Der Rucksack & der Schnee

Veröffentlicht in 26. Januar 2026

Ich habe mir geschworen, dass … na ja. Man kann ja wenigstens mal schauen. Googeln ist schließlich noch kein Kaufen. Googeln ist eher ein vorsichtiges Blinzeln in Richtung der möglichen Möglichkeiten

Und dann stolpere ich über die Maße eines Rucksacks in Inches und lande beim Umrechnen in Zentimeter – mir deutlich mehr vertraut – bei:

0.0267313982 m⁻⁵·kg²·s⁻⁴·a⁻³ bytes

Ein Wert, der klingt wie ein Scherz, den das Universum sich erlaubt hat. Physik. Bytes. Irgendwas mit hoch minus irgendwas. Nichts davon gehört zu meiner Kernkompetenz. Wobei ich mich ohnehin frage, ob ich so etwas wie eine Kernkompetenz habe. Das ist keine Unsicherheit. Eher eine nüchterne Bestandsaufnahme. Mein Kopf ist kein Werkzeug. Er ist ein Streuner. Er kommt und geht, behält Dinge für sich, wirft mir andere ungefragt vor die Füße.

Ich kann ein belangloses Lied von Wolfgang Ambros (Nein, nicht Schifoan. Der Baum vor meinem Haus.) Jahrzehnte später fehlerfrei aufsagen. Aber den Satz, den ich gerade gelesen habe, der ist schon wieder weg. Mein Buch klappt zu. Kein Lesezeichen. Keine Eselsohren. Und plötzlich ist alles verloren. Ich lese Passagen doppelt, dreifach, ohne es zu merken. Du weißt schon.

Apropos Rucksack. Man kann nicht genug davon haben. Und ich suche immer noch den Endgegner. Den letzten. Den einen, der mich den Rest meines Lebens begleitet. Oder andersrum. Ich trage. Er wird getragen. Das ist so meine Herangehensweise, bevor ich mich suchend Richtung Schrank, Bühne und Keller begebe.

Idee eins: bestellen. Derzeit verboten. Eine Vereinbarung mit mir selbst. Schwierig, aber bindend.

Idee zwei: alte Rucksäcke über Kleinanzeigen verkaufen. Refinanzierung. Wäre eine gute Möglichkeit. Das gestehe ich mir zu. Ich müsste nur anfangen.

Es hat geschneit. Fünfzehn Zentimeter. Hier – in meiner Heimat – ist das fast ein kleines Wunder. An Kleinanzeigen, zu Stöbern im Vorhandenen usw. ist nicht zu denken. Es gibt Wichtigeres. Und das ist mein zweites Problem: die Gewichtung des Notwendigen.Ich lasse gerne mich ablenken. Also nicht gerne, aber im schwäbischen verniedlicht man es gerne so. Ablenkung mit Begeisterung. Mit Hingabe. Eigentlich sollte ich konzentriert arbeiten. Stattdessen sitze ich hier und schreibe diese Zeilen, während mein Herz sagt: Raus. Auf die Felder. Durch den Schnee stampfen. Heute Abend werde ich gewußt haben was ich vorhatte.

Oh Leute.
Leben ist schwierig.
Und schön zugleich.

Richtig schön. Heute in weiß.

Leben leben eben.

Veröffentlicht in 21. Januar 2026

Ich habe das Gefühl, ich sitze auf einem Baum. Auf einem Ast. Meine Beine baumeln. Blick nach unten. Es ist nicht hoch. Kein Absturz. Und trotzdem Bedenken. Vielleicht passiert nichts. Vielleicht genau das. Die Leute sagen, es gibt Schutz. Für Schwangere. Für Betrunkene. Ich bin beides nicht. Oder doch. Betrunken vor Lebenslust. Betrunken vor Sehnsucht. Nach Glück. Nach Losgehen. Ohne Sicherung. Schwanger? Dem Kommenden Gestalt geben. Verantwortung für Anfänge übernehmen. Zukunft verkörpern. Dem Leben Raum und Traum geben. Leben leben eben.

Ich habe das Gefühl, ich sitze auf einem Baum. Auf einem Ast. Meine Beine baumeln. Blick nach links. Politik. Geräuschkulisse. Die Stimmen werden leiser, nicht weil es ruhiger wird, sondern weil sie sich ähneln. Zustimmung, Empörung, richtige Haltung. Mehr Gedanken, mehr Reflexion, mehr Selbstvergewisserung. Wir verändern uns für etwas, das wir angeblich wollen, aber eigentlich nur verteidigen, weil es einmal richtig war. Ist es mein Fehler? Meine Wahrnehmung eines vermeintlich Guten, das längst nicht mehr schützt, sondern sich selbst verwaltet? Vielleicht ordne ich falsch ein. Vielleicht halte ich Loyalität für Fortschritt. Vielleicht ist es einfach mein Ding, mir die Welt so zurechtzulegen, dass ich sie aushalte. Und irgendwo dazwischen diese Frage, die sich festsetzt wie ein Splitter: Endet die Macht des Volkes in der Wahlkabine oder …?Wenn ich nur nach links denke, denke ich im Kreis. Immer dieselbe Kurve. Immer wieder Start. Das selbe Ziel.

