Pizza um 12.

Veröffentlicht in 19. März 2020

Peinlich oder witzig. Das ist die Frage. Sometimes. Wenn du schwer von Begriff bist. Also ich. Oder es kommt anders als du denkst. Wie heute. Mein Auftrag klar definiert: Pizza für die Familie bestellen. 12 Uhr.

Bestellung im Ort. Ich möchte ja in diesen CoronaVirus-Zeiten die lokale Gastronomie stärken. Der Pizzeria-Besitzer ist mir seit klein auf bekannt. Ich will nicht warten müssen. Also kurz ne WhatsApp schreiben. Macht man heute so. Und sagt man so. Obwohl WhatsApp im eigentlichen Sinn ja eine Anwendung ist. #isso. Punkt. Dann passiert folgendes:

ICH: Hi Mahir, ich möchte gerne auf 12 Uhr 8 Pizzen bestellen. 2x Margherita / 2x Pilze/Schinken / 2x Salami / 2x Thunfisch ok?
NICHT ICH: haha wtf 😂
klappt?
hää.?😂
Abholung

Kauf dir deine Pizza im Kühlregal 😂
Bin Kontaktperson

sieht mein pb so aus als würde ich Pizza verkaufen xd😂
???
haha wer bistn du
oh wohl falsche Nummer … sorry … alles Gute
haha lol alles gut hab mich grad Todgelacht😂
tschööö 🤣🤣🤣
na dann viel Spaß noch beim Essen bestellen😂
hab ich 🤣
haha na dann besser is es hoffentlich hast du diesmal jmd richtigen erwischt 😂
hab ich …. 12 Uhr ist Pizza Essen angesagt 🤣
Viele Grüsse aus Baden-Württemberg
danke Grüße aus Saalfeld zurück 😂
wer isst denn so früh schon pizza😂
ich 🤣
haha na geil😂

Peinlich oder witzig…. WITZIG. So fröhlich.

Dem Tag – was das Wetter angeht – ein sonniger. Ich durfte trotz Vorbestellung noch etwas warten. Ein junger Mann quert den Dorfplatz. Mir unbekannt.

Hi, dein Einkaufskorb ist ja richtig leer! Gab’s kein Klopapier?
Natürlich nicht und kein Mehl.

Wir lachten beide. Er zieht von dannen.

Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen. (Immanuel Kant)

In diesem Sinne. Gute Nacht.

TRUE OLYMPIC SPIRIT SINCE 2000

Veröffentlicht in 15. März 2020

Ein paar Gedanken um den mz3athlon 2020

Im Monat Mai der Olympischen Spiele von Sydney im Jahre 2000 haben wir den ersten mz3athlon veranstaltet. Wir haben viel erlebt. Höhen und Tiefen. Wie das Leben. Wir haben überlegt nach 18 Jahren aufzuhören. Uns gefiel der Gedanke der Volljährigkeit des mz3athlons als Ende anzusehen. Ihr habt uns keine Wahl gelassen. Es ging weiter. Danke dafür. Euer Lachen ist unsere Inspiration. Euer Kämpfen den mz3athlon zu wuppen ist unsere stille Freude für unsere Anstrengungen im Hintergrund.

Aktuell gibt es wichtigeres als Schwimmen, Radeln und Laufen. Auch drei Tage nach der Entscheidung fühlt es sich richtig an den mz3athlon zu verschieben. Verbunden mit der Hoffnung, dass dann im September wieder alles ist wie es war. NEIN. Besser soll es werden. Corona ist – bei allem Respekt gegenüber dem Leid, das es verursacht – auch eine Chance wie wir uns Leben vorstellen. Wer will ich sein? Für was „kämpfe“ ich um „das Lächeln“ auf mein und auf die Gesichter der Menschen zu zaubern?

Die Textzeile „TRUE OLYMPIC SPIRIT“ ist eine Verneigung vor der Grundidee der Olympischen Spiele. Worte die unsere Athletinnen und Athleten beim mz3athlon leben. Das Logo eine Verneigung vor Tokyo und Japan, ein Land das nach viel Leid in ihrer Geschichte immer wieder aufgestanden ist.

Dies unsere Idee für den 10. Mai. Wir hoffen und freuen uns auf den 13. September. Passt auf euch auf & lasst uns auf die Dinge sehen wie sie wirklich sind. Nicht gefiltert durch unsere Ansichten und Vorurteile.

