Alpen ins Tessin. Oder ist korrekter unten…
Es geht nicht darum warum sich Menschen umbringen. Da gibt es sicherlich Gründe. Wenn auch schwer begreiflich. Schlimm wenn die Verzweiflung groß. Schlimm wenn die/eine Krankheit dich kaputt macht. Schlimm wenn es der einzigste Ausweg zu sein scheint. Schlimm – aber man (klingt so unpersönlich) muss es Wohl oder Übel akzeptieren. Mir kommt das Buch von Ronald Reng über Robert Enke in den Sinn. Keine Gute-Nacht-Lektüre. Kein Happy End. Warum? Ist nicht die Frage. Das Wie? Heute in aller Herrgottsfrühe war es mal wieder soweit. Schienensuizid. Die Schienenwelt steht still. 2 Stunden. Keine Information durch die Zugbegleiter. »Vor 7 Uhr machen wir das nicht. Vorschrift. Die Reisenden sollen in ihrer Nachtruhe nicht gestört werden.« Na denn. Ich stell mit vor… Nee lieber doch nicht.…
Leicht beschwingter Sommersong von DOTA. Und wie schriebe DIE ZEIT einst im Märzen: »Dota vertont Konsumkritik und Sehnsüchte so poetisch wie kaum jemand im deutschsprachigen Musikgeschäft, so zärtlich, witzig und gesellschaftskritisch erzählt, wie es Tucholsky für die Zwanziger tat.« Na denn…
Mit Tag(s) versehen: geHört
Orte von Attentaten sind wiederholbar und/oder frei aufzuzählen. Jetzt Nizza. Weitere Stätten werden dazu kommen. Vermutlich. Leider. Es ist gerade viel von Angst die Rede. »Ihr wollt, dass ich Angst habe. Vergesst es!« schrieb unlängst der Spiegel nach den Attentaten von Paris. Sind wir wirklich so mutig? Oder könnte es sein, dass wir gerade eine kollektive Trotzreaktion an den Tag legen? Die Alternative schließlich müsste bedeuten, den Terror zu fürchten. Und es gibt kein Gefühl, das Menschen weniger gut aushalten als Angst. Genau das aber könnte ein Missverständnis sein. Denn Angst an sich ist eigentlich etwas Nützliches. Sie ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der uns dazu bringen soll, gefährliche Situationen zu erkennen und zu lösen. Man bezeichnet dies in der Psychologie auch als Furcht oder…
Sommerabend. Mittwoch. Feinste Unterhaltung. Mittendrin die Aussage eines Freundes, er habe keinen Bezug zur Kirche. Ausgetreten. Irgendwann der Satz »Einzig Celtic Glasgow könnte ein Grund für Kirche sein«. Wir sind mitten in der Fußballeuropameisterschaft. Wobei Fußball immer ein Thema ist. Jeden Mittwoch. Kirche manchmal auch. Aber warum? Was ist der Auftrag jenseits von Diakonie und Kindergarten? Der Welt deutlich zu machen, dass die Klugheit des Menschen Gott nicht ergreifen kann. »Denn obwohl sich seine Weisheit in der ganzen Schöpfung zeigt, hat ihn die Welt mit ihrer Weisheit nicht erkannt.« Je mehr wir uns also an Gottes Wort halten, desto provokativer wird unser Auftreten sein. Denn uns wird zugemutet, dieser Weisheit Gottes in und mit unserem Leben in Wort und Tat Ausdruck zu verleihen. Und…
Depressionen, Burn-Out – Oft nicht sichtbar, da die Menschen die betroffen sind, alles tun – nur nicht Ihre Schwäche zeigen. Diese Gesellschaft, diese Fußballwelt steht nicht auf schwache Menschen. Wir brauchen Köpfe, Leader, Kämpfer – wir brauchen niemanden der zweifelt, vor allem nicht an sich selbst. Wir wollen uns an Hochleistungen der anderen ergötzen, oft auch nur deshalb, weil der eigene Horizont eingeschränkt ist. Und wenn einer Hochleistungen bringt, dann haben wir das erwartet, erfreuen uns kurz daran und stehen schon Gewehr bei Fuß, für den tiefen Fall. Deutschland – das Land der Dichter und Denker, das war einmal. Nun sind wir das Land der Besserwisser. Voll von Missgunst und Miesmacherei. Egal welche Entscheidung getroffen wird, es finden sich immer ganz schnell eine Menge Leute…
Heute in 10 Jahren: »Wisst Ihr noch, damals, als dieser kleine Klub aus der Mitte Englands die Großen das Fürchten lehrte? Als dieses gallische Dorf der Übermacht der Premier League und den ach so modernen Gesetzen des Fußball-Geschäfts trotzte? Als dieses Team vom Leicester City Football Club aus unbekannten Talenten und angeblich gescheiterten oder alternden Kickern plötzlich anfing, die ganzen Milliarden-Klubs zu besiegen? Als ein Verein, der 2014 aufgestiegen ist und 2015 nur ganz knapp den Klassenerhalt geschafft hat, plötzlich Meister wurde? Wisst Ihr noch, wie dumm die Van Gaals, Wengers, Abramowitschs und Glazers da aus der Wäsche geschaut haben? Und wie sehr sich die echten Fußball-Fans- von Essen über Gijon bis nach Palermo in aller Welt gefreut haben, weil sie ein Stück von…
Ich muss überlegen – zweimal sogar – bis mir Zwiefaltendorf einfällt. Der Dorfname wohlgemerkt. Manche Dinge gibt es wo doppeltes bis dreifaches Nachdenken von Nöten ist. So auch Zwiefaltendorf. Nie auf Anhieb. Keine Ahnung warum. Eselsbrücke. Zwiefalten – deutlich bekannter. Dann Dorf. Das klare Wasser der Zwiefalter Ach mündet hier in die Donau. »Am Stammtisch? Wenn’s Recht ist. Die Herrschaften haben sicherlich nichts dagegen. Ein naturtrübes Bier?« fragt mich der Wirt beim Eintritt in die Gaststube. Keinesfalls geschäftstüchtig wirkend. Eher ein guter Gastgeber sein wollend. Gelungen. Die Gaststube brechend voll. Klein. Alle Tische besetzt. Ungewöhnlich laut. Die Menschen sprechen miteinander und lachen. Vielleicht tut das Bier der eigenen Hausbrauerei ein übliches. Gesellig – nichts von Festzeltatmosphäre. Stammtisch. Mitten im Gastraum. Vorne drei Stühle. Davon Zwei frei. Rechterhand…
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