Beiträge von Achim Seiter

Tore, Maria und Josef _ IV

Veröffentlicht in 24. Dezember 2020

Eine Weihnachtsgeschichte in sechs Teilen // Teil 4 Für Opa Tore wird es ein besonderer Tag werden. Seit langer Zeit wieder auf den geliebten Gleisen unterwegs zu sein. Schon früh am Morgen bemerkte Oma Geli seine fröhliche Grundstimmung. Nein, Opa Tore war kein Morgenmuffel. Aber so fröhlich „La-Paloma-pfeifend“ eben auch nicht.Eine Redewendung die Opa Tore immer wieder, auf das Thema angesprochen, betonte. Hintergrund war eine in die Jahre gekommene Rasierwasser-Werbung. Fröhlichkeit war ein Markenzeichen von Josef. Mit einem Lächeln war er in den Gängen des Region 90 unterwegs. Anfänglich Opa Tore zuschauend.Es gab noch keine elektronischen Apps. Tickets hießen noch Fahrkarten. Hergestellt aus einem etwas festeren Papier in der Größe einer Tafel Schokolade. Mit einer Zange wurde eine Nummer und das Datum aufgedruckt und…

Tore, Maria und Josef _ III

Veröffentlicht in 19. Dezember 2020

Eine Weihnachtsgeschichte in sechs Teilen // Teil 3 Der Bahnhofsvorplatz in Crailsheim ist um diese Uhrzeit erstaunlich menschenleer. Die wenigen Menschen hetzen dick eingepackt in Richtung der Bahnsteige und zu den Bussen. Ein kühler Dezembermorgen. Die große runde beleuchtete Bahnhofsuhr ist Tempogeberin für die Menschen. Ein kleiner Blick und der Gang wird schneller oder langsamer, hektischer oder gemütlicher.Tore blickte abwechselnd auf die Bahnhofsuhr und auf seine Armbanduhr an seinem linken Handgelenk. Ein Geschenk seines Vaters. Eine alte Gewohnheit.Und sah immer wieder fasziniert, wie der Sekundenzeiger der großen Bahnhofsuhr zur vollen Minute kurz innehält.„Dies bringt Ruhe in die letzte Minute und erleichtert die pünktliche Zugabfertigung“, sagte Opa Tore zu Finn und Lilli. „Der Sekundenzeiger läuft etwas zu schnell, so dass er zu jeder vollen Minute…

Tore, Maria und Josef _ II

Veröffentlicht in 15. Dezember 2020

Eine Weihnachtsgeschichte in sechs Teilen // Teil 2 Opa Tore schnäuzte sich die Nase. Es war kein einfaches Schnäuzen. Opa Tore zelebriert es. Sehr zum Ärger von Oma Geli. Es klingt wie wenn die Tuba im Posaunenchor neben dem üblichen Brum-Brum-Basston zu einem Solo ansetzt und im Gesang der Trompeten endet. In der Lautstärke, dass die Vasen aus Keramik auf der Fensterbank zu vibrieren beginnen. „Josef“ stand plötzlich vor der Bürotür von Opa Tore. Die Beine haben nicht mehr mitgemacht, deshalb war Opa Tore nach vielen Jahren als Schaffner in den Innendienst versetzt worden.  „Ich möchte Schaffner werden“, sagte er zu Opa Tore – mit einem Strahlen im Gesicht, das an ein Kind erinnert, das auf den Kuchen noch einen Löffel frisch geschlagene Sahne…

Tore, Maria und Josef _ I

Veröffentlicht in 13. Dezember 2020

Eine Weihnachtsgeschichte in sechs Teilen // Teil 1 „Und Maria wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe. Denn sie hatten sonst keinen Platz in der Unterkunft gefunden“ äfft Finn seine Oma Geli nach. Omas Stimme kann Finn so gut nachmachen, dass selbst seine Mutter einmal hereingefallen ist. „Ist doch immer die gleiche Leier, Oma“. „Ja“, meint selbst Lilli. Und Lilli ist Oma-Fan. Lilli liebt es wenn Oma Geli Geschichten vorliest. Mit ihren fünf Jahren klar. Vermutlich sind alle Fünfjährigen Oma-Fans. Und natürlich auch Opa-Fans. Doch Opa Tore ist kein Vorleser. Er bringt es nicht übers Herz, immer dieselben Geschichten zigmal vorzulesen: eben das, was Finn bemängelt. Inkonsequent, weil Finn das Buch der Maulwürfe mehr als auswendig konnte und Opa trotzdem immer…

