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999 UNEXPECTED

Posted on 15. Juli 2017

Ja. 999 – eine krumme Zahl. Klar hätte ich noch einen Meter schwimmen können.

Manchmal ist so, dass das Momentum einen Meter zu kurz, ein Kilometer zu schnell, eine Minute zu lange oder irgendwas anderes nicht passt.

Der Bus ist raus. Die Ampel wird rot. Lastwagen. Blitzer. Der Reifen platt. Von 5 möglichen Schrauben fehlen 3. Der Boden ist stumpf – bremst den Menschen unerwartet. KACKE. Ist dann halt so. Glück gehabt. Andere haben es nicht. Nicht erklärbar. Dankbar.

Unerwartet. If… kannst du eh nichts machen. Steckt schon im Wort.

Es oder ähnliches regt mich nicht »mehr« auf. Meistens. Gelassenheit. Ohne »OMMMM« oder ähnlichen Zauber. Kein Schneidersitz. Nicht tief durchatmen. Keine Mund-abputzen-Parolen zur Aufmunterung. Das Jetzt-erst-recht des kleinen Mannes. Nicht einmal ihr könnt mich alle… nicht mal das.
Es ist mir einfach egal. Bei der Schwabenausstellung in Stuttgart Anfang 2017 war dieser geniale Satz an die Wand mit Kreide geschrieben. »Bevor i mi uffreg – isch mer’s liaber egal.« Ein wunderbare Therapie.
Und so schwimme ich im See. Habe mir das auf der Fahrt vorgenommen. Noch rein in den See. Egal wann Ankunft. So oft hier gewesen. Selten gemacht.

Heute aber.

Es sind die seltenen Momente. Ruhe. Naturschauspiel. Keine Menschenseele. Irgendwo zwischen Freiheit und ein bißchen Mut und Nein, niemals-was-wäre-wenn.

Die Schwimmstrecke ist überschaubar. Das Ufer sichtbar. Und unerwartetes muss nicht sein. Erwarte ich nicht – außer schön.
BE PATIENT. BEST THINGS HAPPEN UNEXPECTEDLY.

Ich bin 999 Meter im Schluchsee geschwommen.  17° Außentemperatur. 20° Wassertemperatur. Leicht bewegtes Wasser. Wohl überlegtes Kopf aus dem Wasser – sonst schluckst du. Keine Heldenstrecke – aber herrlich. Wie erwartet.
Soundtrack: Anne Clark ENOUGH

Helmut Kohl ist tot

Posted on 28. Juni 2017

Gibt es normale Tage?

Ich gehe morgens zur Arbeit. Klingt normal. Wenig aufregend. Sonne scheint. Schönes Wetter wird vorhergesagt. Keiner sagt einen schönen Tag an. Resümiert wird zum Schluss oder ich-kann-es-nicht-mehr-hören »Am Endes des Tages«.

Kleines Stück mit dem Rad zum Bahnhof. Klar hätte ich auch die ganze Strecke mit dem Rad fahren können. Es ist ein Zwischending aus NÖ und HÄTTE. Meist entscheide ich richtig. Musik auf’s Ohr. Ich möchte einfach meine Ruhe haben. Klingt quer. Ist so. Können viele Pendler folgen.IMG_4086
Zwischenstation Zuffenhausen. Kaffee von der Bäckerei. »Ja« mit Schoko-Pulver. Hochgleis. Die Aussicht wunderbar. Freue ich mich immer wieder drauf. Lehne mich an die Mauer. Auf Waschbetonplatten sitzend. Dreizehn Minuten – eine kleine Ewigkeit wartend – die wie im Flug vorbeigehen. Manchmal überlege ich mir die S-Bahn durchlassen. Nicht einzusteigen. Eine später nehmen. Halbe Stunde hin oder her. Ist nicht entscheidend. Was ich dann doch nicht mache. Nie getan. Aber schon das KÖNNEN ist purer Luxus. Und das zu WISSEN auch.IMG_4092Vorfreude auf die abendliche Heimfahrt. In den Sonnenuntergang. In die Nacht. Ich liebe es. Der Tag bereitet sich auf die Nacht vor. Die Gärtnereien sprengen ihre Felder mit Wasser. Eine erquickende Wohltat auch für den Mensch. Eine kurze, feuchte Kühle. Erfrischend.

