gott•ver•las•sen

Veröffentlicht in 21. April 2019

OK. An einem Ostersonntag nicht die ideale Überschrift. Ist doch gerade aus christlicher Sicht die Wende. Gefeiert wird die Auferstehung von Jesus Christus.
Gottverlassen meint auch, abseits von allem Verkehr, von allem städtischen Getriebe gelegen. Eher negativ. Viel schön. Grundschulen von Stararchitekten erschaffen. Sonst nix. So war es. Raus und machen. Die Definition für kurz mal weg sein.
Ich habe es gemacht. Mikroabenteuer machst du ohne Zelt. Ich hatte – einem Ratschlag folgenden – eines dabei. Der und das war gut so. Richtig gut. Ohne, hätte ich die Schnecke auf der Backe in meinen tiefsten Vorstellungen, jetzt ich in echt, doch spüren können.

Habe mir extra – wieder – eines gekauft. So ein Zelt. Dabei meinte ich vor längerer Zeit, dass meine Zelt-Zeituhr abgelaufen ist. So mit dem Alter. Komfort und so. Zu viele Dinge, die beim Zelten nerven, auf den Sack gehen und auch im Nachhinein schwerlich als wunderbare Erfahrung durchgehen. Natürlich gilt die alte Regel, dass je schlimmer der Erfahrungswert, desto besser der Erzählwert ist.
Die meisten Menschen haben Bilder im Kopf. Meist sind es nicht die romantischen. Sondern eher die Mischung, zwischen schlechtem Schlaf, Schnacken und diesem unsäglichen etwas zwischen feucht, klamm und muffig. Selbst an schönen Tagen. Was erst wenn Regenwetter ist?
Wenn du unterwegs bist, hältst du früh nach einem Zeltplatz Ausschau. Auch nach Plätzen ohne Zeltnotwendigkeit. Obwohl du eines dabei hast. Das Auge schulen für kommende Abenteuer.

Du schaust dich um. Oh… nett hier. Es ist aber erst 11 Uhr und du willst bis Sonnenuntergang vorwärts kommen. Das Ideal für mich wäre am Rande eines Sportplatzes. Neben dem Spielfeld bleibt immer ein Stück über. Guter englischer Rasen für das Nachtbett. Eben und weitläufig und trotzdem geschützt durch Büsche oder Hecken.

Drei-viertel-acht. Die spontane Entscheidung. Hier und nicht weiter. So endet mein Tag an einem Jugend-Zeltplatz. Viel Grill. Sitzflächen aus Holz. Hinweisschilder. Kleine Hütte winterfest. Genügend Fläche zum Zeltaufbau. Kostenpflichtig. Verbunden mit dem in eine Abhefthülle eingeschobenen A4-Schriftstück, schwarz auf weiß in Arial fett, dass geschlossen bis 30.04.. Das Datum besonders groß und mittig. Mhhh… der Tag kommt noch Stand heute. Wird schon kein Ranger unterwegs sein. Die Sonne ist kurz vor dem untergehen. Die Gegend gottverlassen. Bitte, wen soll das jucken?
Baden und Müll ablagern ist nicht erlaubt. Habe ich auch nicht im geringsten vor. Das Sun-Downer-Gute-Nacht-Dosenbier habe ich mir abgeschminkt. Kauf unmöglich. Beim nächsten Mal werde ich eines dabei haben. Ist schließlich Kult und ein Grund für raus und machen, sagt die Legende.

Die Nacht war ruhig. Keiner wollte was von mir. Fast. Nur, dass ich ab sofort Spechte hasse. Auf englisch woodpicker.

Selbstkritisch betrachtet Luft nach oben, wenn wir über die Auswahl des Lagerplatzes sprechen sollten. Müssen wir nicht. Noch in der Nacht freute ich mich auf die wärmende Sonne, die im schlafsack-liegend mir den neuen Tag ankündigen wird.
Es war ein Schattenplatz, einer der wenigen auf dem Zeltplatz. Ich hatte den schattigsten aller Schattenplätze als Nachtlager auserkoren. Morgens kalt, muffig, klamm und feucht. Aber idyllisch gelegen. Sehr sogar.
Wer spricht Tage später noch von der Morgenkühle, die dir in den Knochen steckt. Ich nicht.
Auf französisch heißt der woodpicker charmant pic-bois.