Cheers.

Dann kommt die Hand…

Veröffentlicht in 22. Dezember 2019

Wir nannten es den DIRT SLIDER. Stangen aus Aluminium an und übereinander gereiht und verbunden. Ein Baugerüst vom Nutzobjekt zum Spiel und Sport verändert. Der Sperrholzboden mit kleinen Luken am Ende der Reihe versehen um nach oben zu kommen.
Nach oben, in ihrer Karriereleiter, wollten auch Heiner und Frank. Gute Arbeitskollegen seit langer Zeit. Fast Freundschaft. Arbeit Hand in Hand. Als gutes Team bekannt.

Wir, das ist MudMates. Ein Hindernislauf. 12 Kilometer. Von der Idee ein Gemeinschaftserlebnis, das Menschen zusammenbringt.

Reihe um Reihe im DIRT SLIDER nach oben. Hochhinaus. Gewollt. Beeindruckend. Und flach angelegt. Du musst auf allen Vieren krabbeln. Gewollt. Das Krabbeln als Vorwärtsbewegung macht Menschen gleicher.

Gleich sind sie nicht, Heiner und Frank. Zumindest ähnlich im Leben und im Job. Gute Mitarbeiter in ihrem Unternehmen, bis die Stelle ihres Vorgesetzten neu ausgeschrieben wird. Heiner bewirbt sich. Frank bewirbt sich. Seitdem sprechen Heiner und Frank kein Wort mehr miteinander. Die Arbeitstage werden zäher. Das Miteinander reduziert auf ein Minimum der Anforderung. Monate vergehen. Stillstand.

Oben angekommen geht es krabbelnd abwärts. Höhe verlieren. Bis zu einer Rutsche. Eine Röhre. 4 Meter in die ungewisse Tiefe. Die Tiefe eines ausgebaggerten Erdloches. Gefüllt mit Wasser. Zu Schlamm geworden. Aufprall mindern. Die Idee ist, dass deine Freunde dir mal wieder aus dem Schlamm, sinnbildlich für Schlamassel helfen. In der Definition ist Schlamassel eine schwierige, verfahrene Situation, in die jemand aufgrund eines ärgerlichen Missgeschicks gerät.

Ein Missgeschick ist der DIRTY SLIDER nicht. Genau so gewollt. Ärgerlich schon gar nicht. Aber Schlamm.

Auch Heiner und Frank landen im Schlammbecken. Nacheinander. Beide versuchen sich zu befreien. Entkommen. Dem Becken – nicht einander. Ihren Weg fortsetzen. Den eigenen. Den ihres Teams. Nicht im selben, das wäre undenkbar gewesen. Einer ist dem Becken entstiegen. Der andere noch drin. Auf der Suche nach Hilfe. Dann kommt die Hand…

Eine Teilnehmerin schreibt im Nachhinein: “Er“ ist ein Teilnehmer bei MudMates, der mich nicht kennt, mich noch nie davor gesehen hat und mir keinen Gefallen schuldig ist und ich weiß er gibt alles um mich zu halten und fightet bis ich mein Hindernis geschafft habe.“

Gut gemacht. Beide. Alle. Danke. Das macht Mut. Weiter geht’s.

Wer füttert Facebook & Co.

Veröffentlicht in 16. Oktober 2019

Meine Zeit mit meinem Smartphone ist reichlich. Beruflich bedingt. Und zur Befriedigung von privater Neugier und zur Freude ein steter Begleiter.
Missen? Nein. Möchte ich nicht. Ich möchte mich keinen Regeln des Digital Detox unterwerfen. Und schon gar keinen Tipps. So nach dem Motto: Ein Löwe erklärt einer Kuh, wie die Kuh ihre Ernährung ändern kann, so mit weniger Kuhfleisch, mehr Gras und so.
WHAT? Wie fremdbestimmt bin ich eigentlich? Wer seid ihr? Social-Media-Monsters?

Nun, mein Konsum und mein Teilungsbedürfnis hält sich in Grenzen. Sicherlich höher als bei anderen Mitmenschen. Hoffentlich auch weniger. Aber – so meine Selbsteinschätzung – auf einer Höhe über dessen Latte ich noch springen kann. Gemeint ist die Hochsprunglatte, nicht die Macchiato. Schon immer. Mein Privatleben sowieso.