Ludwigsburg. Am Busbahnhof vereinzelt Menschen. Auf den letzten Bus wartend. Andere sitzen im Freien. Auf Plätzen, vor Gaststätten, am Straßenrand. Treffen sich. Genießen den Abend, die Nacht. Biergärten und Weinlauben längst geschlossen. Die bunten Lichterketten ausgeschaltet. Gut so. Sehen eh scheußlich aus.

Am Schloß entlang, Marbacher Straße, Alt-Hoheneck, dem Neckar linksseitig folgend. Die Frische und die Mücken. Wäre ein schöner Blogtitel gewesen. Anders entschieden. Nasenatmung. Schnell durch. Motiviert. Gute Beine.IMG_4096Im Garten den Abend ausklingen lassen. Viel ist nicht mehr. Mitternacht ist längst durch. Ein Glas Bier. Luxus. Die Nacht hat ihre Ruhe gefunden – wie ich. Sitze gefühlt ewig. Es gibt nichts zu sehen. Nichts zu hören. Einfach sitzen. LUXUS. Keine Sekunde zu lang. Irgendwann siegt die Vernunft.

Die Sonne macht ihre Runde um die Kugel.IMG_4098
Später lese ich, dass diese Nacht des 20. Juni 2017 als Wärmste seit Aufzeichnung der Temperaturen gilt. Sie wird mir in Erinnerung bleiben. Wegen ihrer Normalität. Es ist nichts besonderes geschehen. Nach Tag wurde Nacht.

Was ist normal? Nur weil alle es tun, sangen einst die Fantastischen Vier. Aufgenommen im Römerkastell in Cannstatt. Es war der 21. September 2003. Erinnerungen. Schön wars. Sehr sogar. Nachfreude dabei gewesen zu sein in guter Umgebung.

Jeder Tag hat etwas Besonderes. Mal mehr. Mal weniger. Mal gebraucht. Auch das macht Tage besonders. Ist so.

In wenigen Stunden klingelt der Wecker. Das Leben zieht weiter (in Anlehnung an ein Zitat eines ehemaligen Bundeskanzlers). Ein Stück Normalität.

Empfohlener Soundtrack: Sleaford Mods, English Tapas

Fragen stellen

Posted on 22. März 2017

Der Durchgang kann noch so traurig und trostlos sein. Wie der, der die Gleise eins und zwei am Feuerbacher Bahnhof verbindet. Gekachelt. Kalt. Zugig. Ein perfekter Platz für die richtigen Fragen:

  • Welche Haarfarbe hat Fleiss?
  • Welchen Glauben hat Humor?
  • Welche Sprache hat Individualität?
  • Welche Ohrenform hat Faulheit?
  • Welche Augenform hat Mut?
  • Welche Herkunft hat Sportlichkeit?
  • Welche Hautfarbe hat Kreativität?
  • Welche Nasenform hat Lebensfreude?
  • Welche Schuhgröße hat Aggressivität?
  • Welche Statur hat Intelligenz?
  • Welche Körpergröße hat Kriminalität?
  • Welche Augenfarbe hat Freundlichkeit?

Ja welche denn? Herrlich. Suche die Antwort Mensch.

Danke Amnesty.

 

Milano

Posted on 6. Januar 2017

1701_milano

Paar Tage her. October 11, 2014. Mailand. Eine schöne Erinnerung. Eine gute Zeit. Mit viel Warten. Ohne Freunde öde und langweilig. Eigentlich wollten wir Radrennen schauen. Red Cook Crit. Immer wieder mal fuhren sie. Dann Unterbrechung. Immer im Kreis. Kriterium.  Ohne Bremsen. Fixed Gear. Dann wieder warten. Doch noch Finale. Siegerehrung. Platzregen. Möglichst schnell ins Hotel. Am Stadtrand liegend. Sebastian Kienle gewinnt in dieser Nacht die Ironman World Championship auf Hawaii. Livestream. Eine bleibende Erinnerung. Kurz schlafen. Dann ging es wieder heimwärts.

