Ostertalbach

Posted on 18. Mai 2017

1705_sprung»Du musst links von dem Strudel reinspringen. Rechts zieht es dich nach links.« Was kein Widerspruch ist. Auch kein Problem. Und wenn, »steht Rita mit dem Seil da. Du greifst es und sie zieht dich raus.«
Ich bin mir nicht sicher ob sie noch »alles easy« gesagt hat. Ich solle wenn alles gut ist mit der Faust auf den Helm klopfen, als Zeichen dass alles ok ist. Ich bin nicht der Erste unserer Gruppe der hier springt. Auf jeden Fall höre ich ein »Brille runter«. Das war die Ansage.
Na prima.
Die Ausgangslage
Irgendwo in einem reißenden Bergbach bei Gunzesried im Allgäu. Einsteiger-Canyoning wie ich später lesen werde. Für mich durchaus genügend. Reicht. Gruppe von 12 Personen. Dazu 14 Dioptrien Glasstärke meiner Brille. Die Dioptrie (griechisch: Mittel zum Durchsehen) ist übrigens die Maßeinheit für die Brechkraft optischer Systeme und stellt den Kehrwert der Längeneinheit Meter dar. Auf jeden Fall ist bei 14, beim Auftauchen nix mit schnell mal ein Seil greifen. Werde das Ding weder sehen noch greifen können. Sprich: der Sprung muss passen. Oder Rita muss ins Wasser.
Wenn man weiß, dass ich im Schwimmbad nicht vom Beckenrand reinspringe, von höher sowieso nicht, entspannt es diesen Moment mitnichten.
Letzte Instruktion: Das Wasser ist nicht so tief. Deshalb Arschbombe. Und beim Absprung einen Schritt nach vorne. »Nicht wie vorhin!« Es war bereits der zweite Sprung. Beim ersten Versuch (ebenfalls ohne Brille) machte ich diesen Schritt wohl nicht. Kam trotzdem unten an. Fühlte mich ganz gut.
Zuvor seilten wir uns bereits an Abhängen und seitlich von Wasserfällen ab. Robbten und rutschten durch den Gebirgsbach. Übten und bekamen zig Hinweise was wir tun und bitte lassen sollen.
Wissbegierig hören wir zu. Legen unsere Leben in die Hände von Grit und Rita.
Feinfühlig, geduldig ohne Druck aufzubauen lassen sie uns gewähren. Den Sprung dann zu machen wenn wir innerlich dazu bereit sind.
Auch die Gruppe. Kein »jetzt spring schon« oder ähnliches. Wir fühlen mit- und füreinander. Spüren den gemeinsamen Druck. Gefühlt springen wir gemeinsam. Nur Jede(r) für sich. Hintereinander. Dann wird die Freude geteilt. Eine schöne Erfahrung. Wenn Menschen ein Auge füreinander haben. Gedanken, Bedenken, Freude teilen. Auch wenn es nur um Canyoning geht.

Ich fixiere die Stelle. Öffne den fetten, groben Reißverschluss an meinem hellblauen Neopren-Anzug. Verstaue die Brille. Schließe den Verschluss. Sehe den Strudel nicht mehr. Nur den Farbunterschied zwischen weiss und blau. Muss eher nach blau. Losspringen. Schritt nach vorne. Füße anwinkeln.

Ich mag es im Leben Respekt vor einer Sache zu haben. Auch zu zeigen. Abzuwägen. Es flunzt eben nicht alles von alleine. Respekt vor einer Aufgabe fördert die Konzentration. Auch wenn es nur ein Vier-Meter-Sprung ins Wasser ist. Auch wenn es nur ein wiederholen von dem ist was andere bereits hinter sich haben.

Dann springe ich.