Ich habe das Gefühl, ich sitze auf einem Baum. Auf einem Ast. Meine Beine baumeln. Blick nach rechts. Ich mag das Wort nicht mehr. Rechts. Es fühlt sich kalt an. Schwer. Dieses politische Rechts hat Masse bekommen. Es wächst. Es schiebt. Und niemand ruft Stopp. Niemand: Haltet die Fresse! Es ist ein leichtes, anonym einen FCKAFD-Sticker an einen Laternenmast zu kleben. Alles fließt weiter. Gleiche Geschwindigkeit, eher zunehmend gar, falsche Richtung. Vielleicht ist es wieder mein Ding. Meine Wahrnehmung. Meine Projektion. Aber wer nur nach rechts schaut, dreht sich genauso im Kreis. Nur anders herum. Eine Gemeinschaft unter Gleichen. Menschsein nach Vorschrift. Und raus bist du. Abgesch(l)ossen.

Ich habe das Gefühl, ich sitze auf einem Baum. Auf einem Ast. Meine Beine baumeln. Blick nach oben. Woher kommt mir Hilfe? Himmel. Fragezeichen. Ist das Religion? Oder Hoffnung mit besseren Klamotten? Glaube. Liebe. Hoffnung. Und die Liebe ganz oben, sagt man. Und wenn nicht? Darf man zweifeln? Oder muss man mutig sein, einfach los? Bereit sein zu kämpfen. Für ein Leben, das sich richtig anfühlt. Und wenn ich fluche – Himmelherrgottssakramentnochmal – dann nicht gegen Gott. Sondern gegen die Leute und mich.

Ich sitze auf diesem Ast und schaue in die Weite. Mehr Blick. Ungewohnte Perspektive. Gedanken pendeln. Hin. Her. Vielleicht sollte ich wirklich wieder auf einen Baum klettern. Echtes Holz. Raue Rinde. Beine baumeln lassen. Nicht bequem. Nicht sicher. Nicht für lange. Kippelig. Hände brauchen Halt. Leichter Druck auf dem Allerwertesten. Der Ast bewegt sich. Ich bewege mich mit. Nicht fallen. Nicht erstarren. Balance ist Arbeit.

Balance. Ich falle nicht aus Versehen.

Die Tagesschau

Veröffentlicht in 15. Januar 2026

Wie ist dein Ritual, dich upzudaten? Zu festen Zeiten, zu festen Bildern, zu festen Stimmen und Stimmungen? Ich frage mich das immer öfter, denn ich schaue Nachrichten weder morgens noch abends. Nicht aus Desinteresse und nicht aus Trotz. Eher aus dem Gefühl heraus, dass mir beides im Moment nicht guttut. Diese Phase läuft seit Monaten, Jahren gar. Der Morgen ist mir zu offen dafür, der Abend zu voll. Ich kenne das Ritual, ich respektiere es, für viele ist es richtig. Für mich nicht. Ich bin eher ein Leser. Zeitungen, unterschiedliche. Am liebsten einen Tag später. Nicht der Bericht darüber, was passiert ist, sondern der Versuch zu verstehen, was es bedeutet. Kommentare, Meinungen, Reibung, Pro und Contra. Nicht, um mir eine Wahrheit zu leihen, sondern um mir selbst eine zu bilden. Das gelingt nicht immer, dafür reicht oft weder Zeit noch Kraft, aber der Versuch bleibt. Vielleicht fällt es mir deshalb schwer, meine Meinung in ein paar Zeichen irgendwo abzuladen – etwa auf X, ehemals Twitter. Dort, wo ein sehr reicher Mann sich aktuell, mit KI generiert, als junges Mädchen im Bikini zeigt, ironisch gemeint, angeblich lustig, angeblich harmlos. Viele lachen, klopfen sich auf die Schenkel und scrollen weiter. Ich frage mich: Warum genau dieses Bild? Wenn es wirklich nur Spaß wäre, warum nicht als Elefant, als Frosch, als Pavianarsch? Gerade weil er das nicht tut, ist es ein Symbol, und Symbole sind selten unschuldig. In der Zeitung Der Freitag bin ich auf ein Zitat von Slavoj Žižek gestoßen: »In einer idealen Welt würden wir anfangen, Wladimir Putin festzunehmen, Benjamin Netanjahu und Donald Trump selbst. Zusammen mit Maduro sollen sie sich alle die gleiche Zelle in Den Haag teilen.« Žižek bietet keine Lösungen an, er stört. Er sagt Dinge, die nicht machbar sind, damit Gedanken möglich werden, die notwendig sind. »Manchmal muss man das Falsche sagen, um das Richtige denken zu können.« Genau das tut meinem Denken gut. Es bewahrt mich davor, alles hinzunehmen, verändert meinen Ton im Kleinen und gibt mir die Kraft, nicht stehenzubleiben. Ein anderer Satz begleitet mich: »Krisen sind keine Ausnahmen des Systems, sie sind die Momente, in denen das System ehrlich wird.« Das Reale ist dabei oft brutal, nicht laut, sondern nüchtern. Ehrlichkeit, ehrlich sein, die fehlen. Mir. Ich mag kluge Sätze von klugen Menschen; sie sind für mich Filter, keine Beruhigung, eher Verarbeitungshilfe. »Macht zeigt sich oft dort, wo dir gesagt wird, du seist frei, und du dich trotzdem gezwungen fühlst.« Also gehe ich weiter, einen Schritt nach dem anderen. Ja, das klingt nach Durchhalteparole, nach Kalenderblatt, nach zu einfach. Mag sein. Aber es ist mein Weg, meine Meinung. Ich will lauter werden und leise sein zugleich. Ich versuche mit an der Balance zwischen zuhören und reden. Ich will. Das ist 0 Vorsatz. Vorsätzliches handeln wirkt sich nicht strafmildernd aus. Um 20 Uhr habe ich besseres vor. Frei.