Das Schöne ist, alle können tun und lassen was Sie oder Er für richtig hält. Soweit ok. Menschen nennen das Freiheit und die Gedanken sind frei und so.
Weltverbesserung. Essenvorschläge. Reiseberichte. Solidarität. Auch mal abkotzen und Luft ablassen.
Es gibt kommerzielle Seite, die mit mir Infos zu meinen Vorlieben teilen. Das freut mich. Ich lese gerne Berichte über Bikepacking-Touren. Auch vom hintersten Kirgisistan. Wohl wissend, dass ich dieses Land niemals betreten werde. Oder Blogs über Fuß- und Football. Zum Teil zahle ich dafür. Ich fühle mich reicher, weil es für mich von Interesse ist.

Nur, hin und wieder (immer öfters?) schreiben Menschen, dass sie die Facebook-App gelöscht haben. Dass sie nichts vermissen. Hin und wieder reinschauen und die gewonnene Zeit anderweitig Nutzen.

Das in etwa so, wenn die sprudelnde Quelle sagt, dass sie ab jetzt leise sprudelt und/oder versiegt. Der Wasserfall keinen Bock zu fallen mehr hat. Oder eben der Löwe und das Rindvieh.
Wieso belehren uns ausgerechnet die Menschen, die vorher meinten jeden Mist mit uns teilen zu müssen. Zum Schluss noch einen Feuerwerk abschießen, wie abdrüssig ihnen doch die ganzen Posts und alles andere auch vorkommt. Auf zu neuen Ufern. Wie glücklich sie jetzt sind. Und Zeit im Überfluss.

überflüssig! LEUTE HEULT LEISE!

Ich freue mich weiter auf intelligente Posts und Geschichten. Über Blödsinn, der mich zum Schmunzeln und Lachen bringt und schöne Bilder (Insta ist eh viel schöner). Schenke mir Raum und Zeit. On- und Offline. Ich brauch, ich will das. Ob ich Löwe, Rindvieh oder ein auf dem Baum sitzend Eichelhäher bin, der fröhlich sein dchää-dchää oder ein piüü in die begrenzte Welt twittert – ist dann meine Sache.

Wer füttert eigentlich Facebook?

überrehmt

Veröffentlicht in 25. Juni 2019

Vor Tagen, vielleicht Wochen las ich folgende Randnotiz in meiner lokalen Tageszeitung: Rehm meldet Insolvenz an!

Rehm ist eine Metzgerei, die einen gewissen Bekanntheitsgrad durch die Produktion von Wurst in Dosen erreicht hat. Die Größe dieses Unternehmens ist mir nicht bewusst. Die Dosen klein. Mir unbekannt auch die schwäbische Herkunft. Hat bei meinen Einkäufen nie eine Rolle gespielt. Möglicherweise zurückzuführen auf fehlendes Marketing, was ja eine Insolvenz zur Folge haben kann. Stichwort Unternehmensdarstellung. Brand-Building. Es wird in solchen Fällen gerne von Management-Fehlern gesprochen. Dieses sagt, die Erhöhung des Schweinefleischpreises hätte der Markt nicht hergegeben. Mit dem Markt fühle ich mich gemeint. Kann ich nichts zu sagen. Mich interessiert die Entwicklung des Schweinefleischpreises nicht im Geringsten.

Ich esse seit roundabout 25 Jahren keine Wurst und kein Fleisch. Insofern trage ich eine Teilschuld am möglichen Untergang dieses Traditionsunternehmens. Ich mache es mir nicht einfach und sage es wäre mir wurst. Wohlwissend, dass zum Beispiel Menschen mit einer Mehlunverträglichkeit keine Mitschuld an der Pleite einer xbeliebigen Mühle haben. Oder Atheisten an der Auflösung einer Kirche. Ist ja klar. Ich jedenfalls war einmal Rehm-Kunde. Das ist der Unterschied. Aber nicht allein des Verzichtes wegen, auch zuvor habe ich diese Wurstdosen nicht mehr in meine Einkaufstasche gepackt. Dabei heisst es doch, dass Verbraucher mit den Füßen entscheiden. Na denn!

