Posts by Achim Seiter

Mitbewohner & Dackel

Posted on 11. August 2017

»Das Problem ist, dass ich keine Probleme habe.« Diese Aussage habe ich vor knapp 24 Stunden getätigt. Jetzt habe ich eines. Ich hoffe nicht, dass das der Anfang einer Serie von Problemen ist. Wäre blöd. Wünsche ich mir nicht im geringsten. Ich habe einen Mitbewohner. Unter Mitbewohnern gibt es ab und zu Probleme. Reinlichkeit. Ordnung. Kühlschrank. Spüldienst. So erzählen betroffene Menschen hin und wieder. Mein Problem ist ein anderes. Mein Mitbewohner ist ein Igel. Mache ich heute zu später Stunde die Türe meines Büros auf. Mein Büro liegt im Keller. Steht ein Igel an der Tür. Muss schon sagen, ein eher ungewöhnlicher Anblick. Für mich überraschend. Eines vorneweg. Ich habe das Tier weder eingeladen noch gedrängt hier einzuziehen. Meine Zustimmung für dieses Vorgehen muss ich…

999 UNEXPECTED

Posted on 15. Juli 2017

Ja. 999 – eine krumme Zahl. Klar hätte ich noch einen Meter schwimmen können.

Manchmal ist so, dass das Momentum einen Meter zu kurz, ein Kilometer zu schnell, eine Minute zu lange oder irgendwas anderes nicht passt.

Der Bus ist raus. Die Ampel wird rot. Lastwagen. Blitzer. Der Reifen platt. Von 5 möglichen Schrauben fehlen 3. Der Boden ist stumpf – bremst den Menschen unerwartet. KACKE. Ist dann halt so. Glück gehabt. Andere haben es nicht. Nicht erklärbar. Dankbar.

Unerwartet. If… kannst du eh nichts machen. Steckt schon im Wort.

Es oder ähnliches regt mich nicht »mehr« auf. Meistens. Gelassenheit. Ohne »OMMMM« oder ähnlichen Zauber. Kein Schneidersitz. Nicht tief durchatmen. Keine Mund-abputzen-Parolen zur Aufmunterung. Das Jetzt-erst-recht des kleinen Mannes. Nicht einmal ihr könnt mich alle… nicht mal das.
Es ist mir einfach egal. Bei der Schwabenausstellung in Stuttgart Anfang 2017 war dieser geniale Satz an die Wand mit Kreide geschrieben. »Bevor i mi uffreg – isch mer’s liaber egal.« Ein wunderbare Therapie.
Und so schwimme ich im See. Habe mir das auf der Fahrt vorgenommen. Noch rein in den See. Egal wann Ankunft. So oft hier gewesen. Selten gemacht.

Heute aber.

Es sind die seltenen Momente. Ruhe. Naturschauspiel. Keine Menschenseele. Irgendwo zwischen Freiheit und ein bißchen Mut und Nein, niemals-was-wäre-wenn.

Die Schwimmstrecke ist überschaubar. Das Ufer sichtbar. Und unerwartetes muss nicht sein. Erwarte ich nicht – außer schön.
BE PATIENT. BEST THINGS HAPPEN UNEXPECTEDLY.

Ich bin 999 Meter im Schluchsee geschwommen.  17° Außentemperatur. 20° Wassertemperatur. Leicht bewegtes Wasser. Wohl überlegtes Kopf aus dem Wasser – sonst schluckst du. Keine Heldenstrecke – aber herrlich. Wie erwartet.
Soundtrack: Anne Clark ENOUGH

Zapfpistole

Posted on 5. Juli 2017

Zum Abschied reicht mir die Kassiererin beide Hände über die Theke um sich zu bedanken. Was für eine Geste. Dabei – so finde ich – nichts ungewöhnliches. Irgendwo A7 zwischen Feuchtwangen und Ulm. Stau. Tankanzeige auf Reserve. Ich bin kein Freund von das-reicht-noch’n-Stück, vielleicht sogar ganz. Was den Benzinvorrat angeht ehe feiger Natur. Also raus in die Tanke. Alles voll. Warten. Drei Motorräder fahren weg. Ich hin. Richtige Seite. Sieht man übrigens bei neueren Fahrzeugen an dem kleinen Pfeil neben der Tankuhr. Lange nicht gewusst. Egal. Tank auf. Das Zapfventil – umgangssprachlich Zapfpistole genannt – ist über einen Schlauch mit der Zapfsäule verbunden. Ganz ehrlich. Tante Google. Wusste im ersten Moment nicht wie das Teil heißt. Rein damit in den Tankeinfüllstutzen. Tut sich nichts.…