Korona

Veröffentlicht in 4. Januar 2026

Ich liebe die Zeit zwischen den sogenannten Jahren. Etwas wird langsamer. Die Tage, vielleicht auch der Mensch. Ich. Eine Ruhe breitet sich aus, die man sonst in Kursen über Resilienz und Aufmerksamkeit sucht, oft teuer bezahlt und doch vermisst.

Ganz frei bin ich nicht. Drei feste Arbeitstermine liegen in diesen Tagen. Und gerade deshalb mag ich sie. Sie gehören dazu, wie Markierungen in einer ansonsten offenen Landschaft. So wie meine Radstrecke. 500 Kilometer. Kein Pappenstiel. Irgendwo habe ich einmal geschrieben, es sind nicht die Tage, sondern die Kilometer die zählen. Dieser Satz passt – für eine Weile.

Meine, die Welt steht nicht still. Ich weiß das. Aber sie fühlt sich an, als würde sie kurz anhalten. Dieses gute Gefühl reicht. Es schenkt mir Ruhe. Gleichzeitig Zweifel. Und Mut. Den Mut, wieder nach vorne zu denken, ins neue Jahr hinein. Ich bin noch Stunden davon entfernt und bleibe bewusst hier. Ich koste jede Sekunde aus.

Seit ein paar Tagen steht eine Sauna im Garten. Ein Weihnachtsgeschenk auf Zeit. Ein Versuch, ein Test einen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Ein paar Holzscheite genügen, um eine Wärme zu erzeugen, die mehr ist als Temperatur. Sie tut gut. Sie macht Freude.

Der Weg durch den Garten ist kurz. Leicht bekleidet gehe ich durch die Kälte. Es ist dunkel. Still. Familie trifft sich – ungewöhnlich Ort. Macht es besonders. Ein Hauch von »Geheimnis«. Die Nachbarn sind fort oder zurückgezogen in ihre warmen Häuser. Die Rolladen runter. Der Schnee knirscht bei jedem Schritt. Ein Zentimeter hat gereicht, um alles zu verändern. Was ein Glück.

Klamotten aus. Wärme an. Später laufe ich nackt durch die Nacht, geschützt vor fremden Blicken – so hoffe ich zumindest. Wer will schon einen nackten Mann sehen? Der Gedanke des Schreckens und Grauen taucht in mir auf, verschwindet wieder. Es ist dunkel. Es ist kalt. Ich bin sicher. Niemand sieht mich. Also genieße ich den Moment (Adiletten sind die Gamechanger) und schleiche zurück in die Wärme.

Auf dem Rückweg ins Haus, es sind nur ein paar Meter, passiert etwas Unerwartetes. Meine Brille beschlägt von der Wärme meines Körpers. Um den Mond liegt ein regenbogenfarbener Ring. Auch um den beleuchteten Stern im Garten. Ein stilles, fast übersehenes Schauspiel. Zu kalt, um mich sattzusehen.

Man nennt es Korona. Mit »K«.

Saal. Saat. Staat.

Veröffentlicht in 13. November 2025

»Was meinst du mit Melodie?« Ein leises Peep. Dann Stille. Meine Tastatur hatte sich mit einem kleinen Lied verabschiedet – eine Melodie, die ich im selben Moment vergesse. Danach geht nichts mehr. Kein Buchstabe, kein Wort, kein Satz. Nur Schweigen zwischen Finger und Maschine. Nur in meinem Kopf rattert es. Ein etwas anderes.

Es ist seltsam, wie sehr sie zu mir gehört, diese Tastatur. Ich spüre jeden Anschlag, als wäre er ein Teil meines eigenen Körpers. Der Druck, der Klang, das kurze, trockene Klicken – all das ist mir so vertraut wie mein eigener Atem. Ein guter Tastendruck ist wie ein gutes Werkzeug: unscheinbar, unverzichtbar.