Mein Handeln hat zwei Gründe:

Für eine gewisse Zeit in meinem Leben waren diese Wurstdosen Grundnahrungsmittel. Was erstmal kurios und dumm klingt. Die gewisse Zeit begrenzt sich auf ziemlich genau zwei Wochen oder drei. Wir waren als junge Menschen mit einem umgebauten Mercedes-Kastenwagen Typ 210, einem Benziner, weiss mit Hochdach, in Norwegen unterwegs. Der geläufige Name Sprinter wurde erst einer späteren Generation von Fahrzeugen zugefügt.
Bevorratet mit besagten Rehm-Wurstdosen, Cherry-Cola und Riccadonna einem italienischen Cinzano-Ersatz. Brot haben wir frisch gekauft, meine ich mich zu erinnern. Ganz sicher bin ich mir nicht. Möglicherweise aßen wir auch mal Nudeln. Überwiegend die Wurst in allen Variationen. Nach diesen Tagen war ich fertig mit Rehm. Einfach überrehmt.

Erschwerend noch das Öffnungssystem. So ein kleiner Nippel, wie wir ihn heute aus Getränke-Aluminiumdosen kennen. Man dreht das kleine Metallstück, das am Dosenoben angenietet ist vom Deckel weg nach innen und nützt die Hebelwirkung, um den angestanzten Deckel abzuziehen. Das macht einen Büchsenöffner ersetzlich. Anwenderfreundlich. So die Theorie. Allerdings noch in der Entwicklungsphase. Mit der Technik war man vor sagen wir mal dreißig Jahren noch nicht so weit, versuche ich heute mein trostloses Scheitern damals zu erklären. Fakt ist, dass das Öffnen der kleinen wurstigen Dosen mittels des Nippels mir zu nahezu hundert Prozent mißlang. Nippel ab. Dose zu. Wurst drin. Ich… lassen wir das. Keine ganz einfache Zeit.

Wenn du zwei Gründe hast, die gegen ein Produkt sprechen, lässt du es links liegen. Schweinepreise hin oder her.

sehend. verrückt. frontal.

Veröffentlicht in 8. Juni 2019

„Jetzt sehen wir uns wieder“, sage ich voll Freude. Zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Stunden. Er kommt mir auf dem Bahnsteig entgegen. Mit dem linken Arm eingehängt in den rechten Arm seiner Begleiterin. Ob es seine Frau ist? In der rechten Hand einen Stock. Wie, als wir uns zum ersten Mal sahen, wenige Stunden zuvor. Ich bleibe stehen. Er dreht den Kopf zu mir. Dann lacht er und sagt nach einer kurzen Pause der Überlegung „ja, sehen wir uns wieder. Sehend.“ Die Beiden bleiben ebenfalls stehen. Die Frau auf seiner Linken drängt still zum Weitergehen. Es scheint, ihr ist die Sache nicht geheuer. Ihre Mimik zeigt wenig Reaktion. Nach einer weiteren kurzen Zeit sagt er „ein lustiges Wortspiel“. Verrückt. Obwohl wir wenige Worte gewechselt, einmal gesehen, habe ich das Gefühl, dass er mich erkannt hat. Die Stimme. Ich muss mich nicht erklären. Wow.

Sein weißer Langstock tastet entlang der im Alltag unbeachteten Rillenpflaster. Der Mann ist blind. Die Pflaster sind an Haltestellen zur Orientierung und Navigation angebracht. Man nennt sie taktile Bodenleitsysteme.

Einen Fremden anzusprechen, ist nicht so meine Sache. Einen blinden Menschen auch nicht. Erst recht nicht. Das hat mit dem Recht auf des in-Ruhe-gelassen-werdens zu tun. Weniger wegen Menschenfeindlichkeit oder Unsicherheit. Die Wortwahl „sehen“ ein gewagtes Spiel. Kurz überlegt. Können? Dürfen? Sollen? Wagen, denke ich.

Die Unbekümmertheit des Lebens ausnutzen. Es gibt nichts zu verlieren. Nichts. Vielleicht eine Reaktion der Verwunderung. Menschen anders zu begegnen als gewohnt. Den üblichen Weg verlassen. Ungewohnt. Überraschend. Die Fröhlichkeit liegt im Tonfall der Sprache. Ich meine es ja gut. Und sollten wir Menschen mit einem Handicap nicht so behandeln, wie die Müllers, Maiers und die Schmidts? Höflich. Wertschätzend. Normal eben.

Das ist dieses „etwas“ an diesem Moment. Warum es sich lohnt darüber zu schreiben. Eben jemanden nicht zu übersehen. Frontal. Wenn es die Situation ergibt. Natürlich. Sonst nicht. Und wenn du gut drauf bist. Das bin ich.