Verbogener Glücksfall

Veröffentlicht in 17. März 2019

Nicht verbiegen lassen. Dein Ding machen. Einfach gesagt. Dazu gehört viel dazu. Auch Umgebung. Die dich eben so lassen machen. So wie du bist. So wie ich bin.

Habe nur den Einstieg in den Text gesucht. Klingt weiser, als über die Dummheit zu schreiben. Weit davon weg Lebensweisheit zu verbreiten, die glücklich machen und sollen und überhaupt. Sollen andere. Können das besser. Manche überhaupt nicht. Kriegen teilweise sogar Geld dafür. Manche viel. Gegönnt.

Ich habe meine Mülltonne verbogen. OK. Ist sicherlich nicht Weltproblem EINS. Auch nicht MEINS.

Doch paar Gedanken des Glückes wert. Und des Dankes an den Zufall.

Vermeintlich heiße Asche in den mausgrauen Behälter geleert. Seltsame Begrifflichkeit. Etwas leeren um es damit zu füllen. Zudem in eine Tonne in die keine Tonne reingeht. Egal. Also in die Mülltonne rein. Deckel zu. Papiertaschentücher nachgelegt. Das Gemisch entwickelt Leben.

Jetzt weiss natürlich JEDE und JEDER… wie blöd muss man sein, um…

Eins vorneweg… die jahrtausendealte Bezeichnung „Keine heiße Asche einfüllen“, ist im Zuge der Evolution des Heizwesens verschwunden. Was mich nicht automatisch zum Unwissenden machen sollte.
Auch irgendwelche Belehrungen im Nachhinein fruchtlos. Passiert. Punkt.

Es ist ja nicht so, dass du dein Tun Schachspieler-ähnlich vorausplanst. Abwägst. Irgendwann ist Tonne angesagt. Unbewusst. BÄÄM. Wer denkt schon dass…

… das Gemisch Leben entwickelt. Mit Leben meine ich Veränderung.

Jetzt zum Glücksfall. Es ist dunkel. Später Abend. Meine Mülltonne steht einsam am Straßenrand. Wartend auf die morgendliche Abholung. Alle zwei Wochen. Gibt es eine App für, die die Planung vereinfacht. Wie das Leben so spielt, nicht erklärbar, gehe ich nochmals raus und sehe eine Rauchschwade aufsteigen. Kaminartig. Kerzengerade gen Himmel, da windstill. Glimmend. Kurz vor Feuer.

Nachdenken. Retten, Löschen, Bergen, Schützen.

Ich bin kurzzeitig Feuerwehr. Kein Held. Eher Depp.

Mit Windunterstützung klappert der Eimer neuerdings wie die Mühle am Bach. Öffnet seine Klappe hin und wieder. Unkontrolliert. Ich habe meine Mülltonne verbogen.

