Beiträge aus der Kategorie “Gedankenstein

Einen Weg für mich

Veröffentlicht in 20. November 2013

Gott, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages. Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu dir, ich kann es nicht allein. In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht; ich bin einsam, aber du verläßt mich nicht; ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe; ich bin unruhig, aber bei dir ist Friede; in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld; ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt einen Weg für mich. (Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung) Heute ist Buß- und Bettag. Für evangelische Christen ein Tag der Besinnung und Neuorientierung im Leben. Der Gedenktag dient dem Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Irrümer wie beispielsweise Ausländerhass, Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Armen und Obdachlosen. Der…

Shalom Aleichem

Veröffentlicht in 10. November 2013

Kristian und Roland sind Freunde. Besser waren Freunde. Dann hat es Knall gemacht. Oder eben nicht. In »autoreverse« von Kai Thomas Geiger (»Wie Feuchtgebiete. Mit Gitarren. Aber ohne den ganzen Geschlechtsverkehr«) haut Protagonist Marc Freund Basti eine rein. Meine Faust – sein Gesicht. Wie in Zeitlupe. Nein, noch langsamer. Als würde man einen Kungfu-Film mit Bruce Lee rückwärts schauen. Ich treffen ihn nicht ganz richtig, aber der Schlag, der auf Wangenknochen und Stirn landet und vorallem die Wut, die dahinter steckt, reichen aus, damit Basti zu Boden geht. Kristian und Roland lassen Stufe 1 – den Nahkampf – weg. Sie haben unterschiedliche Meinung. Kristian trifft eine Entscheidung. Roland lässt anwaltlich prüfen bevor er zuschlägt. Beziehungweise – was für ein blödes Wort in diesem Zusammenhang…

Kurz vor dem Start

Veröffentlicht in 20. Oktober 2013

Bald geht es los. Unruhe. Hier in der Halle. Im Startbereich. In den Umkleidekabinen und Autos bei der Herfahrt. Sportler zum Teil mit megagroßen Kopfhörern. Abschalten. Musiküberladen. Der inneren Unruhe eine Ruhe geben. Oder im Kreis laufen. Das Örtchen suchen. Eine Ecke finden. Ehrlich. Wie ich diese Momente liebe. Als Sportler. Alles nochmals durchgekramt. Alles dabei haben. Als Moderator. Habe ich alle Infos. Namen. Zeitabläufe. Im Kopf gespeichert. Als Veranstalter. Wirklich an alles gedacht? Wie wird der Tag enden. Schulterklopfen oder böse Worte. Zufriedenheit. Leute. Es geht bald los. Und es ist ein Glück. Ein Privileg hier zu sein. Und wie gehe ich damit um. Überschwengliche Freude die ich in den Himmel werfe. Ich mache mir Gedanken. Bin hippelig. Unruhig. Vielleicht unzufrieden. Ich hätte…

tolerant intolerant

Veröffentlicht in 26. September 2013

Toleranz. Ein Wort das für mich nie wirklich ein Thema war. Ein Begriff, der etwas technisch rüberkommt. Holprig und gleichzeitig aalglatt. Tolerant – na klar. Wie etwas, das man politisch formuliert – aber vielleicht doch nicht lebt. Respekt, Achtung, Würde, Meinungsvielfalt – ja natürlich. Toleranz als Selbstverständlichkeit. Wo liegt das Problem? Aber ist nicht gerade das hinderlich: dass alle meinen, bereits tolerant zu sein? Dass niemand mehr darüber nachdenkt, an welchen Stellen sein Grad an Intoleranz eine echte Begegnung behindert? Selbst wenn unsere Sprache über die Jahre politisch korrekt geworden ist, sagt das wenig über unsere Überzeugungen. Und die steckt auch in einem blöden Grinsen oder einer verächtlichen Geste. Intoleranz versteckt sich in dem Gefühl, dass eben doch nicht alles ausgesprochen ist, was auch…

Wayne Shorter

Veröffentlicht in 25. August 2013

Worte eines weisen Mannes – dem nichts hinzuzufügen ist. » Als Kind träumte ich davon, das Universum zu erkunden, andere Welten und Galaxien zu sehen. Dann stellte ich fest, dass man das wohl nur auf dem Planeten tun kann, auf dem man lebt. Auch dieser Planet wartet auf Erkundung. Es beginnt schon mit der Erkundung des eigenen Selbst. Früher einmal dachte ich, Buddha sei eine Person oder eine Gottheit. Aber die existiert nicht. Es ist ein Zustand, der in menschlichen Wesen vorkommt. Es ist unsere Essenz, unser wahres Selbst. Es existiert in jedem Menschen, ob er es weiß oder nicht. Es schläft, weil die meisten von uns direkt aus der Wiege entführt werden. Wir halten uns an das, was man uns beibringt. Manche Menschen sterben…

Warum ist nicht nichts?

Veröffentlicht in 4. August 2013

Menschen können nach Gott fragen, aber sie müssen es nicht. (Georg Scherer) Eine evangelisch-reformierte Pfarrerin aus der Schweiz hat diese Tage in einem Rundfunkgespräch die Existenz Gottes abgestritten. »Es gibt keinen Gott«, sagte Pfarrerin Ella de Groot im Schweizer Radio SRF 2 Kultur. »Alles was wir über Gott sagen ist unsere Fantasie, ist in unserem Kopf entstanden«, sagte sie. Die Pfarrerin in Muri-Gümligen im Kanton Bern erklärte weiter, dass sie auch nicht an das ewige Leben glaube. Die gebürtige Niederländerin, die in ihren Gottesdiensten keinen Talar trägt, wollte sich aber nicht als Atheistin bezeichnen. »Diese Frage stellt sich für mich nicht.« In ihrer Gemeinde denke sie mit den Menschen darüber nach, warum es das starke Bedürfnis nach einem Gottesglauben gebe. Viele Kirchenbesucher fühlten sich…

Mein Weg.

