Möglicherweise

Posted on 6. August 2016

Es ist ein paar Tage her. Viele Tage. Besser Jahre. Viele Jahre. Möglicherweise 37 oder 38 Jahre her. Leute wie die Zeit vergeht. 

Sitze mal wieder im Zug von Zürich nach Lugano. Ich reise gerne mit dem Zug. Lieber Schiene als Strasse. Es ist eine Frage der Zeit. Schiene ist Mehrzeit. Auch wenn du länger brauchst. Gedankenlos aus dem Fenster schauen. Ok. Es gibt Reisen die sind weniger prickelnd. Menschen können nerven. Im Auto hast du deine Ruhe. Ein Aspekt. Gut sind akzeptable Verbindungen. Weniger gut sind zig Umstiege. Und anschließende Endlos-Fahrten mit Vorort-Bussen.

Damals alternativlos. Hatte noch keinen Führerschein. Kleiner 18. Möglicherweise hätte ich sonst eher den Drang zur Autofahrt gehabt. 

Heute mal wieder über die Alpen ins Tessin. Oder ist korrekter unten durch. Der neue Mega-Gotthardt-Tunnel. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los dass uns die Eidgenossen voraus sind was den Schienenverkehr angeht. Ja aber, sagen die Fachleute. Ist nur so eine Vermutung.
Beim letzten Mal noch an der Kirche von Wassen vorbei. Einem Wahrzeichen auf der Fahrt in den Süden. Einem Fixpunkt in der verwirrenden Linienführung der Kehrtunnels. Der im Zug Reisende sieht die Kirche dreimal von einer anderen Seite. Wer den Augenblick verpasst erzählt zumindest davon. Angelesen. Highlights sind die Verbrüderung der Traveller-Szene. Das Unten-Anstoßen der Woizabier-Trinker. Suchen und finden von Seinesgleichen. Einer Szene die gerne im Globetrotter-Store mit klugen Fragen protzt.
In Airolo auf der Südseite steigen drei junge Schweizerinnen ein. In etwa gleichen Alters wie ich. Rucksäcke. Verschwitzt. Nicht unangenehm. Es sind die Zeiten als die Wagen noch in Abteile gegliedert sind. Sechs Sitze. Drei auf jeder Seite. Ausziehbarer Mini-Wackeltisch. Ich sitze Fenster rechts. Verstehen konnte ich die Schweizerinnen nicht. Dialekt pur. Keine Anstrengung erkennbar – meine ich mich zu erinnern. Möglicherweise ein Hallo. Möglicherweise ein Ist-Hier-Frei. Möglicherweise habe ich nur genickt. Ein JA, ein YES gestammelt. 
Vielfahrer zogen als Trick um ihr Abteil abzuschotten den Vorhang an der Schiebetür (die meist klemmte) zu. Ich war als Erster da. Mein Reich. Fremde nicht willkommen. Unter sich bleiben. Ich war mit diesen Methoden nicht vertraut. Vorhang offen. Türe auf. Schweizerinnen rein. Rucksäcke verstaut. Nur eine der Schweizerinnen kramt in ihrem Utensil, das auf dem mir gegenüberliegenden Sitz steht. Findet und zieht sich unerschrocken um. Für einen kurzen Augenblick sehe ich nackten Rücken. Noch kürzer Busen. Das erste Mal. Wichtige Dinge vergisst man nicht.

Schlimm?

Posted on 6. August 2016

Es geht nicht darum warum sich Menschen umbringen. Da gibt es sicherlich Gründe. Wenn auch schwer begreiflich. Schlimm wenn die Verzweiflung groß. Schlimm wenn die/eine Krankheit dich kaputt macht. Schlimm wenn es der einzigste Ausweg zu sein scheint. Schlimm – aber man (klingt so unpersönlich) muss es Wohl oder Übel akzeptieren. Mir kommt das Buch von Ronald Reng über Robert Enke in den Sinn. Keine Gute-Nacht-Lektüre. Kein Happy End. 
Warum? Ist nicht die Frage. Das Wie? 

