Beiträge von Achim Seiter

Wer füttert Facebook & Co.

Veröffentlicht in 16. Oktober 2019

Meine Zeit mit meinem Smartphone ist reichlich. Beruflich bedingt. Und zur Befriedigung von privater Neugier und zur Freude ein steter Begleiter.Missen? Nein. Möchte ich nicht. Ich möchte mich keinen Regeln des Digital Detox unterwerfen. Und schon gar keinen Tipps. So nach dem Motto: Ein Löwe erklärt einer Kuh, wie die Kuh ihre Ernährung ändern kann, so mit weniger Kuhfleisch, mehr Gras und so.WHAT? Wie fremdbestimmt bin ich eigentlich? Wer seid ihr? Social-Media-Monsters? Nun, mein Konsum und mein Teilungsbedürfnis hält sich in Grenzen. Sicherlich höher als bei anderen Mitmenschen. Hoffentlich auch weniger. Aber – so meine Selbsteinschätzung – auf einer Höhe über dessen Latte ich noch springen kann. Gemeint ist die Hochsprunglatte, nicht die Macchiato. Schon immer. Mein Privatleben sowieso. Das Schöne ist, alle können…

überrehmt

Veröffentlicht in 25. Juni 2019

Vor Tagen, vielleicht Wochen las ich folgende Randnotiz in meiner lokalen Tageszeitung: Rehm meldet Insolvenz an! Rehm ist eine Metzgerei, die einen gewissen Bekanntheitsgrad durch die Produktion von Wurst in Dosen erreicht hat. Die Größe dieses Unternehmens ist mir nicht bewusst. Die Dosen klein. Mir unbekannt auch die schwäbische Herkunft. Hat bei meinen Einkäufen nie eine Rolle gespielt. Möglicherweise zurückzuführen auf fehlendes Marketing, was ja eine Insolvenz zur Folge haben kann. Stichwort Unternehmensdarstellung. Brand-Building. Es wird in solchen Fällen gerne von Management-Fehlern gesprochen. Dieses sagt, die Erhöhung des Schweinefleischpreises hätte der Markt nicht hergegeben. Mit dem Markt fühle ich mich gemeint. Kann ich nichts zu sagen. Mich interessiert die Entwicklung des Schweinefleischpreises nicht im Geringsten. Ich esse seit roundabout 25 Jahren keine Wurst und…

sehend. verrückt. frontal.

Veröffentlicht in 8. Juni 2019

„Jetzt sehen wir uns wieder“, sage ich voll Freude. Zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Stunden. Er kommt mir auf dem Bahnsteig entgegen. Mit dem linken Arm eingehängt in den rechten Arm seiner Begleiterin. Ob es seine Frau ist? In der rechten Hand einen Stock. Wie, als wir uns zum ersten Mal sahen, wenige Stunden zuvor. Ich bleibe stehen. Er dreht den Kopf zu mir. Dann lacht er und sagt nach einer kurzen Pause der Überlegung „ja, sehen wir uns wieder. Sehend.“ Die Beiden bleiben ebenfalls stehen. Die Frau auf seiner Linken drängt still zum Weitergehen. Es scheint, ihr ist die Sache nicht geheuer. Ihre Mimik zeigt wenig Reaktion. Nach einer weiteren kurzen Zeit sagt er „ein lustiges Wortspiel“. Verrückt. Obwohl wir wenige Worte…

gott•ver•las•sen

Veröffentlicht in 21. April 2019

OK. An einem Ostersonntag nicht die ideale Überschrift. Ist doch gerade aus christlicher Sicht die Wende. Gefeiert wird die Auferstehung von Jesus Christus.Gottverlassen meint auch, abseits von allem Verkehr, von allem städtischen Getriebe gelegen. Eher negativ. Viel schön. Grundschulen von Stararchitekten erschaffen. Sonst nix. So war es. Raus und machen. Die Definition für kurz mal weg sein.Ich habe es gemacht. Mikroabenteuer machst du ohne Zelt. Ich hatte – einem Ratschlag folgenden – eines dabei. Der und das war gut so. Richtig gut. Ohne, hätte ich die Schnecke auf der Backe in meinen tiefsten Vorstellungen, jetzt ich in echt, doch spüren können. Habe mir extra – wieder – eines gekauft. So ein Zelt. Dabei meinte ich vor längerer Zeit, dass meine Zelt-Zeituhr abgelaufen ist. So…

Verbogener Glücksfall

Veröffentlicht in 17. März 2019

Nicht verbiegen lassen. Dein Ding machen. Einfach gesagt. Dazu gehört viel dazu. Auch Umgebung. Die dich eben so lassen machen. So wie du bist. So wie ich bin. Habe nur den Einstieg in den Text gesucht. Klingt weiser, als über die Dummheit zu schreiben. Weit davon weg Lebensweisheit zu verbreiten, die glücklich machen und sollen und überhaupt. Sollen andere. Können das besser. Manche überhaupt nicht. Kriegen teilweise sogar Geld dafür. Manche viel. Gegönnt. Ich habe meine Mülltonne verbogen. OK. Ist sicherlich nicht Weltproblem EINS. Auch nicht MEINS. Doch paar Gedanken des Glückes wert. Und des Dankes an den Zufall. Vermeintlich heiße Asche in den mausgrauen Behälter geleert. Seltsame Begrifflichkeit. Etwas leeren um es damit zu füllen. Zudem in eine Tonne in die keine Tonne…