Veröffentlicht in 30. Juni 2013

Wer nicht sein Kreuz trägt und mir auf meinem Weg folgt, der kann nicht mein Jünger sein. Darum kann auch keiner von euch mein Jünger sein, wenn er sich nicht von allem trennt, was er hat. (Die Bibel, Lukas 14, Vers 27,33 nach NGÜ) Puhhhh. Was für ein Wort. Was für eine Forderung. Gefordert ist die radikale Nachfolge. Drei Beispiele: Im Laufe der langen Geschichte der Christenheit ist der Gedanke immer lebendig, dass radikaler Besitzverzicht und Askese ein Weg ist, Christus nachzufolgen. Um das Jahr 320 etwa, das Christentum war gerade unter Kaiser Konstantin Staatsreligion geworden, da gab es ein Buch, einen Bestseller, verfasst von dem einen Heiligen, nämlich Athanasius, der beschrieb in seinem Buch das Leben eines anderen Heiligen, nämlich Antonius, der wiederum hatte…

Zachäus

Veröffentlicht in 18. Juni 2013

In gewissem Grad sind wir wirklich das Wesen, das die anderen in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! Auch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf eine unheimliche und unentrinnbare Weise verantwortlich für das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage. Wir sind es, die dem Freunde, dessen Erstarrtsein uns bemüht, im Wege stehen, und zwar dadurch, dass unsere Meinung, er sei erstarrt, ein weiteres Glied der Kette ist, die ihn fesselt und langsam erwürgt. (Aus: Max Frisch, Du sollst dir kein Bildnis machen!, 1981) Zachäus. Zolleinnehmer. Von kleiner Gestalt. Gesellschaftlich isoliert, weil er seinen Lebensunterhalt mit überhöhten Forderungen und Unterschlagungen bestreiten muss. Aus religiöser Sicht ein Gesetzesbrecher. Gefesselt und erwürgt. Lukas…

Out of Off

Veröffentlicht in 25. Mai 2013

Auf einmal bis du im OFF. Naja nicht ganz. Gott sei Dank spielt sich das Leben nicht im Netz ab. Der ehemalige, gerne unterschätzte Bundespräsident Roman Herzog (ein Guter!) sagte einst, dass es ihm eh lieber ist wenn Menschen statt zu chatten sich an Biertischen treffen und miteinander sprechen. Wohl wahr. Cheers! Trotzdem wer möchte und könnte auf eMail, SMS und/oder WhatsApp verzichten. Schon nach ein paar Tagen fühlt man sich im OFF. Update notwendig. Was die Masse ansammelnder beruflicher eMails angeht ganz zu schweigen. Wohl denen die „weiterleiten“ und/oder einfach nicht da sind. Autoresponser an und bin dann mal weg bis… Wenn man jedoch unfreiwillig ins OFF gesetzt wird das ist das erheblich unlustiger. Account gelöscht und jemand anderes schnappt sich deine Domain.…

Welche Menschen braucht die Erde?

Veröffentlicht in 28. April 2013

Die Frage von Leo Tolstoi in seiner berühmten Novelle »Wie viel Erde braucht der Mensch?« – einfach mal umgedreht: »Welche Menschen braucht die Erde?« Die Schöpfung, von der es heißt »und siehe, es war sehr gut« ist nicht menschenleer. Aber der Mensch ist nicht das erste Lebewesen – er kommt zum Schluss. Und dieses Gattungswesen »Mensch« wird »Bild Gottes« genannt. Was bedeutet dies für unser Gottesverständnis, die wir nur insofern Menschen sind als wir Frauen und Männer sind? »Gottesebenbildlichkeit« bedeutet ja nicht, dass Gott wie wir aussieht – das wäre ein bequemes Einfallstor für simple Religionskritik. Vielmehr sind wir Menschen, Frauen und Männer, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, die »Vertreter Gottes auf Erden«, die Statthalter Gottes in seiner Schöpfung. Das Buch 1.…

Von Jesus glauben lernen

Veröffentlicht in 12. April 2013

Sturm! Todesangst! Schlaf. Hilferuf! Rettung! Eine wunderbare Geschichte. „Meister, Meister, wir kommen um!“ Ein Stück Buße, ein Stück Umkehr, eine Revolte, den Herrn aus dem Schlaf zu holen! Wo ist euer Glaube? Glaube übersteigt die eigene Wahrnehmung, entgrenzt und vertraut nicht nur auf eine von Menschen gemachte Aktivität. Wer glaubt lässt los, liegt im Boot, treibt davon, schläft um bei Gott wach sein zu können.  Bilderquelle: Sieger Köder (12. – 26. April Kunstausstellung in Murr)

Wenn Du rufst

Veröffentlicht in 31. März 2013

  Gott des Lebens, wir sind mit dem Leben noch nicht fertig, auch wenn es zu Ende ist. Das Grab ist leer – und wir nehmen die Hoffnung mit nach Hause. Mit ihr wollen wir deine Welt verändern und den Menschen in aller Offenheit begegnen. Mit ihr arbeiten wir für die Zukunft unserer Kinder. Mit ihr teilen wir unseren Wohlstand mit den Ärmsten. Mit ihr bewahren wir deine Schöpfung. Mit ihr treten wir für Gerechtigkeit ein und befreien die Welt von der Angst. Mit ihr fördern wir das Leben und verlachen den Tod. Mit ihr sterben wir – und stehen von den Toten auf, wenn du uns rufst.      Quelle: ePistel