Heute in aller Herrgottsfrühe war es mal wieder soweit. Schienensuizid. Die Schienenwelt steht still. 2 Stunden. Keine Information durch die Zugbegleiter. »Vor 7 Uhr machen wir das nicht. Vorschrift. Die Reisenden sollen in ihrer Nachtruhe nicht gestört werden.« Na denn. Ich stell mit vor… Nee lieber doch nicht. Ist halt so. Befürworte eine Vorschriften-Reform. Sagt mir den Ansprechpartner und ich stelle einen Antrag. Scheiss auf die Gute-Nacht. Ich finde es einfach geil zu wissen was Sache ist.
Irgendwann ein Pfiff. Ein Ruckeln geht durch die Wagen. Der IC 61479 nach München nimmt wieder Fahrt auf. Tschüss Plochingen. War nicht schön hier. Du kannst nichts für. Alle sind wach! Nein natürlich nicht – alle schlafen selig… Als wäre nichts gewesen.
Bei aller Tragik einer Selbsttötung. Völlig emotionslos. Ein letzter Akt des Egoismus eines Einzelnen. Klingt hart. Habe ich kein Verständnis für. Klingt menschenfeindlich. Vieler Menschenpläne werden über den Haufen geworfen. Anschlüsse. Zusagen. Verabredungen. Nach-Hause-kommen. Platzen wie Seifenblasen. Das ist mein Egoismus. Und der meiner Mitreisenden. 
Ich sitze im Zug gen Ravensburg. Triathlon. Moderation. Müssen zunächst ohne mich auskommen. Verspätet. Gibt schlimmeres… Irgendjemand muss irgendjemand eine Nachricht überbringen. Keine Gute.

Rennrad

Posted on 20. Juli 2016

Leicht beschwingter Sommersong von DOTA. Und wie schriebe DIE ZEIT einst im Märzen: »Dota vertont Konsumkritik und Sehnsüchte so poetisch wie kaum jemand im deutschsprachigen Musikgeschäft, so zärtlich, witzig und gesellschaftskritisch erzählt, wie es Tucholsky für die Zwanziger tat.« Na denn…

Wichtiger

Posted on 16. Juli 2016

1607_jesuissick

Orte von Attentaten sind wiederholbar und/oder frei aufzuzählen. Jetzt Nizza. Weitere Stätten werden dazu kommen. Vermutlich. Leider.
Es ist gerade viel von Angst die Rede. »Ihr wollt, dass ich Angst habe. Vergesst es!« schrieb unlängst der Spiegel nach den Attentaten von Paris.
Sind wir wirklich so mutig? Oder könnte es sein, dass wir gerade eine kollektive Trotzreaktion an den Tag legen? Die Alternative schließlich müsste bedeuten, den Terror zu fürchten. Und es gibt kein Gefühl, das Menschen weniger gut aushalten als Angst.

Genau das aber könnte ein Missverständnis sein. Denn Angst an sich ist eigentlich etwas Nützliches. Sie ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der uns dazu bringen soll, gefährliche Situationen zu erkennen und zu lösen. Man bezeichnet dies in der Psychologie auch als Furcht oder Realangst, weil sie einen Grund hat. Zum Problem wird Angst erst dann, wenn sie zu einem diffusen, generalisierten Gefühl wird, für das es eigentlich keine Ursache gibt.

Wenn man also zum Beispiel Angst davor hat, dass alle Geflüchteten potenzielle Attentäter sind, ist das eine sinnlose Angst. Wenn man den Terrorismus fürchtet, wegen der sich wiederholenden Anschläge, spinnt man nicht herum. Diese Furcht beruht auf Fakten. Es könnte also sein, dass es gar nicht dumm ist, den Terror zu fürchten. Klüger vielleicht, als einfach weiterzumachen wie bisher.

