Beiträge von Achim Seiter

Stümperhafte Zufälligkeit

Veröffentlicht in 12. November 2016

Schon mal mit dem Bogen geschossen? Damit meine ich nicht irgendeinen Weidenzweig abgerissen. Die Enden mit einer Schnur verbunden. Die dünnen Zweige mit dem Messer an einer Seite angeschnitzt. Wir waren Kinder. Fertig ist er der Pfeil und Bogen. Auch so ein seltsames Wortpaar. Mit Richtung. Kein Mensch spricht von Bogen und Pfeil. Klingt unbekannt und sperrig. Vielleicht werde ich es mir zur Gewohnheit machen bedachter zu sprechen. Also von Bogen und Pfeil. Von Igel und Hase. Von Korn und Kimme. Im Sport kommt der Pfeil nicht vor. Sportler sprechen schlicht von Bogenschießen. Eine Sportart die es in sich hat und am Rande von olympischen Spielen aufblüht. Ohne Nachhaltigkeit. Was aber eine Vermutung ist. So stand ich vor der Anlage. Zufällig dazu gekommen. Nicht…

Eine Runde um den Block

Veröffentlicht in 1. November 2016

Es gibt Menschen, die haben an irgendeinem Punkt in ihrem Leben etwas von der Gottes Botschaft begriffen. Sie haben Ernst damit gemacht und versucht, im Sinne Jesu zu leben. Jemand hat solche Menschen als »den wichtigsten Kommentar zum Evangelium« bezeichnet (Hans Urs von Balthasar). Sie waren bisweilen – wie ihr Freund Jesus – Grenzgänger aus Liebe. Katholiken und Orthodoxe nennen sie Heilige. Evangelische sagen: exemplarische Christen, Vorbilder. Elisabeth von Thüringen und Franz von Assisi, Mutter Teresa und Dietrich Bonhoeffer. Heute ist ihr Gedenktag: Allerheiligen. Eher sperrig. Heilige sind ganz normale Menschen. Müssen auf staubigen Straßen ihren Weg durchs Leben gehen, ohne Abkürzungen, ohne Schleichpfade. Heilige sind Menschen, die sich längst nicht immer fest mit Gott verbunden fühlen. Heilige haben ihre Glaubenszweifel. Gott scheint ihnen…

ob und wie

Veröffentlicht in 30. Oktober 2016

Eine tägliche Meditation – Gedanken vor dem Start des Bottwartal-Marathon 2016 Ich schaue mich an meinem Schreibtisch um. Es sind einige Dinge zu sehen: eine Tasse, ein Bleistift, Bürogegenstände und vieles mehr. Ich wähle einen dieser Gegenstände aus. Und sehe mir diesen Gegenstand genau an: die Form, die Farbe, Spiegelungen des Lichts, Besonderheiten. Ich sehe den Gegenstand an wie ein Maler. Ich merke, dass meine Konzentration auf diesen Gegenstand schnell wieder verloren geht. Ich bin wieder bei meinen Sorgen, meinen Lieblingsgedanken und Dauergrübeleien. Abgelenkt. Aber die Konzentration hat mir für einige Sekunden gutgetan. Ich konnte auf die Gedanken, Wünsche und Vorlieben, die ich immer habe, einige Sekunden lang verzichten. Gott hat mir die Freiheit gegeben, mich zu begrenzen und aus der Ablenkung immer wieder…

Faites votre jeu

Veröffentlicht in 29. Oktober 2016

Der Begriff Derby bezeichnet eine Austragung im Mannschaftssport, bei der zwei meist rivalisierende Sportvereine einer Region aufeinandertreffen. Für die Fans der betroffenen Vereine haben solche Ereignisse häufig eine hohe symbolische Bedeutung. Punkt. Nein. Ich gehe Sonntag nicht nach Karlsruhe. Nicht in den Wildpark. Ich fahre auch nicht oder sonst irgendwie. Sonntag spielt der Karlsruher SC gegen den VfB Stuttgart. Ein brisantes Spiel bei dem der sonst schon besonnene Ministerpräsident Winfried Kretschmann (VfB-Mitglied) zu Besonnenheit aufruft. Es gibt im Fußball »die« Spiele mit Brisanz. Das ist auch gut. Was besonderes. Wir Fans fiebern dem entgegen. Es ist die Sahne, der Zucker und das Salz zugleich. Alles in einem. Es gibt Spiele, bei denen selbst sonst ruhige Zeitgenossen aus sich raus fahren. Beleidigungen, Schadenfreude und Schmähgesänge möglich…

Grüß Gott. Gott.

Veröffentlicht in 22. Oktober 2016

Kleine Einstimmung auf eine möglicherweise heitere Podiumsdiskussion über Gott und Lachen und Humor oder auch nicht. Paar Tage alt – aber aktueller den je. Schließlich will ich für meinen Teil nicht, dass „mein Planet“ beim nächsten Sperrmüll rausgestellt wird. Und will auch kein weiteres Weihnachtsalbum von der Fischer.