Ich habe einmal gelesen, dass Pianistinnen und Pianisten sich im Gefühl unterscheiden. Die Noten eines Musikstückes bleiben gleich. Sind ja vorgegeben. Jede Note. Jede Pause. Jede Vielstimmigkeit. Jede Harmonie. Aber das, was zwischen Finger und Taste geschieht, das ist das, was aus Musik Musik werden lässt. Die Kunst. Die Faszination bekanntes anders zu interpretieren, anders wahrzunehmen. Zwischen Wohnzimmer und Konzertsälen. Vielleicht ist Schreiben ähnlich. Auch hier entscheidet das Gefühl über das, was lebt – über den Unterschied zwischen bloßem Tippen und wirklicher Sprache.

(Schreibt man eigentlich Sääle so? Oder Säle? Oder vielleicht Säale?). Habe einen Hänger. Mein Schreibprogramm zeigt keinen Fehler an. Natürlich nicht. Gerade dann, wenn man wirklich wissen möchte, was richtig ist. Aber was heißt schon richtig? Oder wichtig?
Ich sitze vor dem Bildschirm. Es fühlt sich anders an. Nur der Cursor blinkt, und dieses Schweigen, dieses Nicht-Funktionieren, wirkt fast persönlich. Ein kurzer Stich von Panik. Ich bin auf diesen Rechner angewiesen, auf seine Zuverlässigkeit, seine stillen, mechanischen Versprechen. Mein Denken geht über den aktuellen Moment hinaus.

Manchmal, in solchen Momenten, wünsche ich mich fort. Zurück in den Wald. Kohlen köhlern, mit den Händen, mit Rauch und Harz und Schweiß. (»Köhlern« kennt mein Wörterbuch übrigens auch nicht.) Was natürlich Blödsinn ist. Ähnlich wie »beim nächsten Mal….«. Ich will mich ändern – mal wieder.

Zur Beruhigung beschäftige ich mich mit Worten: Säle, so ist es richtig. Die Mehrzahl von Saal. Die Mehrzahl von Saat ist Saaten. Säen und säten – ist das Verb dazu. Das fehlt dem Saal. Auch dem Staat.

So sitze ich schließlich vor dem Apple Store. Um mich herum ein Einkaufszentrum – hell, glatt, durchzogen vom Duft nach Kaffee und Klimaanlage. Die Menschen im Store dort sind freundlich, geübt im Trösten. Ruhig und verständnisvoll. Am selben Tag einen Termin zu bekommen, sagen sie, das sei selten und Glück. Zugreifen. Glück im Unglück, nennt man das. Wobei eine defekte Tastatur kaum ein Unglück ist. Nur manchmal. Heute.
Der Tag vergeht wie im Flug. Vielleicht liegt das Glück nur darin, dass ich heute überhaupt Zeit habe – Zeit, die sonst oft fehlt. Eine kleine Atempause zwischen Arbeit und Funktionieren.

Während draußen die Sonne geschienen haben wird, werde ich im Bauch des Einkaufspalasts im künstlichen Halbdunkel gesessen haben.
STRG C + STRG V: Ich weiter so, ruhig und offen, und das Funktionieren fügt sich einfach ein.

demütig.

Veröffentlicht in 4. November 2025

Abschluß-Gedanken Gaffenberglauf | 02. November 2025

Ich kenne viel die hier am Gaffenberg »gewirkt« haben. Eine Wirkung – Erinnerungen hinterlassen haben. Erinnerungen, die mit dem Ausstieg aus dem Shuttlebus zurück sind. Spätestens dann. Vielleicht prägend für das eigene Leben. Wer noch nie hier war – schön ist es hier.
Ich bin kein Heilbronner. Ich kenn es von Erzählungen – hier auf der Bühne ist schon Gianna Nannini gestanden. Der von mir verehrte Gerhard Polt und die Well-Brüder.
Und wenn alles vorbei ist – der Lauf – der Tag – dann gibt es wohl – so habe ich es mir sagen lassen – die guten Worte mit auf den Weg. Zurück – hinab gen Heilbronn.

Der Wochenspruch.
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist:
Gottes Wort halten, Liebe üben, demütig sein.
(Micha 6,8)

Der Gaffenberg – ein Stück Heimat, Waldheim, Laub, Tradition.
Feuer, Wurst und Spiele. Freundschaften. Freizeit. Ein besonderer Ort.

Der Gaffenberg kennt unsere Schritte – die schnellen, die stolpernden, die suchenden. Am Start des heutigen Laufes: Was kommt? Ich habe viel Gelassenheit und Vorfreude gespürt.

Und am Ziel angekommen – dieses Grinsen. Ich hab’s wohl gesehen.
Erschöpft, ehrlich, lebendig. Glücklich.
Von Demut – keine Spur. Zu Recht.

Demut heißt:
nicht höher, sondern tiefer zu spüren, was uns trägt.
Demut heißt:
Kraft ist Geschenk. Gemeinschaft ist Sieg.
Und jeder Schritt – ein Dank.

Demut ist kein Kniefall.
Demut ist Standfestigkeit.
Nicht höher, sondern tiefer spüren, was trägt.