Wenige Stunden zuvor. Treffpunkt der Critical Mass in Stuttgart. Feuersee. Hunderte von Radfahrern versammeln sich um gemeinsam zu radeln. Die Straßen dicht. Die gewohnten Laufwege teilweise blockiert. 

Wenn auf einmal alles anders ist, bringt das Ungewohnte Überraschungen mit sich. Paar Meter vor mir versucht ein Paar sich einen Weg durch die Menschenmenge zu bahnen. Er eingehängt mit dem linken Arm in den rechten Arm der Frau. Nicht ungewöhnlich. Mit dem rechten Arm führt er einen Stock vor sich her. Ich ebne den beiden ein kleines Spalier durch den Radpark. Er läuft vorbei und fragt, ob das der Weg zur Haltestelle wäre. Ich bejahe. Nur noch wenige Schritte bis.

Er bleibt stehen. Sie wohl-er-der-übel auch. Ihr ist die Sache nicht ganz geheuer, scheint mir. Interessiert fragt er, was hier los wäre. Ich erkläre und lade ein mitzumachen. Ein Tandem habe er. Na prima, sage ich. Dann sehen wir uns im nächsten Monat. Erster Freitag. Achtzehndreißig.

Ich würde ihn kutschieren, denke ich während ich diese Zeilen schreibe. Wir sehen uns wieder. Der Blinde und ich. Verrückt. 

Name? Ungefragt. Gefühlt zu offensiv. Zu frontal. Es ergibt sich. Oder nicht. Mal sehen…

gott•ver•las•sen

Veröffentlicht in 21. April 2019

OK. An einem Ostersonntag nicht die ideale Überschrift. Ist doch gerade aus christlicher Sicht die Wende. Gefeiert wird die Auferstehung von Jesus Christus.
Gottverlassen meint auch, abseits von allem Verkehr, von allem städtischen Getriebe gelegen. Eher negativ. Viel schön. Grundschulen von Stararchitekten erschaffen. Sonst nix. So war es. Raus und machen. Die Definition für kurz mal weg sein.
Ich habe es gemacht. Mikroabenteuer machst du ohne Zelt. Ich hatte – einem Ratschlag folgenden – eines dabei. Der und das war gut so. Richtig gut. Ohne, hätte ich die Schnecke auf der Backe in meinen tiefsten Vorstellungen, jetzt ich in echt, doch spüren können.

Habe mir extra – wieder – eines gekauft. So ein Zelt. Dabei meinte ich vor längerer Zeit, dass meine Zelt-Zeituhr abgelaufen ist. So mit dem Alter. Komfort und so. Zu viele Dinge, die beim Zelten nerven, auf den Sack gehen und auch im Nachhinein schwerlich als wunderbare Erfahrung durchgehen. Natürlich gilt die alte Regel, dass je schlimmer der Erfahrungswert, desto besser der Erzählwert ist.
Die meisten Menschen haben Bilder im Kopf. Meist sind es nicht die romantischen. Sondern eher die Mischung, zwischen schlechtem Schlaf, Schnacken und diesem unsäglichen etwas zwischen feucht, klamm und muffig. Selbst an schönen Tagen. Was erst wenn Regenwetter ist?
Wenn du unterwegs bist, hältst du früh nach einem Zeltplatz Ausschau. Auch nach Plätzen ohne Zeltnotwendigkeit. Obwohl du eines dabei hast. Das Auge schulen für kommende Abenteuer.

Du schaust dich um. Oh… nett hier. Es ist aber erst 11 Uhr und du willst bis Sonnenuntergang vorwärts kommen. Das Ideal für mich wäre am Rande eines Sportplatzes. Neben dem Spielfeld bleibt immer ein Stück über. Guter englischer Rasen für das Nachtbett. Eben und weitläufig und trotzdem geschützt durch Büsche oder Hecken.

