Dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist.

— aus: G.W.F. Hegel in ‘Phänomenologie des Geistes’

[BALD]

01. Juli | Stuttgart AOK-Firmenlauf

04. Juli | Heuchelberg-Trail

05. Juli | Esslingen Citylauf

Burrata

Gestern. Ein guter Tag beim Alb-Extrem. Ja, warm war es. Sehr warm. Experteninnen meinen letzter Tag der Hitzewelle. 41° ist aus einer anderen Welt. Hinter den Kulissen vieler Sport- und Kulturveranstaltungen wurden viele Diskussionen geführt und harte Entscheidungen getroffen. Mussten. Öffentlicher Druck? Besseres Wissen? Ich maße mir nicht an, es besser zu wissen. Dafür ist die Lage zu komplex. Es ging um Gesundheit um Leben, also um Menschen. Und Tiere. Es ging um Kapazitäten. Helferinnen und Helfer in Rettungsdiensten arbeiteten längst an ihrer Belastungsgrenze. Es ging um monatelanges Training für diesen einen Tag. Natürlich geht es auch ums Geld. Eine Böschung brennt. Ein Dachstuhl und Maschinen geben den Geist auf. Ich rufe nicht nur aus diesem Grund nach Klimaschutz. Viele Ohren sind taub – auch im kleinen.

Zwei etwa Fünfzigjährige bedankten sich bei mir dafür, dass sie die verkürzte Strecke fahren konnten. Ein Satz blieb hängen: »Weißt du, in unserem Alter macht man als Rennradfahrer manchmal Blödsinn. Das Denken wird ausgeschaltet.« Welche Erkenntnis. Ich zolle Respekt. Gerade deshalb braucht es manchmal jemanden, der Verantwortung übernimmt, obwohl diese Entscheidung zunächst niemand hören möchte. Für Zeitnehmer Frank war das alles andere als einfach. Ohne Kontrolle fehlt ein Stück Gerechtigkeit – in sportlichem Sinne. Heuer ist anders. Diese Erinnerung wird bleiben. Und trotzdem war da am Ende Dankbarkeit dafür, zum Selbstschutz gezwungen worden zu sein. Ein seltsamer Satz. Aber vermutlich einer der wichtigsten des Tages. Sportlich begleitet mit viel Lachen und Erleichterung.

Der Fußball rollt irgendwo in Übersee. Mein Interesse dagegen gegen null. Nicht einmal aus politischen Gründen. Auch wenn ich mich frage, nach welchen Maßstäben heute eigentlich noch entschieden wird, wer teilnehmen darf und wer nicht. Gegenseitige Angriffe nicht nur auf dem Spielfeld. Schuldzuweisungen und ein seltsames Empfinden was ist gut und was ist böse. Es gibt eben keine olympische Charta für den Fußball. Stattdessen Trinkpausen und viele wohlfeile Worte. Mich schreckt anderes mehr ab: das Überangebot. Ich entscheide mich inzwischen bewusst dagegen, Fußball zu schauen. Es tut nicht weh. Mehr Zeit habe ich deshalb leider nicht.

Fünf Minuten vor Anpfiff kommt die Erinnerung ans Kicktipp-Spiel. Danke dafür. Also schnell tippen. Wahrscheinlich wieder daneben. Einen exakten Treffer lande ich selten. Unentschieden tippe ich grundsätzlich nicht. Weil mein sportliches Denken immer nach einer Entscheidung sucht. Natürlich diskutieren die Tipperinnen schon wieder, ob das Ergebnis nach 90 Minuten zählt oder nach Spielende. Es wird immer diskutiert. Für mich ist die Sache längst klar. Nur habe ich aufgehört, mich einzumischen. Zu unwichtig. Kräfte bündeln. Nicht jeden Widerspruch führen. Nicht jeden Menschen überzeugen wollen. Es besteht die Option, dass ich falsch liege. Ja wirklich. ;-)

Jetzt noch etwas essen. Sitze am Rande des Ulmer Domplatzes. Ein milder Sommerabend. Vor mir eine Flasche Sprudelwasser und ein Teller vegetarische Antipasti. Meine kulinarische Entdeckung 2026 ist Burrata. Love it. Tomaten. Olivenöl. Bisschen weißes Brot. Großartig.

Zwei Tische hinter mir raucht eine Dame etwas Zigarrenähnliches. Das Produkt kommt aus einer kleinen Holzkiste. Ich schaue mich um. Die Stirn gerunzelt. Sie zieht genüßlich und scheint sich nicht zu stören und pustet ihren Rauch mit noch mehr Genuß in die Abendluft. Ich bin müde zu streiten.