SeiterBlick@Exposure

 

amol nonder

Posted on 12. Oktober 2015

Auf der Heimfahrt spricht der Wetterbericht was von Hochnebel. Das Lautertal im Schwäbischen Wald sonnenüberflutet. Ein Traum von Oktobertag. Es hätte anders kommen können. Womöglich schlimmer. »Dem Lautertal-Bikemarathon eilt eher der Ruf eines Schlammrennens voraus«, meint Siggi. Womit wir beim Rennen sind.
Dass ich überhaupt rechtzeitig (sogar 10 Minuten zu früh) an der Startlinie stehe war Wettkampf eins. 10 nach 10 der Start. Fünf-Vor-Dreiviertelneun (für Nichtschwaben 08:40 Uhr) überlege ich – gerade dem Bett entstiegen (wegen swim-frodo-run) – Frühstück oder nicht. Zuhause wohlgemerkt. Ein weiterer hektischer Tag in Seiters-Leben scheint seinen Anfang zu nehmen. Frühstück. Gemütlich ist anders.
Rein in der Fahrradkluft. Dass am Vorabend nichts hingerichtet versteht sich von selbst. Ärgert mich immer ungemein. Alles gefunden. Einzig der linke Handschuh fehlt. Mist. Mangels Alternative (Zeitmangel) Entscheidung für die wärmere Windstopper-Variante. Ist ja Hochnebel angesagt… OK. Natürlich wusste ich im Vorfeld nicht wie das Wetter wird. Blick aus dem Fenster. Sonne. Alles gut.
Dann lief es wie am Schnürrle, wie man so sagt. Hinfahrt super (21 km über Berg und Tal). Die Sonntagsfahrer waren noch frühstücken. Die wenigen Ampeln auf grün. Parkplatz ohne Not. Startunterlagen ohne Anstehen. Als einer der Letzten war verständlicherweise das Trikot-Geschenk in meiner vorbestellten Grösse M aus. Bei der Online-Anmeldung gab es die Option kein Shirt nicht. Hätte sie gewählt. »Wollen Sie ein XL«? »Nein. Vielen Dank«. »Wirklich«? »Ja«. Bin eh nicht scharf auf die Teile. Für viele ein existentielles Gimmick. Der Pokal des kleinen Mannes. Für mich halt nicht. Passt und gut so.
Blick auf die Uhr. Wow. Schnell noch nen Kaffee aus der Kanne. Erstaunlicherweise 10 Minuten Restzeit vor dem Start. Gemütlich fahre ich mein SALSA zum Start. Getreu dem Motto: Wenn du schon nicht mit den schnellen Jungs mithalten kannst, dann falle wenigstens auf. »Bevor wir fall’n, fall’n wir lieber auf«, singen die Fantas. Das ist mir gelungen. Drei fröhliche Hallos mit lieben Menschen. Dann folgen 1:48 irgendwas. Bin nicht in der Ergebnisliste – deshalb irgendwas. Why ever. Nicht entscheidend. Die Zeit nicht berauschend. Berauschend einzig das Biken. War das (mit langem a) schön (langes ö). Irgendwo stöhnte (extrem kurzes ö) einer im schönsten (normal ö) schwäbisch »Goats hier amol au nonder«? Es ging. Und wie. Mit freundlichen Grüssen.