Der Prellbock und das Kryptonite

Posted on 10. Mai 2017

 

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Runter nach Friedrichshafen. Ich sage es so platt. Ohne zu wissen wie hoch Friedrichshafen wirklich liegt. Also meine Meereshöhe und so. Bodensee. Rhein. Mhh… in etwa doch höher? In den Süden fährt man runter. In den Norden hoch. Vermutlich geht es richtigerweise eher runter, wenn man nach oben fährt. Und der Süden ist höher gelegen. Wenigstens anfänglich. Wie wohl andere darüber denken und sagen. Also die im Norden meine ich.
Ich navigiere durch die Bahn-App. Verbindungen ok. Baden-Württemberg-Ticket. Die immer-wieder-kehrende-Frage. Hat mit »kehren»« nicht wirklich was zu tun. Kostet das Fahrrad extra? Da mein Fahrrad mal schwarz gefahren ist. Sprich ohne Ticket. Ich 60 Euren (plus Gebühren) bezahlen durfte – besser musste (wenn du Post einer russischen Inkassofirma bekommst, geht es dir nicht mehr ums Prinzip), bin ich auf Nummer sicher gegangen. Extraticket über Online – ich sage mal schwierig oder ich bin zu doof. Also rechtzeitig am Bahnsteig sein. Fahrtkartenautomat. Vier Felder zur Auswahl. Tastatur. Suche »Fahrradticket«. Gefunden. Bezahlt (5,50 Euren den ganzen Tag im Nahverkehr, kurioserweise kann ich in Marbach/Neckar ein Radtages-Ticket für Bayern und NRW kaufen). EC-Karte rein. PIN. Schnipsel kommt raus und Quittung. Gutes Gefühl.
Nach Stuttgart. Über die Nordsee zwecks kleinem Happen zum Bahnsteig 15.
Höre »Oberleitungsschaden zwischen Göppingen und Plochingen«. Prima. Keinerlei Züge in Richtung Ulm. AHA. Läuft.
Navigator. Alternativen anschauen. Nicht wirklich. ICE. OK – die werden doch mit sich reden lassen. Müssen. Transportauftrag und so. Vertragliche Bindung mit dem Kauf des Tickets. Und fährt er überhaupt? Fährt. Rein. Mit Rad. »Das Rad muss raus«, so die freundliche Schaffnerin bestimmend. Aber…. versuche ich zu sagen. Du merkst schnell wenn »aber« sinnlos ist. Schnell das Bike am Bahnsteig-Anfang mit dem Kryptonite versorgen. So ein Kopfbahnhof hat was. Prellbock. Geländer. Hoffend das es noch hängt, wenn ich zurück.  Kein Verbotsschild »Fahrrad abstellen und hängen verboten« dran. Die Idee hatte bisher niemand.

Nächster Versuch. Mitfahrt-Genehmigung erteilt. Trotz ungültigem Ticket. »Hier kann ich mal drüber wegsehen (großzügig – danke vielmals). Fahrrad aus Sicherheitsgründen (mangelnde Befestigungsmöglichkeit) absolutes NEIN.« Ein Schaffner-Kollege musste wohl mal 500 Euren Strafe bezahlen, höre ich sie erklärend sagen. Ganz ehrlich… habe mir bei der Abfahrt bereits Gedanken gemacht ob eine Fahrrad-Mitnahme überhaupt Sinn macht. Heute mit Sicherheit nicht. Im Nachhinein ist man manchmal klüger.

Ulm. Ankunft in Friedrichshafen.
Ich höre noch sagen »und was wenn Achim nicht kommt«. Ich bin da. Alles gut.

Die 5,50 Euren hätte ich mir sparen können.
Friedrichshafen liegt 400 m über NHN.
Und mein Rad war noch da. Diese Geschichte gibt’s ein andermal.

Der schwarze Punkt

Posted on 4. Mai 2017

1705_punktHeute im Radio…

Eines Tages kam ein Professor in die Klasse und schlug einen Test vor. (…) Zur Überraschung aller gab es keine Fragen – nur einen schwarzen Punkt in der Mitte der Seite. (…)

„Ich möchte Sie bitten, das aufzuschreiben, was Sie dort sehen.“ (…)

Am Ende der Stunde sammelte der Professor alle Antworten ein und begann sie laut vorzulesen. Alle Schüler (…) hatten den schwarzen Punkt beschrieben – seine Position, (…) sein Größenverhältnis zum Papier usw.

Nun lächelte der Professor und sagte: „(…) Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder hat sich auf den schwarzen Punkt konzentriert – und das gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen (…). Es gibt eigentlich immer einen Grund zum Feiern: die Natur erneuert sich jeden Tag, unsere Freunde, unsere Familie, (…)

Doch wir sind oft nur auf die dunklen Flecken konzentriert: die gesundheitlichen Probleme, (…) die Enttäuschung mit einem Freund usw. (…)

Nehmen Sie die schwarzen Punkte wahr, doch richten Sie ihre Aufmerksamkeit mehr auf (…) die glücklichen Momente in ihrem Leben und teilen sie es mit anderen Menschen!

