Dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist.

— aus: G.W.F. Hegel in ‘Phänomenologie des Geistes’

na ja …

Die Musiker:innen geht nicht abrupt, eher wie ein Atem, der sich zurücknimmt, und trotzdem bleibt etwas da: diese Alt-Klarinette, die eine Linie durch den Raum zieht, als würde sie sagen: Hier war etwas. Ich mag diese Momente, wenn Konzerte nicht einfach enden, sondern bei den Menschen landen – kurz bevor das Licht hält und alles wieder normal tut. Die Klarinette verstummt, die Menge auch, begeistert und ruhig, und dieses »Na ja«liegt im Raum und wird hineingerufen. Einmal. Zweimal. Dreimal. Immer lauter. Das sonst so oft nach Zweifel klingt, hier aber weich ist, fast zufrieden. Ohne Ausrufezeichen.

Ich war hier
Und es hat wirklich niemand interessiert
Und es ist eigentlich auch nix passiert
Ich frag‘ mich: »War das nur grad eben so
Oder mein ganzes Leben so?«
Na ja, na ja

Es ist auch nix passiert. Die Gedanken einer Wartenden auf einer unbedeutenden Bahnhofsbank in irgendwo. Und genau deshalb passiert etwas.
Ich bin keiner, der sofort schreibt, Gedanken brauchen bei mir Zeit, sie setzen sich, prüfen sich selbst, ob sie bleiben wollen. Manches ist nur ein kurzer Höhenflug, ein Aufblitzen, das schnell wieder landet, und auch das ist okay. Ich bin keiner für klassische Kritik, zu viel lenkt mich ab, zu viel will ich sehen, nicht nur das auf der Bühne, sondern auch das Drumherum, die Menschen, die Bewegungen, die kleinen Momente, die hängen bleiben. Verweile bei einem Satz – viele mehr sind erwähnenswert.

Klar schaue ich nach, wer da eigentlich ihre Kunst zelebriert. Woher sie kommt, sonst und so – aber das ist nur der Rahmen. Gefunden habe ich sie eher zufällig, über Instagram, ein kurzer Moment, der hängen blieb. Eine junge Frau, die mutig ist in ihren Texten, klar in dem, was sie sagt, nicht nur darin, was sie sein will, sondern auch darin, was nicht. Sie schaut den Menschen aufs Maul und der Politik auch, auf eine fröhliche Art, die gerade deshalb wirkt, weil sie nicht schreit, sondern leise im Kopf ankommt und dort etwas verschiebt.

Irgendwo klingt noch in mir Ina Deter nach, dieser Schrei von damals, »Neue Männer braucht das Land« und heute denke ich: Neue Frauen auch – nur: sie sind längst da. Das macht mich fröhlich. Hoffend, eine stille, ehrliche Hoffnung, ohne große Geste. Es war keine Riesenbühne, und genau das war richtig, sie hat ihre Bühne genommen und größer gemacht, nicht durch Größe, sondern durch Haltung.

Nicht Vorbildlich im klassischen Sinn und vielleicht genau deshalb eines, kein »So musst du sein«, sondern eher ein kleiner Stoß: Geh einen Zentimeter weiter, oder zwei, oder dreh dich um, oder geh einfach anders. Komme dort an wohin DU hinwillst. Ich bin selbst viele Wege gegangen, in viele Richtungen, vielleicht sitze ich irgendwann auf einer Bank, und es interessiert niemanden – auch das wäre gut. Ich bin fein mit mir.

Vielleicht trage ich ab heute einen Edding bei mir, für kleine Spuren, für Gedanken, die bleiben wollen. Danke an Paula Carolina und ihre Musikerinnen: mutig, frisch, frech, wortgewandt, spielfreudig. Ich war hier.