Ich lass GOTT jetzt einfach mal weg.
Wort halten, Liebe üben, demütig sein.

So einfach.
Ja Mann.
Ja Frau.
DAS ist das was ES braucht. Leben kann funktionieren. ES ist dir gesagt Mensch, meint Gott. Ja dann – kann gut sein.

Zieh deine Schuhe an, schnür sie mit festem ehrlichen Schritt.
Der Segen läuft barfuß neben dir, vor dir, hinter dir, über dir und er trägt dich in allem was kommt.

Amen.

PLONG

Veröffentlicht in 28. Oktober 2025

…. und es hat PLONG gemacht. Ich schiebe mein Fahrrad durch die Nacht nach Hause. Es war wunderschön. Der Mond. Dunkelheit. Vereinzelt mondbeleuchtete Wolken in großer Geschwindigkeit ziehend.

Ich wünschte ich könnte das öfters. Zu müde. Zu wenig Schwung. Einen Hund für dieses Erlebnis zu haben ist undenkbar. Ich sehe mich nicht mit einer Plastiktüte in der Hand um die Geschäfte meines Lieblings zu säubern. Das muss Liebe sein. Dem vermeintlich besten Freund des Menschen…. Vermutlich sehe ich es zu negativ. Lassen wir das.

Ich habe den Snakebite erwartet. Ein Snakebite ist ein, bzw. zwei schlangenbiss-ähnliche Löcher im Fahrradschlauch. Der Reifen schlägt bei zu niedrigem Luftdruck oder harter Kante (z. B. Bordstein, Stein, Wurzel) auf die Felge durch. Der Schlauch wird zwischen Felge und Hindernis eingeklemmt – zwei kleine Bissspuren. Es macht metallisch PLONG. Paar Meter später stehst du still und dein Fahrradreifen ist platt. Das hatte ich erwartet. In wenigen Fällen tritt dies nicht ein. Nenn es Glück wenn nicht. Nenn es Walter – keine Ahnung. Meist wenn du in Eile bist – hast du keinen Walter (bei). Oder wenn du kein Flickzeug mit dir hast, wenn es regnet. Wenn…. Viele unangenehme Situationen sind denk- und vorstellbar.

Ich hatte Walter (bei), als es PLONG gemacht hat. Weitergefahren. Wenn die ersten Meter mit voller Luft vorbei sind, denkst du nicht mehr daran. Und du vergisst. Wie zig anderes Sachen auch – die einen guten Verlauf haben. Das ist die Grundvoraussetzung. An Missgeschicke, dumme Dinge und ähnliches erinnere ich mich länger. Es geht um den Erzählwert einer Geschichte. Meine Theorie ist, je blöder/dümmer das erlebte, desto geiler die Geschichte. Im Nachhinein. Nicht während des Erlebens selber.

Weitergefahren bis Stadtmitte, des sitzens wegen. S-Bahn bekommen. Sitzplatz auch. Wie geplant in Benningen ausgestiegen.

Bahnsteig. HUCH. Vorderrad ist platt. Das PLONG war beim Hinterrad- das hielt die Luft. Kein Flickzeug. Es regnet nicht.

Ein langer – aber schöner Tag liegt hinter mir. Sonntag. Länger wegen Zeitumstellung. Mit Gottesdienst erleben, Laufschuhe verkaufen und Heimsiege des VfB. Ich mag Flutlichtspiele. Wenn auch der Heimweg dunkel und mühsamer ist. Die Krägen der Menschen sind hochgezogen. Das wärmende Hoodie über dem Kopf. Die Schritte schneller. Der Hals steifer.

Ich mache mich auf den Weg durch die Nacht. Stille. Zeit zum genießen. Ich sollte das öfters machen.

S. D. G.

Veröffentlicht in 19. Oktober 2025

Morgengedanken 21. Bottwartal Marathon

S. D. G.
diese drei Buchstaben schrieb der berühmte Komponist Johann Sebastian Bach im 18. Jahrhundert unter viele seiner Werke. Sie stehen für Soli Deo Gloria, das bedeutet doppelt: allein Gott sei die Ehre.

Soli Deo Gloria – eine Andacht für Bewegte. Marathonlauf würdig.

Manchmal, bevor der Startschuss fällt, ist alles still.
Nur das Herz schlägt – ruhig und wach,
bereit, etwas Größeres durch sich hindurch fließen zu lassen.
Wir atmen das Jetzt.
Der Körper ist kein Tempel aus Stein,
sondern ein klingendes Instrument.

Wir messen Zeiten, zählen Schritte, den Herzschlag, V2OMax.
Das Eigentliche entzieht sich jeder Uhr.
Denn nicht der Sieg ist die Krone,
sondern der Moment, in dem wir uns selbst vergessen.
Gott sei Dank – unmessbar.
Der Moment in dem alles Eins wird –
Kraft, Atem, Erde, Puls.

Soli Deo Gloria –
allein Gott die Ehre.
Nicht als Satz für Kirchenbänke,
sondern als Atem für jede Bewegung.
Ein Erinnern daran, dass nicht alles uns gehört, was wir können.
Dass jede Kraft, die wir spüren,
auch ein Geschenk ist.

