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Toleranz. Ein Wort das für mich nie wirklich ein Thema war. Ein Begriff, der etwas technisch rüberkommt. Holprig und gleichzeitig aalglatt. Tolerant – na klar. Wie etwas, das man politisch formuliert – aber vielleicht doch nicht lebt. Respekt, Achtung, Würde, Meinungsvielfalt – ja natürlich. Toleranz als Selbstverständlichkeit. Wo liegt das Problem?
Aber ist nicht gerade das hinderlich: dass alle meinen, bereits tolerant zu sein? Dass niemand mehr darüber nachdenkt, an welchen Stellen sein Grad an Intoleranz eine echte Begegnung behindert? Selbst wenn unsere Sprache über die Jahre politisch korrekt geworden ist, sagt das wenig über unsere Überzeugungen. Und die steckt auch in einem blöden Grinsen oder einer verächtlichen Geste. Intoleranz versteckt sich in dem Gefühl, dass eben doch nicht alles ausgesprochen ist, was auch gedacht wird. Skepsis. Klar – ich möchte auch nicht Jedem, Jeder und allem tolerant gegenüberstehen.
In der Philosophie ist das Problem der Toleranz mit der Frage nach Wahrheit und Freiheit verbunden: Gibt es »die Wahrheit« im Besitz von Einzelnen bzw. Gruppen und wie verhält es sich mit Freiheit gegenüber dem als »Wahrheit« Angesehenen?
Goethe fordert in seiner Aphorismensammlung Maximen und Reflexionen: »Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.« Mit meiner gestrigen Duldung des Absingens des Baden-Liedes (SeiterBlick VERSCHENKT.) wollte ich die Menschen dieses Landesteiles nicht beleidigen. Bin weit davon weg. Aber ich nehme mir die Freiheit dies nicht anzuerkennen – ist mir irgendwie zu gestrig. Ich dulde es also, geht mir aber am Arsch vorbei. Sprich: Ich bin dann quasi tolerant intolerant. Oh ist das Leben manchmal kompliziert.
»Geht so mit anderen um, wie die anderen mit euch umgehen sollen.« Sagt Jesus in der Bibel.

Leben ist doch einfach.