Das Missverständnis der Angst liegt in der Idee, dass wir die Wahl zwischen zwei Reaktionsmöglichkeiten haben: Als könnten wir uns jetzt nur vor dem Terrorismus verkriechen oder ihm trotzen, indem wir einfach weitermachen wie bisher. Beide Reaktionen sind extrem – und unpassend.

Kein Mensch kann in ständiger Alarmbereitschaft leben. Wie wenig das bringt, zeigt das Beispiel der »Orange Alerts« in den USA. Dieses System ist dafür da, Angst zu erzeugen, damit die Menschen wachsam bleiben. Das funktioniert, erzeugt aber mit der Zeit ein anderes Problem: Weil es keine konkrete Bedrohung gibt, man aber irgendwie handeln will, tun die Menschen absurde und tragische Dinge, indem sie etwa Notfallreserven horten oder Turban tragende Männer angreifen.

Eine bessere Strategie, raten Psychologen, ist ein Realitätsabgleich. Man macht sich also klar, wie viel Grund man tatsächlich hat, sich zu fürchten. Daraus folgt, dass wir in dieser Situation ruhig weiter draußen Kaffee trinken, Konzerte besuchen, Public Viewing und in Biergärten gehen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dabei einem Terroristen begegnen, ist sehr gering. Kleiner jedenfalls, als von einem Typen angefahren zu werden, der zu viel Bier getrunken hat.

Denn die Anschläge zeigen etwas sehr Wichtiges: Sie haben das Gefühl aufgehoben, dass Außenpolitik etwas ist, das weit weg stattfindet und nichts mit unserem normalen Leben zu tun hat. Die Flüchtlinge, die der Krieg in Syrien und Irak nach Europa geschwemmt hat, konnten wir, wenn wir wollten, noch irgendwie als Problem anderer Leute sehen. Aber Angriffe auf Cafés und Konzertbesucher, die wahrscheinlich von Männern mit europäischen Pässen verübt wurden – das ist sehr, sehr nah dran uns. Die Illusion der Trennung zwischen unserer Welt und der da drüben, im Nahen Osten, ist vorbei.

Und das braucht eine bessere Antwort als Trotz. Wenn wir sagen, dass wir unsere in den vergangenen Wochen immer wieder beschworene freie Kultur jetzt weiterleben, indem wir nun erst recht Bier trinken, shoppen und darauf zählen, dass es uns schon nicht persönlich erwischen wird, ist das nicht mutig, sondern kindisch.

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Und es erzeugt ein Wir-gegen-die-Gefühl, das die Situation noch verschärfen kann. Das zu sehen, ist wichtig, weil Psychologie die wichtigste Waffe des Terrorismus ist.

Terroristen haben nur begrenzte Ressourcen. Sie können immer nur wenige Menschen an einigen Orten angreifen. Ihr eigentliches, größeres und globales Ziel liegt in der Psyche der Menschen. Während also die Wahrscheinlichkeit, selbst körperlich Schaden durch Attentäter zu nehmen, sehr klein ist, können sie uns leicht psychisch erwischen: Indem wir uns zum Beispiel auf ein Schwarz-Weiß-Denken einfahren, das »unsere freie, westliche Lebensweise« gegen die Werte der »anderen« stellt, wer auch immer die sein mögen – nur Islamisten oder einfach Muslime allgemein, das ist nicht so ganz klar.

Der amerikanische Psychologe Robert Firestone bezeichnet diese Dynamik als »Fantasy Bond« (eingebildete Verbindung). »Die Teilnehmer haben eine gemeinsame Illusion, die ein Gefühl von Sicherheit und Unsterblichkeit vermittelt. Es gibt eine klare Tendenz zur Idealisierung der ‚inneren‘ Gruppe, jegliche negativen Aspekte oder Falschhandlungen werden negiert. Die Mitglieder projizieren eine kritische, feindliche Haltung auf die ‚äußere‘ Gruppe, die damit dämonisiert wird«, schreibt er. Das Gefühl von Trost und Sicherheit, das dabei für die »innere Gruppe« entsteht, beeinflusst die Beziehung zu Menschen anderer Ethnien, Religionen und Überzeugungen negativ. »Tragischerweise ist dieses Phänomen ein Vorläufer für repressivere und gefährlichere Formen der Polarisierung«, meint Firestone.