Der Tag an dem Magnus Carlsen Weltmeister wird und ich im Wartezimmer sitze

Veröffentlicht in 29. November 2018

Zahnarztpraxis. »Bitte nehmen Sie im Wartezimmer platz«. Wartezimmer. Lebenszeiträuber Nummer 1. Was ein deprimierender Name für einen Raum. Lieber Carport als Garage. Gehen um zu Warten. Eng verbunden mit Langeweile. Platz nehmen. Wie ich diese Worte der freundlichen Sprechstundenhilfe liebe (#ironie). Ich weiss nicht, ob diese Berufsbezeichnung politisch korrekt ist. Vielleicht sagt man auch Dentist-Health-Care-Manager. Egal. Klingt ähnlich der Aussage der Spedition-Hotline (auch freundlich), dass der LKW unterwegs ist. Bedeutet, der kommt zwischen 8 und 20 Uhr. An einem beliebigen Tag. Halten Sie sich mal bereit. Und halten Sie durch, was nicht gesagt wird.
Ich mache mich auf den Weg.
Wartezimmer. Hoffend, dass niemand im Wartezimmer sitzt. Wenn du großes Pech hast, ist nichtmal ein Stuhl frei. Heute: Sagen wir mal so, Zwei von Acht.
Was ist taktisch der beste Platz. Spontane Entscheidung. Fifty-Fifty. Du kannst mega Pech haben. Ich entscheide mich für einen Außenplatz.
Sage »Hallo« und setze mich. Entfalte meine mitgebrachte (ganz wichtig) Zeitung und beginne zu lesen.
Regel 1: Don’t touch Zeitungen, Magazine in Wartezimmer wenn dir deine Gesundheit lieb ist.
Beginne zu lesen. Schreibe Kurznachrichten auf meinem iPhone. Und noch eine. Noch eine. Ich habe A: Zeit und B: ist es schön mit Menschen in Kontakt zu sein. Sehr schön sogar. Und kurzweilig, wenn Kurznachrichten hin und her durch Raum und Zeit fliegen. Faszinierend und spannend. Kommunikation eben. Manchmal besser als sprechen. Bleibender.
Niemand sonst schreibt Kurznachrichten im Wartezimmer. Verpönt? Manchmal gibt es einen Hinweis, dass eine Handy-Nutzung nicht gewünscht ist. In unserem Wartezimmer stehen Engel und sitzen Menschen. Gemütliches Interieur. Ok, die Stühle sind Stühle und keine Lounge-Sessel. Ein Schild mit Hinweis habe ich nicht gesehen. Ich telefoniere ja nicht. Bin still und leise. Mit Ausnahme des Piepton beim Empfang einer Nachricht. Könnte ich abstellen. Könnte. Wenn du mehrere Dinge gleichzeitig tust eine Hilfe. Öffne den Browser und schaue die TieBreak-Finalpartie der Schach-Weltmeisterschaft. Spannend.

75 Minuten später, ohne dass es nur eine klitzekleine Bewegung im Wartezimmer gibt, sagt der mir gegenüber sitzende Mann, dass ihm sein Hintern vom Sitzen weh tut. An alle gerichtet. So einfach mal in den Raum gestellt. Alle fühlen mit ihm mit. Kopfnicken. Sich dehnen. Und die merkwürdige Stille bricht. Ich bin locker und entspannt. Nichts drückt oder ähnliches. Auch nicht mein Hintern. Es ist angenehm warm.

Es beginnt ein munteres miteinander reden. Ich rede. Schaue Schach. Schreibe Kurznachrichten, was ich natürlich nicht sage. Die Zeitung lese ich nicht mehr. Weggelegt auf meinen rechten Fuß. Griffbereit. Manchmal grinse und freue ich mich, ob der Antwort der Nachricht.
Nebenbei erzähle ich, dass ich gerade Schach-WM schaue. Was keinen im Raum sonderlich beeindruckt. Trotzdem wichtig dies zu erwähnen. Dass ich keine Daddelspiele mache sondern was intellektuelles. Fühle mich besser damit. Irgendwann sprechen wir dann auch über Schach, besser ich referiere darüber. Über die Faszination des Langwierigen, der Spannung wenn es dem Ende zugeht. Denke und erwähne dabei den 50km-Skilanglauf. Was ein Paradoxem im Wartezimmer. Die müssen mich für verrückt halten. Drücke meine Hoffnung aus, dass keiner der Anwesenden A: mir eine Frage stelle oder B: mir im Schachwissen überlegen ist. Ich wäre sofort matt gewesen. Mega matt. Habe vom Schach wenig Ahnung.