Der Tag an dem Magnus Carlsen Weltmeister wird und ich im Wartezimmer sitze

Veröffentlicht in 29. November 2018

Zahnarztpraxis. »Bitte nehmen Sie im Wartezimmer platz«. Wartezimmer. Lebenszeiträuber Nummer 1. Was ein deprimierender Name für einen Raum. Lieber Carport als Garage. Gehen um zu Warten. Eng verbunden mit Langeweile. Platz nehmen. Wie ich diese Worte der freundlichen Sprechstundenhilfe liebe (#ironie). Ich weiss nicht, ob diese Berufsbezeichnung politisch korrekt ist. Vielleicht sagt man auch Dentist-Health-Care-Manager. Egal. Klingt ähnlich der Aussage der Spedition-Hotline (auch freundlich), dass der LKW unterwegs ist. Bedeutet, der kommt zwischen 8 und 20 Uhr. An einem beliebigen Tag. Halten Sie sich mal bereit. Und halten Sie durch, was nicht gesagt wird.Ich mache mich auf den Weg.Wartezimmer. Hoffend, dass niemand im Wartezimmer sitzt. Wenn du großes Pech hast, ist nichtmal ein Stuhl frei. Heute: Sagen wir mal so, Zwei von Acht.Was ist…

Yesterday

Veröffentlicht in 24. November 2018

Gedankenlos sitze ich am Frühstückstisch im Hotel. Einen Beutel mit einem Darjeeling-Royal-Second-Flush-Inhalt im Wasser hängend. Wartend Zitrone hinzuzugeben. Etwas Kandis. Manchmal auch Honig. Mancher Honig verändert den Geschmack des Tees. Zu honigig. Komisches Wort. Drei Minuten oder so. Wenn ich wählen kann, entscheide ich mich gewöhnlich für einen Earl Grey. Den Grund kenne ich nicht. Gewohnheit. Vertrautheit? Teekenner wenden sich kopfschüttelnd ab. Ist mir nicht wichtig. Kann durchaus entscheiden zwischen gut schmeckend und nicht so gut schmeckend. Dann bleibt es Warmwasser mit Färbung. Doppelt Zitrone. Extrem süßen. Geht auch das. So einigermaßen. Glücklich ist anders. Toastbrot. Liebe es, wenn das geröstete Brot den Hals runterkratzt. Das Geräusch, wenn das Messer die Butter streichelt. In wenigen Fällen liefert ein Bäcker sein Handwerk. Meist sind es…

Weißer Fleck im Alltag

Veröffentlicht in 28. Oktober 2018

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Steinheim/Murr. Kreisstraße 1610.

Was ist denn das? Ein Rad am Straßenrand? Vergessen? Abgestellt? Angelehnt an einen Laternenmast.

Auffallend. Spezielle Farbe.

Es ist beabsichtigt, dass Menschen sich wundern. Innehalten. Nachdenken. Stehen bleiben.

Stehend. Wie das Fahrrad am Straßenrand. Ganz in weiss. Nicht nur der Rahmen. Auch Reifen. Speichen. Kette, Sattel und die Klingel. Alles.

An einem Herbst-Samstag verändert sich hier das Leben. Auto vs. Rad. Der Stärkere… lassen wir das. Mit Todesfolge.

Es sieht fast etwas gespenstisch aus. Wie das Rad so da steht. Auffallend eben. Das ist die Idee. Nennt sich Ghost Bikes. Geisterrad.

Die Uridee stammt – so die Vermutung – aus den USA, St. Louis im Bundesstaat Missouri.

Ghost Bikes sind kleine und düstere Gedenkstätten für Radfahrer deren Leben auf der Strasse bleibt.

Aufgestellt in naher Umgebung des Unfalls.

Umfahren, nicht umfahren. Wie es so platt heißt. Der 61jährige Radfahrer stirbt wenige Stunden nach dem Unfall. Der Unfallverursacher muss damit klar kommen.

Die Farbe Weiß hat keinen negativen Zusammenhang. Weiss ist die vollkommenste Farbe. Weiß steht für Licht.

Ghost-Bikes stehen und taugen nicht zu Anklage. Es geht nicht um Schuld. Dafür steht das Weiss.

Es geht nicht um Kritik an Autofahrern, am Auto fahren. Auch dafür steht das Weiss.

Das Ghost Bike steht als Zeichen für das jetzt. Das Leben. Dazu zählen leider schwere Unfälle.

Das Ghost-Bike steht für die Hoffnung die Rücksicht für schwächere Verkehrsteilnehmer zu erhöhen.

Je weniger Ghost Bikes desto besser.