aber
Morgengedanken Nordschwarzwaldtriathlon
die losung – das kirchliche wort für sonntag, 16. august 2026, lautet:
»in meinem zorn habe ich dich geschlagen, aber in meiner gnade erbarme ich mich über dich.«
(jesaja 60,10)
ein ziemlich sperriger satz. da denkt man am morgen einer langdistanz vielleicht erst einmal:
danke. genau das habe ich jetzt noch gebraucht.
schlagen. zorn. wut und leiden.
dabei haben wir heute möglicherweise schon genug davon vor uns.
- der erste moment, in dem man beim schwimmen einen fuß abbekommt.
- der erste anstieg nach mindersbach auf dem rad, bei dem man denkt: wer hat eigentlich diese strecke ausgesucht?
- kilometer 25 beim laufen.
- oder kilometer 30.
dieser punkt, an dem beine und kopf anfangen, miteinander zu diskutieren.
aber eigentlich wäre es zu billig, diesen alten satz einfach auf einen triathlon zu kleben.
jesaja spricht von menschen, deren sicherheiten zerbrochen sind. von verlust, heimatlosigkeit, von der erfahrung: das leben läuft nicht immer so, wie wir es geplant haben.
ich dir viel zugemutet und dann kommt dieses kleine wort:
aber.
mich interessiert heute vor allem dieses eine wort.
fast unscheinbar. und doch kann es eine ganze richtung verändern.
das aber sagt nicht: das schwere war gar nicht so schlimm.
es sagt auch nicht: am ende wird automatisch alles gut.
es lässt das schwere stehen.
und öffnet trotzdem eine tür.
ich bin traurig – aber ich bin nicht nur meine traurigkeit.
ich habe etwas verloren – aber mein leben besteht nicht nur aus verlust.
ich habe angst – aber die angst bekommt nicht das letzte wort.
ich bin müde – aber ich bin weiter unterwegs.
vielleicht ist die zitierte gnade genau das:
nicht die garantie auf ein leichtes leben. sondern diese erfahrung, dass das schwere nicht alles ist.
dass hinter einem punkt manchmal doch noch ein komma kommt.
ich habe mal eine schöne definition von gnade gelesen: gnade ist unverdiente freundlichkeit.
das gefällt mir ganz gut. ich muss mir nicht alles verdienen wollen – sollen – müssen.
ja aber – sagen welche
ja mann – sage ich und …
dieses kleine, widerspenstige, hoffnungsvolle wort:
aber
aber… ich bin mehr als mein schlechtester tag.
aber… ich muss nicht perfekt sein, um weiterzugehen.
aber… ich bin nicht fertig mit mir.
ich bin noch da.
ich hole tief luft
atme ein
und bin bereit.
i’m going out there.
i’m doing this.
let’s see what today brings.
ein kleines gebet – nur für mich: ich wünsch mir glück.
das ist ok.
bis später.
nagold.
sportpark kleb.
finishline.