Das 0 6 Desaster.1

Veröffentlicht in 5. Dezember 2020

Knowledge Unlängst verlor Deutschland im Fußball null zu sechs gegen Spanien. Ein Desaster. Und wie Phönix einst der Asche entstieg, alle wieder da. Wie im Frühling die Vögel. Millionen von Bundestrainern. Jede:r weiß viel – nahezu alles. Auf jeden Fall alles besser als Joachim Löw. Der vertragsmäßig der Bundestrainer ist. Erfolgreich und geliebt bei Siegen. Aus unserem Jogi wird Joachim. Klingt fremdlich, wie wenn Mutter ihren Jungen abends von der Straße ruft. Dieser verwirkt. Am Ende? Austauschen? Namen werden gehandelt. Wie ein Lauffeuer verbreitet, obwohl bei den Stammtischen dieser Welt Pandemie bedingt der Zapfhahn still gelegt ist. Soziale Medien ersetzen dieses Urgestein der manchmal einfachen und deftigen Sprache. Ohne Bier. Dieses fehlt um die Bitternis zu filtern. Der Stammtisch auch. Danach ist wohler. Nicht…

Arizona

Veröffentlicht in 29. Oktober 2020

Herbst. Ich trage wieder Birkenstock’s an meinen Füßen. Ist Füße richtig? In der schwäbischen Sprache verwendet man Worte gelegentlich in einer anderen Form, die für Missverständnisse sorgen kann. Gilt nicht wenn sich nur Schwäbinnen und Schwaben unterhalten sollten. Also Schuhe. Von Birkenstock. Mal wieder? Über Jahre hinweg hatte ich genug davon. Nicht in der Menge. Es war nicht die Zeit. Es war nicht mehr meine Zeit diese Art von Schuhen zu tragen. Abstoßen, das was für viele Jugendjahre „State-of-Art“ war. Ob geschlossen. Mit Riemen. Eins, zwei oder dreien. Hinten geschlossen oder offen. Breit schmal. Leder Filz. Arizona oder Boston. Wie sie heute noch heißen.Ich trug sie. Klar bequem. Aber es war so eine Ansage. Ein Lebensgefühl. Ein Statement. Hippiesandalen. Hinter einem Menschen mit liebevoll…

SOMEWHERE OVER THE RAINBOW

Veröffentlicht in 27. September 2020

Es kommt die Zeit, da musst du raus. Das innere Verlangen. Der Anflug von Unzufriedenheit. Den Ablauf des Tages zu kennen. Und das Finale. Und den Ausgang. Bereits am Mittag. Und du änderst nichts. Und am Abend war es genauso, wie du es dir vorgestellt hast. Bereits am Mittag. Es geht nicht um gut oder nicht gut. Es geht um den Drang nach draußen. Freitag war es soweit. Dem Plan folgend. Wenn überhaupt Plan. Dinge erledigen. Abhaken. Wohl wissend, dass neue Aufgaben entstehen. Auch daraus. Arbeit geht nie aus. Was ein Wortspiel. Und „fertig“ sein – nein auch unvorstellbar.Und JA. Ich habe sie noch. Die To-Do-Liste. Sogar zwei. Zwecks des Vergessens. Der Angst etwas nicht zu erledigen. Nicht rechtzeitig. Nicht zu vertrauen darauf, dass…

Eier

Veröffentlicht in 18. August 2020

Ich sitze am Küchentisch. Das große Fenster ermöglicht mir den Blick auf meine Straße. Ich sitze nicht dem Fenster zugewandt. Aber eine kleine Kopfdrehung nach rechts verschafft mir Überblick über einen kleinen Bereich „meiner“ Straße. Eine Straße in der wenig los ist, bis gar nix. Ich wohne gerne hier.Alles im Rhythmus. Ich sehe Menschen die zu sehr ähnlichen, fast gleichen Zeiten durch die Straße laufen oder aus ihren Garagen heraus kurven. Täglich. Außer Sonntag.Nicht dass ich das Super-Eye bin, der alles abspeichert und spioniert. Aber ich habe ein Gefühl und ein Erinnerungsvermögen für Wiederholungen. Manche Menschen nennen es Rituale. Obwohl ich mir nicht sicher bin ob Menschen Automationen als Rituale wahrnehmen. Da eher unbewusst. Und freue mich daran. Selbst wenn eine lange Zeit dazwischen…