Die Ironie liegt natürlich darin, dass auch ISIS-Mitglieder einen »Fantasy Bond« teilen. Der psychologische Druck, den ihr Terror erzeugt, lässt harte Fronten stehen, die genau ihrem Weltbild entspricht. Die Zwischenstufen zu entfernen, das wissen wir mittlerweile, ist ihr erklärtes Ziel.

Umso wichtiger ist, es mit der Angst, die der Terror erzeugt, anders umzugehen, als ISIS-Strategen das wollen und erwarten. Der israelische Psychiater Oded Arbel, der in seiner Praxis Menschen begegnet, für die Terrorgefahr eine alltägliche Realität ist, sagt: »Man kann sich nicht entscheiden, ob man Angst hat oder nicht. Man kann sich nur entscheiden, wie man damit umgeht. Die größte Gefahr der Angst besteht darin, dass man sie vermeidet. Dann ist sie wie ein Krebs, sie wächst und breitet sich aus. Was gegen Angst hilft, ist, etwas Konstruktives mit ihr zu machen, Lösungen zu finden und anderen Menschen zu helfen.«

Man kann es auch mit den Worten des Beatnik- Schriftstellers James Neil Hollingworth sagen: »Mut ist nicht die Abwesenheit der Angst, sondern die Erkenntnis, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als die Angst.«

Quelle: DIE KRAUTREPORTER | Theresa Bäuerlein

Celtic

Posted on 23. Juni 2016

wallup.net

wallup.net

Sommerabend. Mittwoch. Feinste Unterhaltung. Mittendrin die Aussage eines Freundes, er habe keinen Bezug zur Kirche. Ausgetreten. Irgendwann der Satz »Einzig Celtic Glasgow könnte ein Grund für Kirche sein«. Wir sind mitten in der Fußballeuropameisterschaft. Wobei Fußball immer ein Thema ist. Jeden Mittwoch. Kirche manchmal auch.
Aber warum? Was ist der Auftrag jenseits von Diakonie und Kindergarten?

Der Welt deutlich zu machen, dass die Klugheit des Menschen Gott nicht ergreifen kann. »Denn obwohl sich seine Weisheit in der ganzen Schöpfung zeigt, hat ihn die Welt mit ihrer Weisheit nicht erkannt.« Je mehr wir uns also an Gottes Wort halten, desto provokativer wird unser Auftreten sein. Denn uns wird zugemutet, dieser Weisheit Gottes in und mit unserem Leben in Wort und Tat Ausdruck zu verleihen. Und das kann dann schon mal reichlich irritierend wirken, wenn wir z.B. davon reden, den Feind zu lieben oder Kirchen räumen, um Flüchtlingen ein Dach über den Kopf zu bieten. Unser Reden und Handeln soll – nein: muss – sich also schon unterscheiden von dem, was um uns herum zu hören und zu sehen ist. Das Leben und der Tod sind nicht alternativlos! Deshalb ist es so wichtig, über das Kreuz hinauszugehen und den Ostermorgen in den Blick zu nehmen. Würden wir im Diesseits der frohen Botschaft bleiben, verkümmerten wir als Kirche zu einem Dienstleistungsunternehmen und Sinnstiftungsinstitut neben vielen anderen – und drohten damit in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