Meistens kommt’s anders – nur schöner

Posted on 29. Juni 2017

Im Prinzip habe ich heute in der zweiten Schicht was verdaddelt. Nur andersrum. Sprich ich war zuviel. Aber das »blöde« Gesicht des Veranstalters war schon nett anzuschauen als er mich sah. Surpirse. Surprise – ich bin auch da. Obwohl er mir abgesagt hat. Was ich nicht wusste in dem Moment. Rechtzeitig. Von mir bestätigt. Terminchaos. Lieber so als andersrum. Lieber einmal zuviel da, als einmal zuwendig. Hashtag scheissdrauf.
Einzige Enttäuschung war der geile Airstream-Foodtruck. Airstream sind die aluminiumfarbenen Wohnwagen. Wenn ich je mal ich zum Gespannfahrer mutieren sollte – dann nur dieses Teil. Schwer erschwinglich.
Herrlicher Foodtruck. Ich Bock auf Burger. Da isst das Auge mit. »Habt ihr vegetarisch?« Der Griller fasselte was mit Kings und was-weiß-ich…. Nehm ich. Kostet 2,50 €. Oops. Günstig. Dann bekam ich eine Papiertüte. »Das sind ja Pommes!!«. Gesagt mit dem Blick eines Kindes, dem man gerade sein allerliebstes Spielzeug wegnimmt. So kurz vor dem Heulen. Lieblos Päckchen Majo. Päckchen Ketchup. Fertig. Und was jetzt? Ok – die Kings-irgendwas-Pommes waren gut. Muss ich zugeben.
BUT: Eines rufe ich euch Food-Trucker-Hipstern zu: Ihr könnt die geilsten Kisten haben. Die fettesten, hochgelobten Burgers. Wer aber im Jahr 2017 Veggi’s und Vegani’s mit Pommes abgespeist, der ist ein ärmlicher Würstchen-Bruzzler und koch-grill-kreativ wie ein angefaulter miefender Kartoffelsack aus dem vergangenen Jahrhundert. Nix schick. Nix hip. Hashtag scheissdreck. »Wir hatten eine Abfrage gemacht!« Wow, das rettet und erklärt natürlich alles. Sorry mein Fehler. Ein Abfrage! Yeah. Wo? Beim Jahrestreffen der Fleischereifachverkäufer und -innen? Setzen! Sechs!

Über das wollte ich nicht schreiben da es sich nicht wirklich lohnt ein Wort darüber zu verlieren. Hashtag scheissdrauf.

Nun ja – jetzt hatte ich Zeit und eine Idee…
Über Murr ab nach Welzheim. Was abliefern. Hatte ich für’n andermal geplant. Passt. Neo, Handtuch, Badekappe und Brille eingepackt. Schwimmen. Freiwasser. Aichstrutsee.
Wahnsinn. Kein Mensch da. Einen See für mich. Für mich ganz allein. Ruhe. Wolken. Unklares Wetter. Dämmerung. Abendstimmung. Angenehme Wassertemperatur. Zwei Runden geschwommen. Mega.
Man muss nur machen. Aufstehen. Oft, öfters – trotzdem zu wenig. Genug ist nie genug.

Leute – heute war geil. Einmal mehr.

Soundtrack für die Heimfahrt: The xx, I See You

 

Helmut Kohl ist tot

Posted on 28. Juni 2017

Gibt es normale Tage?

Ich gehe morgens zur Arbeit. Klingt normal. Wenig aufregend. Sonne scheint. Schönes Wetter wird vorhergesagt. Keiner sagt einen schönen Tag an. Resümiert wird zum Schluss oder ich-kann-es-nicht-mehr-hören »Am Endes des Tages«.

Kleines Stück mit dem Rad zum Bahnhof. Klar hätte ich auch die ganze Strecke mit dem Rad fahren können. Es ist ein Zwischending aus NÖ und HÄTTE. Meist entscheide ich richtig. Musik auf’s Ohr. Ich möchte einfach meine Ruhe haben. Klingt quer. Ist so. Können viele Pendler folgen.IMG_4086
Zwischenstation Zuffenhausen. Kaffee von der Bäckerei. »Ja« mit Schoko-Pulver. Hochgleis. Die Aussicht wunderbar. Freue ich mich immer wieder drauf. Lehne mich an die Mauer. Auf Waschbetonplatten sitzend. Dreizehn Minuten – eine kleine Ewigkeit wartend – die wie im Flug vorbeigehen. Manchmal überlege ich mir die S-Bahn durchlassen. Nicht einzusteigen. Eine später nehmen. Halbe Stunde hin oder her. Ist nicht entscheidend. Was ich dann doch nicht mache. Nie getan. Aber schon das KÖNNEN ist purer Luxus. Und das zu WISSEN auch.IMG_4092Vorfreude auf die abendliche Heimfahrt. In den Sonnenuntergang. In die Nacht. Ich liebe es. Der Tag bereitet sich auf die Nacht vor. Die Gärtnereien sprengen ihre Felder mit Wasser. Eine erquickende Wohltat auch für den Mensch. Eine kurze, feuchte Kühle. Erfrischend.