wetterlich

Posted on 30. April 2015

Solche Tage hast du selten. Selten erlebt. Jedenfalls wenn ich meine Wetterbeobachtungen Revue passieren lasse. Jetzt also über das Wetter schreiben. Ungern. Machste eigentlich dann wenn dir sonst nichts einfällt. Wie beim Small-Talk. Den ich meide. Wo’s geht. Und beobachten tue ich das Wetter schon gar nicht. Ich nehme an. Weil es ist wie es ist. Kurz morgen aufs App wegen der Kleiderwahl. Kurz. Lang. Ärmellos oder winddicht. Gore so gut wie nie.
Das Wetter. Die eine findet es gut. Der andere beschissen. Die Hobbygärtner wünschen Regen. Andere Menschen bevorzugen die Sonne. Die Regenwürmer nass. Die Sonnenanbeter nicht. Das alles in kleinster Nähe zueinander. Ideal für Menschen wie heute erlebt-genossen-beobachtet-gestaunt ganz oben in Benseriel.
Alles was es an Wetter gibt war heute.
Sonne. Windstill. Bewölkt. Leicht und wolkenlos und stark. Wie der Regen. Schwach und heftig. Starkwind mit Sturmböen. Hagelschauer. Gewitter. Kein Schnee.
Der Wetterbericht meldet: Heute werden in Bensersiel Höchsttemperaturen von 12° (gefühlt: 9°) und mäßiger Wind (26 km/h) aus Südsüdwest mit starken Böen (41 km/h) erwartet. Es kommt zu Niederschlagsmengen von 4 – 8 l/m², die Niederschlagswahrscheinlichkeit beträgt 88%, die Luftfeuchtigkeit 67%.
Faszinierend am Strand entlang zu laufen. Den Blick nach allen Seiten richten. Innerhalb Sekunden die Himmelsrichtungen wechseln. Jede anders. Dabei den Wind um die Ohren pfeifen lassen. Kalte Hände. Hin und her. Beeindruckend: Die Menschen hier kümmerts nicht. Sind trotzdem draußen als ob nichts wär. Vielleicht weil sie wissen dass es eh gleich wieder anders kommt. Ist das die nordische Gelassenheit? Jetzt ist es dunkel. Stockdunkel. Trotz Vollmond. Und Sternenhimmel. Auch klar. Und Ruhe. Gott sei Dank.

Niklas

Posted on 31. März 2015

Nicht Wiebke. Wie 1990. Niklas sorgt heute für Wirbel. Vor lauter Meetings nichts wahrgenommen. Passiert was draußen vor der Tür? Und wenn… Der früh am Morgen vorzeitig in Köln endende ICE – maximal Schulterzucken. Köln war mein Ziel. S11 mit Verspätung nach Bergisch Gladbach. Angekommen. Taxi statt Bus. Die nächsten Stunden offline. Meetings. Und so weiter. Schnell zur Bushaltestelle. Heiligenstock. Nahverkehr eingestellt. Na prima. Kollege Koso – Kölner – auf dem Weg nach Hause abgepasst. Lift nach Köln-Deutz. Ohne Grund. Statt Hauptbahnhof. Ein völlig entspannter Bahn-Beamter umgeben von zwei Security-Leuten (die bei der Bahn Aufsicht heißen und nicht von Nöten waren): »Stuttgart? Beeilen sie sich. Gleis 11. Fünf Minuten Abfahrt ICE bis Frankfurt. Dann sind Sie wenigstens dort. Wer weiß was kommt.« Wie wahr. Wer…

Heute Schwei

Posted on 13. März 2015

1503_schwei
Ein ganz mieses Foto. Unfertig. Situation schamlos ausgenutzt. Tagesmenü: Schwei.
Schwei? Schweizer Wurstsalat? Schweineschnitzel oder Braten? Egal. Kurze Zeit später ist alles anders. Sauber. So wie es Menschen gewohnt sind. Weggewischt. Neu beschriftet oder vollendet. Und mir wird wieder bewusst, dass vieles erst entstehen muss. Nichts ist von Anfang an fertig. Vieles kann sich entwickeln. Besser muss. Gut wenn überhaupt. Schlecht wenn nicht. Schon am Morgen dieses Tages ist mir folgendes zugeflogen.

Wenn der Baum geboren wird, ist er nicht sofort groß.

Wenn er groß ist, blüht er nicht sofort.

Wenn er blüht, bringt er nicht sofort Früchte hervor.

Wenn er Früchte hervorbringt, sind sie nicht sofort reif.

Wenn sie reif sind, werden sie nicht sofort gegessen.

Aegidius von Assisi (1186-1231)

Wie wahr.