»Wir jedoch verkünden Christus, den gekreuzigten Messias.« Unser Antrieb die Botschaft vom Kreuz – eine geradezu absurde Geschichte, die sich mit menschlichem Verstand kaum ergründen lässt. Die Liebe Gottes zu den Menschen, die sich darin offenbart, wurde und wird darum immer noch von vielen als Zeichen der Schwäche ausgelegt. Kirche ist etwas für Softies, für Pazifisten, für Ökos und Fremdenversteher … Doch diese Schwäche ist nur eine scheinbare. Denn das Kreuz offenbart gerade dann Gottes Solidarität mit den Menschen, wenn wir selbst die Erfahrung des Scheiterns machen, am Ende unserer unserer Kräfte sind, sterben … Und sie verspricht eben nicht nur Mitleid, sondern durch das Leiden hindurch auch Rettung. Nur darum kann Paulus am Ende auch sagen: »Denn hinter dem scheinbar so widersinnigen Handeln Gottes steht eine Weisheit, die alle menschliche Weisheit übertrifft«

Denn auch des Menschen Stärke ist nur eine scheinbare. Ja, wir fliegen zum Mond und in Kürze wohl auch zum Mars, wir ergründen den Aufbau der menschlichen DNA und bauen die Natur nach, wir erforschen die Welt bis ins kleinste Detail und entdecken immer wieder Neues, das uns zum nächsten Entwicklungsschritt anspornt. Aber in den grundsätzlichen Fragen und an den elementaren Stationen unseres Lebens können wir nicht rütteln. Wir mögen den Tod hinauszögern, aber irgendwann kommt er doch. Wir mögen unser Leistungsvermögen erhöhen, aber irgendwann fallen wir auch. Wir mögen komplizierte Sachverhalte durchschauen, aber die Frage nach dem Warum können wir nicht beantworten. So könnte Paulus auch heute noch fragen: »Wie steht es denn mit ihnen, den Klugen, den Gebildeten, den Vordenkern unserer Welt? Hat Gott die Klugheit dieser Welt nicht als Torheit entlarvt?«
Quelle: ePistel

Celtic ist Herzblut. Das ist mehr als Leidenschaft. Deine Meinung?

Hier zum Nachlesen der Bibeltext aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde von Korinth. Liest sich wie gerade geschrieben.
Mit der Botschaft vom Kreuz ist es nämlich so: In den Augen derer, die verloren gehen, ist sie etwas völlig Unsinniges; für uns aber, die wir gerettet werden, ist sie der Inbegriff von Gottes Kraft. Nicht umsonst heißt es in der Schrift:
»Die Klugen werde ich an ihrer Klugheit scheitern lassen;  die Weisheit derer, die als weise gelten, werde ich zunichte machen.«
Wie steht es denn mit ihnen, den Klugen, den Gebildeten, den Vordenkern unserer Welt? Hat Gott die Klugheit dieser Welt nicht als Torheit entlarvt? Denn obwohl sich seine Weisheit in der ganzen Schöpfung zeigt, hat ihn die Welt mit ihrer Weisheit nicht erkannt. Deshalb hat er beschlossen, eine scheinbar unsinnige Botschaft verkünden zu lassen, um die zu retten, die daran glauben.
Die Juden wollen Wunder sehen, die Griechen fordern kluge Argumente. Wir jedoch verkünden Christus, den gekreuzigten Messias. Für die Juden ist diese Botschaft eine Gotteslästerung und für die anderen Völker völliger Unsinn. Für die hingegen, die Gott berufen hat, Juden wie Nichtjuden, erweist sich Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn hinter dem scheinbar so widersinnigen Handeln Gottes steht eine Weisheit, die alle menschliche Weisheit übertrifft; Gottes vermeintliche Ohnmacht stellt alle menschliche Stärke in den Schatten.

Die Bibel: 1 Korinther 1,18-25

kostbar

Posted on 9. Juni 2016

Depressionen, Burn-Out – Oft nicht sichtbar, da die Menschen die betroffen sind, alles tun – nur nicht Ihre Schwäche zeigen.
Diese Gesellschaft, diese Fußballwelt steht nicht auf schwache Menschen.
Wir brauchen Köpfe, Leader, Kämpfer – wir brauchen niemanden der zweifelt, vor allem nicht an sich selbst.
Wir wollen uns an Hochleistungen der anderen ergötzen, oft auch nur deshalb, weil der eigene Horizont eingeschränkt ist. 
Und wenn einer Hochleistungen bringt, dann haben wir das erwartet, erfreuen uns kurz daran und stehen schon Gewehr bei Fuß, für den tiefen Fall. 