»Keine Angst, da kommt keine Frage«, so der Herr mir gegenüber, der dann irgendwann zu mir sagt, dass er meine Stimme kenne und jetzt hätte er ein Gesicht dazu. Überhaupt, er überlege nach Hause zu gehen. Hat sich einen schöneren Abend vorgestellt als im Wartezimmer verweilen bis der Hintern weh tut. Den zweiten Satzteil denke ich mir. Kurznachrichten hat er keine geschrieben. Hätte er vielleicht tun sollen. Sekunden später wird er von der freundlichen Time-Schedule-Assistentin aufgerufen. Fast verpasst er die Frage und freut sich, dass ich doch meine Frage bekomme. Die Antwort wartet er nicht ab und geht mit einem Art Torjubel, durch die Reihe in Richtung des Behandlungszimmers. Verhalte mich neutral. Bedaure aber, dass er doch nicht früher gegangen ist. Ich sehe ihn nie wieder.
Während das Wartezimmer sich langsam leert, bleiben ein älteres Ehepaar, der dritte Mann und ich übrig. Smalltalk über dies und das. Ich habe das Gefühl, dass sie nicht sprechen wollen. Nicht mit mir. Das Gesicht der Frau kommt mir bekannt vor. Lebe in einer Kleinstadt, wo man sich begegnet. Kann nicht zuordnen. Irgendwie gelingt es mir aber die beiden immer wieder ins Gespräch mit einzubeziehen. Freundlich. Sie haben einen Fahrer – der dritte Mann – dabei, der geduldig erträgt und nicht drängt. Wir haben einen gemeinsamen Bekannten. Das Ehepaar und ich werden gemeinsam aufgerufen. Obwohl ich gebeten habe, dass das Ehepaar gerne vor mir behandelt werden dürfe. Es ist der ältere Mann der behandelt wird. Kontrolle. Die ältere Frau in Begleitung. Und der Fahrer. Zu Dritt. Was ein Aufwand. Oder Fürsorge. Schön. Mir eilt nicht. Schaue Schach. Schreibe weiter Kurznachrichten.

Ein Freund erzählte mir kürzlich, dass er während eines vierwöchigen Urlaubsaufenthaltes um die 13.000 Kurznachrichten geschrieben habe. Verrückt. Ich in hundert Minuten Wartezeit 139. Die Zahnarztpraxis habe ich mittlerweile verlassen. Kurze Zeit später wird Magnus Carlsen erneut Weltmeister im Schachspiel.

Yesterday

Veröffentlicht in 24. November 2018

Gedankenlos sitze ich am Frühstückstisch im Hotel. Einen Beutel mit einem Darjeeling-Royal-Second-Flush-Inhalt im Wasser hängend. Wartend Zitrone hinzuzugeben. Etwas Kandis. Manchmal auch Honig. Mancher Honig verändert den Geschmack des Tees. Zu honigig. Komisches Wort.

Drei Minuten oder so. Wenn ich wählen kann, entscheide ich mich gewöhnlich für einen Earl Grey. Den Grund kenne ich nicht. Gewohnheit. Vertrautheit?

Teekenner wenden sich kopfschüttelnd ab. Ist mir nicht wichtig. Kann durchaus entscheiden zwischen gut schmeckend und nicht so gut schmeckend. Dann bleibt es Warmwasser mit Färbung. Doppelt Zitrone. Extrem süßen. Geht auch das. So einigermaßen. Glücklich ist anders.

Toastbrot. Liebe es, wenn das geröstete Brot den Hals runterkratzt. Das Geräusch, wenn das Messer die Butter streichelt. In wenigen Fällen liefert ein Bäcker sein Handwerk. Meist sind es Industriewecken, die gefriergetrocknet des morgens in den Backofen geschoben werden. Aus einem farblosen Klumpen wird ein sonniges Frühstücksbrötchen. Allein der Geruch von Frisch-Gebackenem ist es wert. Aber essen? Glücklich ist anders.

Butter aus der portionierten Packung. Geht wohl nicht anders. Hygienevorschriften und so. Manchmal ist Butter auch in Eiswasser gerichtet. Selten auf einem Brett in Stücke geschnitten. Manchmal ist anders. Selten ist kaum mehr.

