Es ist ruhiger diese Woche, diese Wochen. Nicht, weil alles klar ist, sondern weil weniger drängt. Eine Stille, die nichts sortiert, sondern offen lässt. Mein Chef sagt: mach nichts. Mhhh – ich lächle.
Weniger tun macht nicht zufriedener. Es franst eher aus, verheddert sich im Klein-Klein. Dienstag? Mittwoch? Verschwimmen. Ich könnte planen, Listen schreiben, abhaken, die Straße kehren, das Auto putzen – so tun, als wäre Ordnung gleich Bedeutung. Ist sie aber nicht.
Also raus. Bewegung. Solange der März noch kühl ist und die Finger erst nach ein paar Kilometern wieder dazugehören. Die Pflanzen wollen. Die Bäume. Ich auch. Eine Schicht weniger, ein bisschen leichter werden. Außen milder, innen beweglicher – das ist so ein leiser Deal mit mir selbst.
Und dann diese Schlagzeile: Schnee auf Teneriffa. Ein Radfahrer verpasst fast seinen Flug. Alles ein wenig verschoben. Als hätte jemand an der Welt gedreht, nur ein paar Grad. Ist das schon Klima oder nur ein Moment? Keiner weiß es genau, aber alle ahnen etwas.
Irgendwo zwischen Dorfstraße und Gedankenkarussell taucht er auf, dieser kleine Funke: Was wäre, wenn wir einfach mal nicht tanken. Aus dem nichts. Nicht aus Wut, nicht aus Trotz. Zehn Tage Pause. Die Zapfsäulen stehen da wie beleidigte Flamingos (Pinguine?), die Preistafeln blinken ins Leere. Und irgendwo kratzt sich ein Konzern am Kopf und denkt: Hä? Vermutlich kratzt es diese nicht am Arsch. Klingeling.
Ich radle weiter. Nächstes Dorf. Ein Hund bellt. Bell ruhig, Köder. Depp. Ich bin weg. Meine Rädelsführerschaft in Sachen http://www.spritstreik.de auch. Es waren gute Minuten. Die Kette läuft. Ölen? Die Kette wachsen ist gerade angesagt. Muss mal kucken. #loveit.
Gestern noch dieses Gespräch über Männerbilder. Nichts Neues, und doch trifft es. Weil es nicht abstrakt bleibt. Weil ich gemeint bin. Wir. Und Wissen allein reicht nicht. Es bleibt hängen, irgendwo zwischen Brust und Alltag. Fröhlich voranschreiten. Kein weiter so. Werben für Veränderung, da, wo ich bin. Nicht die Welt retten – aber meinen kleinen Winkel bewegen. Und gleichzeitig dieses Gefühl: zu viel altes Denken in einer längst veränderten Welt. Bleibt sie gleich? Schreitet sie zurück? Zu viel Macht, die sich selbst genügt. Zu viel Mann, Männer – Namen möchte ich hier keinen Raum geben. Das Bild des Mannes aus welcher Perspektive betrachten? Die ehrlichste Frage: Wo schaue ich weg? Bewusst? Aus Müdigkeit? Aus Bequemlichkeit?
Es ist kalt. Meine Finger frieren beim Tippen. Alles wird langsamer. Ich hole mir noch einen Kaffee. Lese weiter. Lasse Dinge liegen. Ein DPD-Wagen hält. Paket für den Nachbarn. Unsere Blicke treffen sich. Der SeiterBlick. Wortspiel. Vielleicht denkt er: Was ein fauler Sack. Vielleicht auch nicht. Ich nicke. Er auch. Reicht.
Bin gespannt, woran ich mich am nächsten Wochenende erinnert haben werde. Ich suche eine Wanderhose mit Zip. (M)eine Aufgabe.
Bell ruhig. Köder.