Deutschland – das Land der Dichter und Denker, das war einmal.
Nun sind wir das Land der Besserwisser.
Voll von Missgunst und Miesmacherei.
Egal welche Entscheidung getroffen wird, es finden sich immer ganz schnell eine Menge Leute die das negative sehen.
Lob existiert fast nicht mehr.
Er macht das gut, aber…aber…aber..

Nun hat es nicht Anna oder Bernd von nebenan getroffen, sondern nach Robert Enke, den nächsten prominenten Menschen aus dem Fußball-Zirkus.
Nun sind die Gazetten wieder tagelang gefüllt.
Es wird wieder gesprochen, gemutmaßt, gemaßregelt.
Die Zeitungen werden sich sicherlich schnell einig sein: „So darf es nicht weitergehen!“
Nur um in wenigen Tagen, wenn der 23-jährige Götze den Ball aus 7 Metern nicht im Tor
unterbringt, den Stab über Ihn zu brechen.
Es wird wieder Sechsen Hageln. Menschen werden an den Pranger gestellt.
Aber was soll´s dafür bekommen Sie ja die vielen Millionen, nicht wahr?!

Der Welt, unserem Land und vor allem der Fußball täte gut daran wieder zurück zur Menschlichkeit zu finden.
Über den Tellerrand zu schauen.
Nicht nach dem nächsten Rekord, dem nächsten Erfolg, den nächsten Milliarden zu streben und das ohne Rücksicht auf Verluste.

Fußball – das roch mal nach Bier und Bratwurst, heute riecht es nach Champagner und Geldscheinen.
Auch schon in der Regionalliga…

Was wichtig ist:

Nehmt eure Lieben in den Arm, sagt Ihnen was Ihr fühlt und denkt.
Macht keine Liste, die immer länger wird, mit Sachen die Ihr unbedingt einmal machen wollt.
Sondern lebt. Gebt euren Jahren mehr leben!

»Das Leben ist viel zu kostbar, als dass wir es entwerten dürften, indem wir es leer und hohl, ohne Sinn, ohne Liebe und letztlich ohne Hoffnung verstreichen lassen.« (Václav Havel)

Quelle: Rot-Weiss Oberhausen zum Tode des Fußballlehrers Sascha Lewandowski

Leicester

Posted on 3. Mai 2016

Heute in 10 Jahren: »Wisst Ihr noch, damals, als dieser kleine Klub aus der Mitte Englands die Großen das Fürchten lehrte? Als dieses gallische Dorf der Übermacht der Premier League und den ach so modernen Gesetzen des Fußball-Geschäfts trotzte? Als dieses Team vom Leicester City Football Club aus unbekannten Talenten und angeblich gescheiterten oder alternden Kickern plötzlich anfing, die ganzen Milliarden-Klubs zu besiegen? Als ein Verein, der 2014 aufgestiegen ist und 2015 nur ganz knapp den Klassenerhalt geschafft hat, plötzlich Meister wurde? Wisst Ihr noch, wie dumm die Van Gaals, Wengers, Abramowitschs und Glazers da aus der Wäsche geschaut haben? Und wie sehr sich die echten Fußball-Fans- von Essen über Gijon bis nach Palermo in aller Welt gefreut haben, weil sie ein Stück von dem Glauben an ihren tollen Sport wiedergefunden haben? Einfach nur, weil da mal eine Profi-Mannschaft aufgetreten ist, wie der örtliche Kreisklassen-Klub, der es dem bösen großen Nachbarn zeigen will, bei dem die Spieler nur ihre Schuhe zubinden, wenn die Auflaufprämie bezahlt ist. Und wisst Ihr noch, wie dann alle gedacht haben, die verspielen den Titel noch, weil der Top-Stürmer die letzten Spiele gefehlt hat? Und was haben sie gemacht? Die haben einfach weiter gepunktet und tatsächlich die Meisterschaft geholt. Mann war das geil! Es war der 2. Mai, Montag. Ach, das war ein guter Tag für den Fußball, damals 2016.«