Sonntagsgedanken

Posted on 23. April 2017

1704_hi_1800Immer denken wir, das Wesentliche müsse durch unsere Hände gemacht werden, wenn etwas Entscheidendes in unserem Leben sich ereignen solle, müssten wir etwas tun.
Von früh bis spät sind wir bemüht, uns wichtig zu nehmen, immer angehalten von dem Glauben, … dass wir Wesentliches verpassen würden, täten wir dieses oder jenes nicht….
Aber wer eigentlich sind wir? Wie viel Schönheit wird überlagert durch all das, was wir glauben an Pflichten erledigen zu müssen!
Wie viel von der Zauberkraft unseres Herzens geht zugrunde an all dem …Platzbehaupten, Hinterherlaufen….
Wär es nicht möglich, es reifte das, was wir sind, in unserer Tiefe,
und wir könnten`s gar nicht erklügeln, nicht beschließen, es wäre nur einfach da?

Der Theologe Eugen Drewermann

Brauchen wir – Glauben Sie

Posted on 29. März 2017

1703_umfrage.pngHabe mich an einer Umfrage der ZEIT beteiligt. Ist mir zugeploppt. Wie jeden Tag. Browser klicken. Die ZEIT öffnet sich. Standard. Die ZEIT öffnet sich. Klingt fast schon philosophisch. Die Fragestellung weniger: Brauchen wir einen Fahrradführerschein für Erwachsene? Mhhh…
Was eine schwachsinnige Frage. Ich habe mir nicht die ZEIT genommen (Wortspiel) das »Für und Wider« der beiden Parteien zu lesen. Wenn es diese überhaupt gab. Habe nicht darüber nachgedacht, ob wirklich jemand tatsächlich dafür ist oder sein kann. Wie ticken diese Menschen? Wird in der Redaktionskonferenz bestimmt »Du schreibst Für«? Oh Mann! Was will die Alte? Dann wird die Umfrage ins Netz gestellt. Und Menschen denken sich, da hat sich jemand etwas dabei gedacht. Und die Menschen die ansonsten immer dagegen sind, können einmal (besser jetzt) dafür sein.

Mitgemacht.
Begründung hingeschlampt. Dritter Satz nahezu genial. Wahrheit. Senden. Ja. Sicher? JA.
Ich muss mich dann einloggen. Warum eigentlich? Das sind dann die Momente bei denen ich gerne die Lust verliere. Passwort vergessen und so. Dann halt nicht. Passwort erkannt. Fertig.
Ging dann ratzfatz. Ergebnis 73 Prozent. Dagegen. YEAH.
Vernünftig.
Es öffnet sich ein weiteres Fenster. Ohne mein zutun. OOPS. Meine bisherigen Umfrageteilnahmen. Ahh. Interessant.
Wenn das so weitergeht…
… gehe ich dann mal kurz aufs Rathaus meinen Fahrradführerschein abzuholen. Oh Mann! Sch…

Fragen stellen

Posted on 22. März 2017

Der Durchgang kann noch so traurig und trostlos sein. Wie der, der die Gleise eins und zwei am Feuerbacher Bahnhof verbindet. Gekachelt. Kalt. Zugig. Ein perfekter Platz für die richtigen Fragen:

  • Welche Haarfarbe hat Fleiss?
  • Welchen Glauben hat Humor?
  • Welche Sprache hat Individualität?
  • Welche Ohrenform hat Faulheit?
  • Welche Augenform hat Mut?
  • Welche Herkunft hat Sportlichkeit?
  • Welche Hautfarbe hat Kreativität?
  • Welche Nasenform hat Lebensfreude?
  • Welche Schuhgröße hat Aggressivität?
  • Welche Statur hat Intelligenz?
  • Welche Körpergröße hat Kriminalität?
  • Welche Augenfarbe hat Freundlichkeit?

Ja welche denn? Herrlich. Suche die Antwort Mensch.

Danke Amnesty.