Honig mit der Butter zu einem Ganzen verbinden. Oder Nutella. Ja ich weiß. Palmöl. Wer Nutella isst, ist immer etwas Kind. So fröhlich unlogisch. Immer in Gefahr, dass im Mundwinkel etwas bleibt. Ahh… Sie haben da was. Ein Gespräch oder was?

Gedankenlos sitze ich am Frühstückstisch im Hotel. Die Musik säuselt vertraute Melodien aus den unsichtbar platzierten Lautsprechern. Leise. Berieselnd. Warum nur? Ist Stille störend? Unerträglich?

Oh, yesterday came suddenly.
Oh, gestern kam plötzlich.
Oh, I believe in yesterday.
Oh, ich glaube an gestern.

Eigentlich nein. Ich glaube an heute. Ich hoffe auf morgen. Und die Vergangenheit, das Gestern kann ich heute beeinflussen. Es bleiben allein die Bilder von gestern. Erinnern. Gut wenn schön.

Ein Ei esse ich auch. Meistens. Die Meisten sind etwas zu hart gekocht. Und Salz. Ja, etwas Salz darf nicht fehlen.

Weißer Fleck im Alltag

Veröffentlicht in 28. Oktober 2018

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Steinheim/Murr. Kreisstraße 1610.

Was ist denn das? Ein Rad am Straßenrand? Vergessen? Abgestellt? Angelehnt an einen Laternenmast.

Auffallend. Spezielle Farbe.

Es ist beabsichtigt, dass Menschen sich wundern. Innehalten. Nachdenken. Stehen bleiben.

Stehend. Wie das Fahrrad am Straßenrand. Ganz in weiss. Nicht nur der Rahmen. Auch Reifen. Speichen. Kette, Sattel und die Klingel. Alles.

An einem Herbst-Samstag verändert sich hier das Leben. Auto vs. Rad. Der Stärkere… lassen wir das. Mit Todesfolge.

Es sieht fast etwas gespenstisch aus. Wie das Rad so da steht. Auffallend eben. Das ist die Idee. Nennt sich Ghost Bikes. Geisterrad.

Die Uridee stammt – so die Vermutung – aus den USA, St. Louis im Bundesstaat Missouri.

Ghost Bikes sind kleine und düstere Gedenkstätten für Radfahrer deren Leben auf der Strasse bleibt.

Aufgestellt in naher Umgebung des Unfalls.

Umfahren, nicht umfahren. Wie es so platt heißt. Der 61jährige Radfahrer stirbt wenige Stunden nach dem Unfall. Der Unfallverursacher muss damit klar kommen.

Die Farbe Weiß hat keinen negativen Zusammenhang. Weiss ist die vollkommenste Farbe. Weiß steht für Licht.

Ghost-Bikes stehen und taugen nicht zu Anklage. Es geht nicht um Schuld. Dafür steht das Weiss.

Es geht nicht um Kritik an Autofahrern, am Auto fahren. Auch dafür steht das Weiss.

Das Ghost Bike steht als Zeichen für das jetzt. Das Leben. Dazu zählen leider schwere Unfälle.

Das Ghost-Bike steht für die Hoffnung die Rücksicht für schwächere Verkehrsteilnehmer zu erhöhen.

Je weniger Ghost Bikes desto besser.

Steht auf und geh

Veröffentlicht in 21. Oktober 2018

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Morgengedanken Bottwartal-Marathon 2018

Und Jesus sah ihn an und sagte, steht auf, nimm dein Bett und gehe heim.
Irgendwie ist dieser Satz für mich wie ein Startschuss. Ihr kennt das.
10, 9, 8 … 3, 2 1. Und Los.
Steh auf. Nimm dein Bett und gehe heim.