Quelle: RAN SPORT

 

Zwei frei

Posted on 13. April 2016

Ich muss überlegen – zweimal sogar – bis mir Zwiefaltendorf einfällt. Der Dorfname wohlgemerkt. Manche Dinge gibt es wo doppeltes bis dreifaches Nachdenken von Nöten ist. So auch Zwiefaltendorf. Nie auf Anhieb. Keine Ahnung warum. Eselsbrücke. Zwiefalten – deutlich bekannter. Dann Dorf. Das klare Wasser der Zwiefalter Ach mündet hier in die Donau.
»Am Stammtisch? Wenn’s Recht ist. Die Herrschaften haben sicherlich nichts dagegen. Ein naturtrübes Bier?« fragt mich der Wirt beim Eintritt in die Gaststube. Keinesfalls geschäftstüchtig wirkend. Eher ein guter Gastgeber sein wollend. Gelungen.
Die Gaststube brechend voll. Klein. Alle Tische besetzt. Ungewöhnlich laut. Die Menschen sprechen miteinander und lachen. Vielleicht tut das Bier der eigenen Hausbrauerei ein übliches. Gesellig – nichts von Festzeltatmosphäre.
Stammtisch. Mitten im Gastraum. Vorne drei Stühle. Davon Zwei frei. Rechterhand ein Mann essend auf der Stirnseite. Rechts von mir seine Frau. Ebenfalls essend. Belegt einen der drei Stühle. Vermutlich wurden den Beiden diese Plätze ebenfalls zugeteilt. Hinten eine Eckband. Beim Hinsitzen wirst du gemustert. Ist so. Gegenüber ein Mann. Blick nach unten gerichtet. Rollt die Augen hoch. Blickkontakt. Und geht – eine rauchen wie sich später herausstellen soll.
Links stirnseitig ein älteres Ehepaar. Sie links. Er rechts sitzend. Seine rechte Gesichtshälfte durch einen Schlaganfall gezeichnet.
Statt des rauchenden Mannes setzt sich eine Frau hin. Mittleren Alters. Mir gegenüber.

An einen Stammtisch setzt man sich nicht einfach hin. Hier sitzen normalerweise die, die immer hier sitzen. Selber Tag. Selbe Stunde. Rituale. Als Fremder störst du. Im Schwäbischen im Besonderen.
Doch Hunger schlägt Unbehagen.

Essen und gehen. Traue mich nicht mein Kindle aufzuklappen. Obwohl mein Buch sehr lesenswert. Unpassend. Liegt nutzlos neben einem kleinen Stapel von runden Bierdeckeln. Bedruckt mit dem Logo der Gaststätte.

Mein Bier kommt. »Zum Wohl,« wie man für gewöhnlich sagt.

Und plötzlich entwickelt sich ein Gespräch. Woher? Warum? Über Gott und die Welt – wie Menschen zu sagen pflegen. Und Politik. Entgegen amerikanischen Pubs (No Politics. No Religion.) wird in deutschen Kneipen politisiert. Und wie. Wunderbar. Es ist Ostersamstag. Die Deutschen verlieren gegen England. Am Stammtisch keine Einheimischen. Das Lokal leert sich zunehmens. Wie unsere Bierkrüge. Das Gespräch nimmt an Fahrt auf.
»Ihr werdet gut schlafen,« meinte der Wirt zum Abschied. Recht hat er – wie sich rausstellen wird. Auf dem Heimweg Totenstille und Sternenhimmel.

Die Osternacht 2016 in Zwiefaltendorf.

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