Soli Deo Gloria.
Nicht als frommes Etikett, sondern als stilles Bekenntnis:
Das, was mich trägt, kommt nicht nur aus mir.
Ich bin Teil einer größeren Bewegung – des Lebens selbst,
das in jedem Schlag, jedem Schweiß, jedem Atemzug jubelt.

In der Erschöpfung liegt Schöpfung und Wahrheit:
Du bist endlich.
Und doch: du darfst teilhaben am Unendlichen.
In deinem Rhythmus schwingt das große Lied des Lebens mit.
Du läufst, du wirst getragen.

Soli Deo Gloria – das kann heißen:
Ich danke.
Ich staune.
und: – Ich geh weiter.

Nicht um Ruhm,
nicht um Medaillen,
sondern um Teil zu sein am Wunder, das mich bewegt.

Und vielleicht, ganz leise, wird aus deinem Atem ein Gebet, das gar keine Worte braucht:

Ich darf laufen.
Ich darf fallen.
Ich darf aufstehen.
Ich darf leben.

S. D. G.
Diese 3 Buchstaben.

Das Bottwartal ruft und trägt dich – und Ausreden haben heute frei.
Wind, Erde, Puls, alles läuft mit.
Lauf mutig. Lebendig.
Und möge dein Gesicht später noch zum Lachen reichen!
Soli Deo Gloria.

New York

Veröffentlicht in 11. Oktober 2025

Wein. Brot. Musik.
Die Harmonikafreunde laden ein – in meinem Heimatort, zu einem Abend, der nach Gemeinschaft klingt. Weinprobe, Brotprobe. Verkosten, genießen, zuhören. Keine Sensationen, keine großen Namen – nur bekannte Melodien, die man summen und singen kann. Vertrautes. Und genau das reicht manchmal schon für einen schönen Abend. Für das Gefühl: Wir gehören zusammen. Für einen Moment, der dem ganzen Dorf guttut.
Einer der Titel des Abends: »Ich war noch niemals in New York«. Natürlich, Udo Jürgens. Für manche klingt dabei sofort seine Stimme im Ohr, für andere vielleicht die Version der Sportfreunde Stiller. So oder so – ein Lied, das Erinnerungen wachruft.
Ich weiß noch genau, wie es war, als ich das erste Mal dort ankam. Gelandet in Newark, mit dem Zug zur Penn Station, mitten hinein in die Stadt. Die Treppe hinauf – und dann dieses Bild: Hochhäuser, Lichter, Straßenschluchten. Alles, was man aus Filmen, Erzählungen und Nachrichten kennt – plötzlich echt. Zum Greifen nah. Du stehst da, schaust nach oben, drehst den Kopf, und merkst: So etwas hast du noch nie gesehen. Es ist gewaltig. Es ist fremd. Es ist überwältigend. Etwas, was bleibt.
Ich glaube, man sah uns damals sofort an, dass wir das erste Mal da waren. Und doch, ein paar Tage später, dachte ich: Vielleicht geht es selbst denen, die hier leben, immer noch so – dieses Staunen, wenn sie den Kopf heben. Diese Stadt ist ein Dauererlebnis.
Und ja – das Reisen, all die Flüge, sind ökologisch fragwürdig. Aber das Wissen um andere Orte, andere Kulturen, ist schwer zu ersetzen. Es verändert den Blick. Es lässt dich verstehen, warum die Welt so tickt, wie sie tickt. Und manchmal, warum du Dinge nicht verstehen willst.
Ich erinnere mich an eine Nacht im November. Mit der Subway nach Soho. Einem Stadtteil. Vier Freunde in einem kleinen Pub, angeblich einer, in dem Bruce Springsteen schon das eine oder andere Getränk genossen haben soll. Der Rückweg im Taxi, der Fahrer ohne Pass, »illegal«, wie er sagt. Aber freundlich, fröhlich, überzeugt davon, dass in Deutschland Dollar die offizielle Währung seien. Wir lächeln, widersprechen nicht. Lassen ihm seine Illusion. Und ich denke: Vielleicht ist genau dieser Mensch, so voller Leben, einer von denen, die unsere Gesellschaft längst nicht mehr will. Wer entscheidet das? Was ist Wohlstand? Wann beginnt Teilen? Und wie fühlt es sich an, nicht zu besitzen, sondern nur zu wollen?
Einige Jahre später war ich wieder dort. Alles bekannt – und doch anders. Mit einer neuen Ruhe, einer anderen Sicherheit. Ich erinnere mich an die Dämmerung auf der Brooklyn Bridge, an das Viertel der orthodoxen Juden, an eine Stille, die lauter war als der ganze Verkehr von Manhattan. Sie hat mich herausgefordert, diese Stille. Und sie begleitet mich bis heute. Vor Kurzem habe ich mir das Buch „Unorthodox“ gekauft – vielleicht hilft es mir, ein bisschen mehr zu verstehen. Jahre später.
Ein drittes Mal: Wir zu fünft, laufend durch New York. Den Marathon. Stundenlang durch die Stadt, durch Viertel, die sich täglich verändern, durch Menschenmengen, die jubeln, feiern, tragen. Wieder ein anderes Bild dieser Stadt. Wieder ein anderes Ankommen.
»Ich war noch niemals in New York?« – Ich sage es an diesem Abend lieber mit Fragezeichen. Nicht als Behauptung, nicht mit Pathos, sondern mit Respekt. Denn vielleicht meint das Lied gar nicht das Reisen selbst. Sondern die Sehnsucht danach. Dieses unruhige, leise Ziehen im Inneren, das dir sagt: Da ist noch mehr.
New York – diese Stadt bleibt für mich ein Versprechen. Eine Stadt, die sich täglich neu erfindet, die lebt von ihren Gegensätzen, ihren Menschen, ihren Geschichten. Und jedes Mal, wenn ich dort war, war ich anders.
Vielleicht ist das das Verrückte – und das Schöne zugleich. Dass es nicht darum geht, anzukommen, sondern offen zu bleiben. Zu sehen, zu verstehen, zu teilen.