Gehe und tue was, was du schon lange nicht mehr getan hast. Eine Aufforderung? Wir können spekulieren was es sein könnte. Es ist gut… Ausgang offen. Du weisst nicht was kommt. Kann Ängste hervorrufen. Kann befreiend sein. Die Sicht der Dinge.
Wenn du von deinen Krämpfen und Kämpfen bei Kilometer 33 wüsstest … würdest du jetzt fröhlich loslaufen oder vielleicht doch nicht deine Laufschuhe schnüren?

Geh heim. Kein Mach-dies-Mach-das der Lebensweisheiten, Strichellisten und gut gemeinten Ratschläge. Geh einfach heim. Setzt ein großes Grundvertrauen voraus. Der wird schon das Richtige tun.

Und dieses nach-Hause-kommen muss ein toller Ort. Ein Ort auf den man sich freut. Nicht so einfach dahin gesagt. Voll leerer unbedeutender Worte. Undefiniert und doch vertraut. Das Schiff im Hafen. Die Schutzhütte in den Bergen. Der Läufer im Ziel. Bilder die mir in den Sinn kommen.

Und oder Aber: Steh auf und geh heim ist keine Zusicherung. Kein Hinweis auf Gutes was kommen könnte. So jetzt ist alles gut. Die Garantiekarte auf alle Scheisse was kommen kann. Das ist offen. Und gut.

Die Voraussetzung im Vorfeld war nicht gut. Der von Jesus Angesprochene war selber nicht in der Lage zu gehen. Krank. Was immer ihn auch einschränkte.
Jesus fordert den Kranken auf, mitten aus seiner Schwäche heraus aufzustehen und sein Bett unter den Arm zu nehmen. Das Bett steht für alle Bedenken, für die Ängste, es nicht zu schaffen, für die vielen Überlegungen: Soll ich oder soll ich nicht? Kann ich oder nicht?

Eurem Denken, eurem Zweifeln so kurz vor dem Start vielleicht gar nicht so weit entfernt.
 Irgendeine Stellschraube motiviert den kranken Menschen in seinem Leben um diesen Satz hören zu können.  Alleine das-nicht-in-der-Lage-zu-sein reicht nicht aus. Sein Verlangen nach Änderung seiner Situation wäre vermutlich größer gewesen.

Machen statt wollen. Viel geiler.

Ich mag das Momentum. Das Jetzt. Das mal liegen bleiben und mal Zuschauen. Ich mag Verwandlung. Raupe zu Schmetterling. Sommer zu Herbst – die Jahreszeiten. Den Tag, die Nacht. Auch das älter werden. Und lechze mich danach, wenn das Momentum nicht das Glück selbst ist. Lechze mich danach nachzudenken über Was ich bin? Und wer? Wo hindern mich gelegte Gleise? Lechzen und Lust auf Neues.

Zu Fühlen und Spüren was jetzt, heute möglich ist. Das wünsche ich heute beim Bottwartal-Marathon.

Im Laufen und im Leben.

Foto-Credits: Christian Berg

Vorsicht auf Radweg

Veröffentlicht in 14. August 2018

Ein Jugendhaus wird gebaut. Eine gute Sache. Ortsbedingt müssen Baustellenfahrzeuge über eine Radweg zu- und abfahren. Ist so. Tatsache.

„…. über und den Radweg zu- und abfahren. Die Strecke wird mit entsprechenden Warn- und Hinweisschildern versehen. Wer auf dieser Strecke werktags mit dem Rad oder auch zu Fuß unterwegs ist, sollte besonders auf diesen Baustellenverkehr achten und mit dem Rad besonders vorsichtig und langsam fahren.“

Eine Mitteilung in der Zeitung im besten Verwaltungsdeutsch. Möglicherweise vorgegeben. Ein Verwaltungsakt wie man so gerne sagt.

 

Mir wäre folgende Formulierung deutlich lieber und wäre mal ein neuer Ansatz:

„Liebe LKW-Fahrer. Auf dieser Strecke sind überwiegend Spaziergänger, Läufer und Radfahrer unterwegs. Bitte gebe auf sie acht. Fahre langsam und rücksichtsvoll mit deinem Brummi. Danke.