Ludwigsburg. Am Busbahnhof vereinzelt Menschen. Auf den letzten Bus wartend. Andere sitzen im Freien. Auf Plätzen, vor Gaststätten, am Straßenrand. Treffen sich. Genießen den Abend, die Nacht. Biergärten und Weinlauben längst geschlossen. Die bunten Lichterketten ausgeschaltet. Gut so. Sehen eh scheußlich aus.

Am Schloß entlang, Marbacher Straße, Alt-Hoheneck, dem Neckar linksseitig folgend. Die Frische und die Mücken. Wäre ein schöner Blogtitel gewesen. Anders entschieden. Nasenatmung. Schnell durch. Motiviert. Gute Beine.IMG_4096Im Garten den Abend ausklingen lassen. Viel ist nicht mehr. Mitternacht ist längst durch. Ein Glas Bier. Luxus. Die Nacht hat ihre Ruhe gefunden – wie ich. Sitze gefühlt ewig. Es gibt nichts zu sehen. Nichts zu hören. Einfach sitzen. LUXUS. Keine Sekunde zu lang. Irgendwann siegt die Vernunft.

Die Sonne macht ihre Runde um die Kugel.IMG_4098
Später lese ich, dass diese Nacht des 20. Juni 2017 als Wärmste seit Aufzeichnung der Temperaturen gilt. Sie wird mir in Erinnerung bleiben. Wegen ihrer Normalität. Es ist nichts besonderes geschehen. Nach Tag wurde Nacht.

Was ist normal? Nur weil alle es tun, sangen einst die Fantastischen Vier. Aufgenommen im Römerkastell in Cannstatt. Es war der 21. September 2003. Erinnerungen. Schön wars. Sehr sogar. Nachfreude dabei gewesen zu sein in guter Umgebung.

Jeder Tag hat etwas Besonderes. Mal mehr. Mal weniger. Mal gebraucht. Auch das macht Tage besonders. Ist so.

In wenigen Stunden klingelt der Wecker. Das Leben zieht weiter (in Anlehnung an ein Zitat eines ehemaligen Bundeskanzlers). Ein Stück Normalität.

Empfohlener Soundtrack: Sleaford Mods, English Tapas

Arschloch-Dichte

Posted on 27. Mai 2017

Auch wenn die U-Bahn voll ist: Kirchentag ist super. Hier kommen die Leute zusammen, die etwas ändern wollen und noch Sinn im Sein suchen. Wunderbar beschrieben, geschildert wie auch immer in der TAZ von Bernhard Pötter! Ach Gottchen – der Unterricht an den Schulen fällt aus! Die U-Bahn ist voll! In den Turnhallen riecht es nach Schweiß! Das Gemaule über die Protestanten, die Berlin fluten, gehört in der Hauptstadt des Meckerns fast schon zum guten Ton. Aber es geht nicht ums Deo. Sondern ums Deo Gratias – Gott sei Dank haben wir sie, die Halleluja-Schlümpfe. Die freundliche Übernahme Berlins durch die singenden, tanzenden und manchmal nervenden mehr oder weniger Gläubigen ist das Beste, was der Stadt passieren kann. Bei Kirchen- und Katholikentagen ist die Arschloch-Dichte…

Snitzeljagd, Schockenporn & Himmelfahrt

Posted on 26. Mai 2017

Irgendwann am Berg Richtung Buoch. »Achim, kann es sein dass du die Socken falsch herum angezogen hast?« so ein Mitfahrer. Dazu gibt es drei Dinge zu sagen: 1. Mein Training- und Leistungsstand, gepaart mit »Ruhm, Schweiß und Ehre“ widerspricht augenblicklich meiner These und Möglichkeit am Berg von hinten gesehen zu werden. Irgendwie kann ich mich doch immer wieder überraschen. YEAH. 2. Schließt an 1. an. Am Berg mit dem Rad unterwegs habe ich andere Sorgen als auf die Sockengewohnheiten meiner Mitradler und innen zu achten. Daraus zwei Dinge: Respekt auf welche Kleinigkeiten Menschen für gewöhnlich achten. Wobei unterschätze niemals den #sockenporn. Und ich hätte auch nicht die Luft jemanden wegen des Sockentragens anzusprechen. Dies schließt sich wieder mit 1. an, nur dass ich mich…