Drei-viertel-acht. Die spontane Entscheidung. Hier und nicht weiter. So endet mein Tag an einem Jugend-Zeltplatz. Viel Grill. Sitzflächen aus Holz. Hinweisschilder. Kleine Hütte winterfest. Genügend Fläche zum Zeltaufbau. Kostenpflichtig. Verbunden mit dem in eine Abhefthülle eingeschobenen A4-Schriftstück, schwarz auf weiß in Arial fett, dass geschlossen bis 30.04.. Das Datum besonders groß und mittig. Mhhh… der Tag kommt noch Stand heute. Wird schon kein Ranger unterwegs sein. Die Sonne ist kurz vor dem untergehen. Die Gegend gottverlassen. Bitte, wen soll das jucken?
Baden und Müll ablagern ist nicht erlaubt. Habe ich auch nicht im geringsten vor. Das Sun-Downer-Gute-Nacht-Dosenbier habe ich mir abgeschminkt. Kauf unmöglich. Beim nächsten Mal werde ich eines dabei haben. Ist schließlich Kult und ein Grund für raus und machen, sagt die Legende.

Die Nacht war ruhig. Keiner wollte was von mir. Fast. Nur, dass ich ab sofort Spechte hasse. Auf englisch woodpicker.

Selbstkritisch betrachtet Luft nach oben, wenn wir über die Auswahl des Lagerplatzes sprechen sollten. Müssen wir nicht. Noch in der Nacht freute ich mich auf die wärmende Sonne, die im schlafsack-liegend mir den neuen Tag ankündigen wird.
Es war ein Schattenplatz, einer der wenigen auf dem Zeltplatz. Ich hatte den schattigsten aller Schattenplätze als Nachtlager auserkoren. Morgens kalt, muffig, klamm und feucht. Aber idyllisch gelegen. Sehr sogar.
Wer spricht Tage später noch von der Morgenkühle, die dir in den Knochen steckt. Ich nicht.
Auf französisch heißt der woodpicker charmant pic-bois.


Verbogener Glücksfall

Veröffentlicht in 17. März 2019

Nicht verbiegen lassen. Dein Ding machen. Einfach gesagt. Dazu gehört viel dazu. Auch Umgebung. Die dich eben so lassen machen. So wie du bist. So wie ich bin.

Habe nur den Einstieg in den Text gesucht. Klingt weiser, als über die Dummheit zu schreiben. Weit davon weg Lebensweisheit zu verbreiten, die glücklich machen und sollen und überhaupt. Sollen andere. Können das besser. Manche überhaupt nicht. Kriegen teilweise sogar Geld dafür. Manche viel. Gegönnt.

Ich habe meine Mülltonne verbogen. OK. Ist sicherlich nicht Weltproblem EINS. Auch nicht MEINS.

Doch paar Gedanken des Glückes wert. Und des Dankes an den Zufall.

Vermeintlich heiße Asche in den mausgrauen Behälter geleert. Seltsame Begrifflichkeit. Etwas leeren um es damit zu füllen. Zudem in eine Tonne in die keine Tonne reingeht. Egal. Also in die Mülltonne rein. Deckel zu. Papiertaschentücher nachgelegt. Das Gemisch entwickelt Leben.

Jetzt weiss natürlich JEDE und JEDER… wie blöd muss man sein, um…

Eins vorneweg… die jahrtausendealte Bezeichnung „Keine heiße Asche einfüllen“, ist im Zuge der Evolution des Heizwesens verschwunden. Was mich nicht automatisch zum Unwissenden machen sollte.
Auch irgendwelche Belehrungen im Nachhinein fruchtlos. Passiert. Punkt.

Es ist ja nicht so, dass du dein Tun Schachspieler-ähnlich vorausplanst. Abwägst. Irgendwann ist Tonne angesagt. Unbewusst. BÄÄM. Wer denkt schon dass…

… das Gemisch Leben entwickelt. Mit Leben meine ich Veränderung.

Jetzt zum Glücksfall. Es ist dunkel. Später Abend. Meine Mülltonne steht einsam am Straßenrand. Wartend auf die morgendliche Abholung. Alle zwei Wochen. Gibt es eine App für, die die Planung vereinfacht. Wie das Leben so spielt, nicht erklärbar, gehe ich nochmals raus und sehe eine Rauchschwade aufsteigen. Kaminartig. Kerzengerade gen Himmel, da windstill. Glimmend. Kurz vor Feuer.

Nachdenken. Retten, Löschen, Bergen, Schützen.

Ich bin kurzzeitig Feuerwehr. Kein Held. Eher Depp.

Mit Windunterstützung klappert der Eimer neuerdings wie die Mühle am Bach. Öffnet seine Klappe hin und wieder. Unkontrolliert. Ich habe meine Mülltonne verbogen.