Nun: Es ist eine neue Sehnsucht in mir entfacht – ich will noch einmal nach New York, für mich. Offen für das, was war, und das, was werden könnte. Ein Stück radeln entlang des Hudson Rivers. Coney Island. Oder das was mir zufliegt – wie die Besuche zuvor. Fast schon so was wie Vorfreude.

Herrschaftszeiten!

Veröffentlicht in 2. Oktober 2025

Personen auf den Gleisen. Herrschaftszeiten, denke ich. Innerlich ruhig, wie der Zug, der still steht. Anders geplant. Dabei habe ich versucht, das Beste daraus zu machen. Schon die S-Bahn mit Verspätung bringt vieles durcheinander. Die Unpünktlichkeit der Bahn ist ein großer Feind der Demokratie, habe ich unlängst in einem Podcast gehört. Der Grund: fehlende Verlässlichkeit.
Der Mensch möchte sich verlassen können, ein Grundvertrauen in eine Sache, in einen Menschen haben. Kann ich gut nachvollziehen. Ob deshalb die Demokratie ins Wanken kommt — das kann ich nicht allgemein beantworten. In meinem Denken: nein. Ein Nebenschauplatz — mehr nicht. Es ist der kleine Stein, der Schneeball, der die Lawine meist auslöst. Schon im Bus brüllt eine Frau den Busfahrer an, was ihm einfalle, mit Verspätung hier anzukommen. Ich denke, er ist da. Sie denkt anders. Das Gebrüll macht den Bus nicht pünktlicher.

Wieso sind auch Personen auf den Gleisen? Herrschaftszeiten! Habe da wenig Verständnis für. Schnell denke ich an das Gewehr, um diese Personen zu entfernen. Was ich schnell wieder von mir weise. Ein richtig blöder Gedanke. Die Konsequenz wäre, dass jede und jeder rumballern könnte. Bewaffnet — ich bin für absolutes Entwaffnen — in allem. Die persönliche Konsequenz des Entwaffnens ist das Wagnis, verletzlich zu werden — und darin vielleicht neue Freiheit und Vertrauen zu finden. Das ist es. Für mich.
Als Kind habe ich lernen dürfen, von was man sich am besten fernhält. Gleisanlagen gehören dazu. Groß die Gefahr fürs eigene Leben. Habe das kapiert. Wenn ich Personen auf Gleisen entdecken würde, würde ich vermutlich »Hi, ihr ARSCHLÖCHER!!! Runter von den Gleisen!«
Der Zug steht immer noch. Pläne kommen durcheinander. Termine können nicht eingehalten werden. Natürlich gibt es Schlimmeres. Den Unmut kann ich nachvollziehen.

Verspätung lastet,
Pläne zerfallen im Lärm —
der Stein rollt talwärts.

Wer sich umbringen will, könnte sich überlegen eine Überdosis Insulin zu sich nehmen — soll ein guter Übergang zwischen Leben und Tod sein, habe ich gelesen. Vermutlich der falsche Moment, sich darüber Gedanken zu machen. Schlimm genug, dass es Gedanken solcher Art bei Menschen geben muss. Aber auch dafür gibt es Gründe, die es zu tolerieren gilt. If: nehmt Hilfe an, das meine Bitte. Auf viel befahrenen Gleisen kippt die Trauer um den Menschen.

Viele lange Minuten später zuckelt der Zug weiter. Auf den Schildern steht: »voraussichtlich 40 Minuten Verspätung«.
Herrschaftszeiten, hat eine gewisse komische Wirkung, weil es nicht mehr als Fluch empfunden wird, sondern eher als »liebevolles Schimpfen« und innerliches Luft ablassen. Ich entgehe der Gotteslästerung.