 

Milano

Posted on 6. Januar 2017

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Paar Tage her. October 11, 2014. Mailand. Eine schöne Erinnerung. Eine gute Zeit. Mit viel Warten. Ohne Freunde öde und langweilig. Eigentlich wollten wir Radrennen schauen. Red Cook Crit. Immer wieder mal fuhren sie. Dann Unterbrechung. Immer im Kreis. Kriterium.  Ohne Bremsen. Fixed Gear. Dann wieder warten. Doch noch Finale. Siegerehrung. Platzregen. Möglichst schnell ins Hotel. Am Stadtrand liegend. Sebastian Kienle gewinnt in dieser Nacht die Ironman World Championship auf Hawaii. Livestream. Eine bleibende Erinnerung. Kurz schlafen. Dann ging es wieder heimwärts.

SeiterBlick@Exposure

 

und hüpfen

Posted on 14. Dezember 2016

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Gelbe Warnlampe geht an. Tank leer. X Kilometer noch möglich.
Im Leben habe ich nicht das ganz große Sicherheitsbedürfnis. Wenig mehr wäre gut. Nicht aber wenn ich an den Sprit im Tank denke. Das X als unbekannte Größe. Irgendwo im nirgendwo stehen bleiben. So erlkönig-ähnlich »wer reitet so spät« ist nicht mein Ding. Also Alarm. Tanke suchen. 
Meine Stamm-Tankstelle bietet sich an. Ohne Umweg. Abends ja günstiger. Meine ich.

Angesteuert. Kurz auf die Preisanzeige geschaut. Literpreis ansteigend. Aus ökologischen Gründen nach wie vor zu billig. »Eins-vierzehn-neun» der Preis für LKW-Diesel ganz unten stehend. Naja. Ein Cent mehr. So üblich. Denke ich. Alternativlos.

Ran an die Zapfe. Klappe auf. Rein den Hahn. Warten auf das Freigabegeräusch. Sekunden. RatterRatter. Die Anzeige nullt sich und der Literpreis wird angezeigt.
»Eins-siebenundzwanzig-neun«. WHAT! 
Es sind die Momente wo du um Luft ringst. So ein Ding zwischen Verschwörung und versteckter Kamera. Kiemenatmung angesagt. Volltanken? – AUF GAR KEINEN FALL. Warten auf bessere – besser günstigere – Zeiten. Muss ja auch schauen. Bin ja schließlich nicht Dagobert Duck und auch kein Ölprinz. Dieses Preiswechsel-Gedöns hoch runter, runter hoch innerhalb Sekunden und mehrfach am Tag – zeigt eh den miesen verdorbenen Charakter dieses ganzen Wirtschaftszweiges. Kack Ölindustrie. Die an der Tanke selbst nehme ich raus – können nichts für. Irgendwelche Hütchen-Spieler jonglieren über ihren Joysticks an der Preisspirale. Joy trifft es richtig – vermutlich macht es ihnen Freude. »Voll-Spackos« würde Til Schweiger sie benennen.

Die Idee um zu retten und mit Anstand aus der Sache rauskommen. 

Rückblick: Vor Jahren haben wir uns gebattelt bei Einkäufen im Supermarkt auf eine bestimmte – eine ganz bestimmte Gesamtsumme zu kommen. Mit Hirn und Verstand und den Zahlen im Kopf einkaufend zwischen den Regalen unterwegs. Kalkulierend. Eine Herausforderung. Ein Triumph wenn es klappt. Eine stille Freude wenn.

Es ist mal wieder an der Zeit. Rein den Hahn. Und ab geht der Diesel. Vorsichtig. Am Ende Cent um Cent. Vorfreude. Getroffen. Hahn raus. Deckel zu. Rein an die Kasse.

»Welche Zapfsäule bitte«, so die Dame hinter der Theke. »Die Eins«. 
»Macht achtzehn-dreiundneunzig.« »Wie bitte?« Ok war fies. Habe es sehr wohl gehört. »Achtzehn-dreiundneunzig.« 
Wollte schon  mit »He He« antworten. Habe es dann doch vermieden. Mastercard. PIN eingeben und einen schönen Abend gewünscht. 
Kleine Sternstunde. 
Irgendwann werde ich es durchziehen… und hüpfen.