Liebe Spaziergänger, Läufer und Radfahrer. Hin und wieder kommt hier ein LKW durch. Die Fahrer machen nur ihre Arbeit. Ein Jugendhaus wird gebaut. Bitte sind Sie vorsichtig und machen Sie den Brummis Platz. Danke.“

Freundliche Schilder statt Straßenverkehrszeichen. Hinweisen statt warnen. Nur mal so ein Vorschlag. Warum soll man Dinge einfach nicht mal anders machen. Warum eigentlich nicht? Weil man es immer so gemacht hat? Weil es die Radwegenetz-Verordnung o.ä. vorgibt. Alles kann man auch anders machen. Fast alles.

DSGVO mit Senf

Veröffentlicht in 25. Mai 2018

Wenn es vielleicht auch nicht der Form entspricht. Hier ein paar Anmerkungen unserseits, die wohl notwendig sein könnten.

Wir akzeptieren und halten uns an alle Vorgaben, die diese Verordnung vorgibt. Weil es wichtig ist mit Dingen sorgfältig umzugehen. Sehr wichtig. Du bist wichtig. Das haben wir schon immer so gemacht. Nicht weil wir die Super-Checker sind. Nein! Weil es normal ist. Leider braucht es dazu einer Verordnung, weil dies manche nicht kapieren. Traurig genug. Nichts ist mehr schützenswert als die Freiheit.

Wir speichern keine Daten um Newsletter zu versenden. Newsletter sind meist scheisse. Warum sollten wir das tun?

Uns interessiert einen Scheiss von welcher Webseite Du kommst, wie lange Du verweilst und welchen Browser Du benutzt. Wir haben keine Lust und Zeit diese Daten zu analysieren. Warum? Lieber fahren oder springen wir mit Dir irgendwo in der Natur rum.

Für unsere Veranstaltungen benötigen wir bestimmte Daten. Die Speicherung der notwendigen Daten haben wir an einen Dienstleister gegeben. Diese Daten zu verkaufen ist das Mieseste was wir tun könnten. Also vergiss es.

Bei Interesse melde Dich. Nach dem radeln, schwimmen oder laufen kannst Du gerne einen Dateneinblick haben, falls das für Dein Seelenheil von Bedeutung ist.

Veranstaltungen leben von Emotionen. Von Leidenschaft. Von Bildern im Kopf und von Filmen und Fotos. Dies finden auch die meisten geil. Nicht alle. Diese können/müssen sich vor dem Start melden. Da wir nicht gewährleisten können und wollen dass irgendjemand ein Foto machen, müssen wir Dir dann leider sagen „No Sport. No Start. Today.“

Eine Bitte an alle Knisper: Gehe auch Du mein Freund mit Deinem Geknipse sorgfältig um. Leider gibt es Zeitgenossen, die hier nicht unterscheiden können. Achte Deinen Mitmenschen bitte.

Leute! Wir wollen Spaß haben. Wir wollen nicht auf Deine persönlichen Kosten einen Reibach machen. Und wenn uns mit Dir das MEGA-Bild des Jahres gelingt, der Abräumer auf den YouTube-Kanälen… dann teilen wir den wirtschaftlichen Erfolg. Ehrliches Business wie im Sandkasten „fifty-fifty“. Versprochen. #fingercrossed

Noch ein Satz an alle verf*ckten Abmahner. Unser Jahresumsatz ist die Leidenschaft. Monitär meist ein Drauflegegeschäft. Frage meinen Steuerberater und meinen Banker, die haben Tränen in den Augen. Wenn Du wirklich davon 4% willst – zahlst DU mein Freund. Also Ball flach halten. Geh raus an die Sonne – macht Dich ruhig und tut Dir gut.

Vielleicht finden diese Worte mancher Menschen auch wieder scheisse. So what! Du hast besseres verdient als das was wir tun, Dir bieten können.

An alle anderen…. lasst uns abfeiern.

In diesem Sinne … Cheers.

#seitersimplehearted #3komma8 #siebenfrei #rideheart