Die Kastanie

Veröffentlicht in 10. September 2025

Die erste Kastanie zwischen den Fingern – jedes Jahr ein kleines Wunder und Freudenfest. Ich war nicht darauf vorbereitet. Sie lag einfach da. Ich halte an und mache einen Umweg um den Baum. Ich schiebe mit dem Fuß das Laub zur Seite. Auf der Suche. Früher warfen wir Äste in den Baum, um mehr zu ernten.
Sie, die Kastanie, rollt nun hin und her, glänzt wie frisch lackiert – ein Vorbote des Herbstes.
Herbst ist, wenn die Sonne ihre Kraft verliert.
Herbst ist, wenn die Schulkinder bei Nebel an der Bushaltestelle warten.
Herbst ist, wenn das Freibad schließt.
Herbst ist, wenn die Bäume Farbe verlieren.
Herbst ist, wenn es merklich früher dunkel wird.
Wenn das Jahr sich verneigt – und sich meine innere Uhr langsam auf Kerzenschein umstellt. Und trotzdem: ich freue mich.
Vielleicht, weil ich ein Herbstmensch bin. Wenn ich wählen müsste, würde der Herbst gewinnen. Ich mag sie alle – Frühling, Sommer, Winter –, aber nur der Herbst traut sich, Gegensätze auszuspielen: loslassen, runterfahren, verwandeln.
Die Kastanie in der Hand: Man sagt, sie helfe gegen Rheuma. Man sagt viel, wenn die Finger kalt sind. Aber sie fühlt sich gut an. Ein zarter Film auf der Haut, feucht, frisch.
Die Kastanie trägt ihren Nabel – ein Erinnerungsfleck an das, was sie gehalten hat. Je heller, desto jünger aus dem Stachelanzug geschlüpft. Jung, weich, lebendig – bis sie Wochen später in meiner Hosentasche wieder auftaucht: hart, runzelig, fast schwarz. Kein Drama. Keine Beerdigung. Zurück in die Natur. Unspektakulär. Genau richtig.

Als Kind war sie Bastelmaterial. Löcher bohren, Streichholzbeinchen, Uhu an den Fingern, mehr Kleber an mir als am Tier. Nach drei Tagen erledigt. Vermisst? Kaum. Vielleicht hätte ich sie besser gleich angezündet, denke ich mir manchmal. Ich war nie der Basteltyp.
Heute bleibt die Kastanie, was sie ist: ein stiller Handschmeichler, ein kleiner Herbstgruß. Und jedes Jahr aufs Neue: die erste Kastanie zwischen den Fingern spüren. Etwas Besonderes. Immer.

Ja zur Schokolade

Veröffentlicht in 3. September 2025

Die Tage trieb sie mich um, die Schokolade. Von verschiedenen Seiten. Nicht weil ich sie gegessen hätte – vielmehr die Gedanken daran, die Gelüste, die Möglichkeit, in meiner Schublade eine Tafel zu finden. Ich habe eine Schublade in der sich Süßigkeiten befinden.
Am Sonntag noch hatten wir über Preise gesprochen: Lindt, knapp sechs Euro. Wir beide: WHAT?
Und trotzdem wurde gekauft. »Der Kakaopreis ist explodiert«, sagt mit die Bäckersfrau. Ahh. Wie viel davon bei den Menschen wohl ankommen wird. Also bei denen die die Bohnen pflücken? Offenen Fragen.
Dann Schlagzeilen von null auf neunzig auf meiner Lokalzeitung. Reden auch andere drüber. Ist Thema. Eine Marke erhöht den Preis und schrumpft zugleich die Tafel von 100 auf 90 Gramm. Verbrauchertäuschung wird laut gerufen. Eine Verbraucherzentrale klagt.

Und ich?
Im Supermarkt, eigentlich nur für Joghurt. Dann zwei quadratische Tafeln ausgeguckt. An der Kasse hebt der Kassierer die Augenbraue: »Ich möchte Ihnen den Einkauf ja nicht madig machen, aber haben Sie mal den Schokoladenpreis gesehen?« Oops, kommt jetzt völlig unerwartet, während ich die Einkäufe in meiner Tasche verstaue. Ich: »Nee, aber ich kenne die Diskussionen.«
Schaue auf Display. Lese: 1,99 € pro Tafel. Stolz, denke ich. Deutlich mehr als erwartet. Die Dinger jetzt da lassen ist auch blöd. Ich bezahle.

War Schokolade früher zu billig? Vielleicht. Wenn alle etwas daran verdienen, ihren Lebensunterhalt sichern – gerne. Wenn es nur um überbordende Gewinne geht – nicht okay.
Verzichten?
Nein. Noch nicht. Dafür esse ich sie zu selten, genieße zu bewusst. Kostenfaktor um einzusparen wäre vorgeschoben. Siehe Bürgergeld.
Ich esse am liebsten die weiße Schokolade. Weiße Schokolade ist selbst ein Paradox. So zwischen Sein und Schein. Ich kenne Menschen die sie ablehnen. Schokolade soll mit Kakao sein. Basta. Hat damit braun zu sein – wie der Name Schoko schon sagt. Zwei habe ich gekauft. In der einen ist Zitrone drin – in der anderen Brezeln. Brezeln? Bin gespannt.