Großartig. Großer Gott – wir loben dich.

Ein Fisch namens Großkreutz

Veröffentlicht in 13. Oktober 2016

Ein Orkan. Die Zuschauer geben alles. Die Augen leuchten. Es wird geschrieen, geklatscht, ein Lärm, als ob ein Tor gefallen sei. Was ist passiert? Kevin Großkreutz wird in der 75. Minute beim Stand von 1:1 gegen Heidenheim eingewechselt. Die Zuschauern feiern ihn, als ob er schon 111 Spiele für den VfB entschieden hat. Aber er hat bis dahin noch kein Tor geschossen, gerade einmal zehn Spiele für den VfB absolviert. Großkreutz ist ein Phänomen. Normalerweise werden Spieler dafür geliebt, weil sie mit dem Ball Sachen anstellen können, die einzigartig sind, weil sie besonders gut passen, verteidigen oder Tore schießen können. Großkreutz kann nichts besonders gut. Wahrscheinlich ist es gerade das, was wir an ihm mögen. Denn wir erkennen uns in ihm wieder. Er ist…

2443

Veröffentlicht in 25. September 2016

Der sieht mich mit dem Arsch nicht an. August 2016. 30 Grad. Tiefblauer Himmel. Montafon. Österreich. Mit dem Salsa Beargrease – einem Fat-Bike – unterwegs. Bis weit nach oben. Für ganz fehlt es an Wegen. Und Bike schultern. Naja. Muss nicht sein wenn vermeidbar. Am Ende – des für mich fahrbaren – Weges. Die Wiesbadener Hütte. Auf 2443 Meter Höhe. Bin jetzt kein Mensch mit großer Hüttenerfahrung. Eher keine. Hat sich bisher nicht ergeben. Kann noch. Mein Salsa nach oben gebracht in einer Mixtur zwischen hartem aber rhythmischen Tretens. Und Schieben (nicht so filigran). War ok. Keine Tortur. Ist ja auch Kopfsache. Und da war ich gut. Oben ankommen hat was. So eine Grundzufriedenheit mit der Gesamtsituation. Bißchen Pause, dort wo die Welt noch in…

Möglicherweise

Veröffentlicht in 6. August 2016

Es ist ein paar Tage her. Viele Tage. Besser Jahre. Viele Jahre. Möglicherweise 37 oder 38 Jahre her. Leute wie die Zeit vergeht.  Sitze mal wieder im Zug von Zürich nach Lugano. Ich reise gerne mit dem Zug. Lieber Schiene als Strasse. Es ist eine Frage der Zeit. Schiene ist Mehrzeit. Auch wenn du länger brauchst. Gedankenlos aus dem Fenster schauen. Ok. Es gibt Reisen die sind weniger prickelnd. Menschen können nerven. Im Auto hast du deine Ruhe. Ein Aspekt. Gut sind akzeptable Verbindungen. Weniger gut sind zig Umstiege. Und anschließende Endlos-Fahrten mit Vorort-Bussen. Damals alternativlos. Hatte noch keinen Führerschein. Kleiner 18. Möglicherweise hätte ich sonst eher den Drang zur Autofahrt gehabt.  Heute mal wieder über die Alpen ins Tessin. Oder ist korrekter unten…

Schlimm?

Veröffentlicht in 6. August 2016

Es geht nicht darum warum sich Menschen umbringen. Da gibt es sicherlich Gründe. Wenn auch schwer begreiflich. Schlimm wenn die Verzweiflung groß. Schlimm wenn die/eine Krankheit dich kaputt macht. Schlimm wenn es der einzigste Ausweg zu sein scheint. Schlimm – aber man (klingt so unpersönlich) muss es Wohl oder Übel akzeptieren. Mir kommt das Buch von Ronald Reng über Robert Enke in den Sinn. Keine Gute-Nacht-Lektüre. Kein Happy End.  Warum? Ist nicht die Frage. Das Wie?  Heute in aller Herrgottsfrühe war es mal wieder soweit. Schienensuizid. Die Schienenwelt steht still. 2 Stunden. Keine Information durch die Zugbegleiter. »Vor 7 Uhr machen wir das nicht. Vorschrift. Die Reisenden sollen in ihrer Nachtruhe nicht gestört werden.« Na denn. Ich stell mit vor… Nee lieber doch nicht.…

Rennrad

Veröffentlicht in 20. Juli 2016

Leicht beschwingter Sommersong von DOTA. Und wie schriebe DIE ZEIT einst im Märzen: »Dota vertont Konsumkritik und Sehnsüchte so poetisch wie kaum jemand im deutschsprachigen Musikgeschäft, so zärtlich, witzig und gesellschaftskritisch erzählt, wie es Tucholsky für die Zwanziger tat.« Na denn…