Beiträge aus der Kategorie “QuerBeet

Das Ende der Arroganz

Veröffentlicht in 27. Januar 2016

Die letzten Wochen/Monate sind unreal. Es ist verdammt schwierig zu begreifen was wirklich passiert und ist. Welche Folgen auf uns zukommen können? Ich höre Ängste und Bedenken. Unsicher. Und die Christlich Soziale Union meint klagen zu müssen. Kopfschütteln. Privat ist es nicht damit getan sich von andersdenkenden Facebook-Freunden zu trennen (einen habe ich entfernt). Wissen ist Macht ist im Deutschen ein geflügeltes Wort, das auf den englischen Philosophen Francis Bacon (1561–1626) zurückgeht. Bacon legte in seinen Werken einen Grundstein der Philosophie im Zeitalter der Aufklärung. Sein Bestreben, den Menschen »in einen höheren Stand seines Daseins« zu bringen. Denn Wissen selbst ist Macht. Den Gedanken führte Bacon weiter aus. Wissen und Macht des Menschen fallen zusammen, weil Unkenntnis der Ursache [auch] über deren Wirkung täuscht. Und…

Naive Träume

Veröffentlicht in 18. November 2015

Es ist ein verlockender Gedanke: Terrornester irgendwo da draußen auszuräuchern, dem islamistischen Spuk mit Militärschlägen ein Ende zu bereiten. Ein Endkampf, der die Brut ausrottet, die immer wieder morden lässt. Ein Gedanke, so verlockend, weil er Stärke für sich in Anspruch nimmt und Heldentum und internationale Waffenbrüderschaft im Kampf gegen den einen, den gemeinsamen Feind. So beruhigend, weil er unsere niedersten Bedürfnisse von Rache und Vergeltung befriedigt und so bequem, weil er jeden weiteren Gedanken überflüssig macht. Die alttestamentliche Sehnsucht nach Ausrottung aller Gottlosigkeit, sie lässt uns auch in diesen Tagen nicht los, sie kleidet sich nur neu in Worte von »gezielten Militärschlägen« und »europäischer Solidarität«. Aber es ist und bleibt ein Wunschgedanke, ein naiver Traum vom Endsieg über den Terror. Ein gefährlicher Traum…

Frank McCourt

Veröffentlicht in 9. Oktober 2015

Eine High School in New York. Im Klassenzimmer geht es drunter und drüber – wie immer am ersten Schultag. Frank McCourt, der frisch gebackene Lehrer, betritt zum ersten Mal sein Klassenzimmer. Pete brüllt gerade: »Wer will mein Pausenbrot?« Andy lässt einen dummen Spruch ab und als Quittung fliegt ihm das Pausenbrot um die Ohren. Und irgendwie landet es direkt vor den Füßen des neuen Lehrers. Plötzlich wird es still in der Klasse. Frank McCourt weiß: jetzt entscheidet es sich, ob ich als Lehrer anerkannt werde oder nicht. Er sagt nichts, sondern folgt einer inneren Eingebung. Er bückt sich, hebt das Pausenbrot auf, wickelt es sorgfältig aus und beißt hinein. Er isst es vor den Augen der Klasse auf, und er genießt jeden Bissen. Frank…

Die Stunde der Zivilgesellschaft

Veröffentlicht in 30. September 2015

Man muss den Flüchtlingen eine langfristige Perspektive in Deutschland bieten, findet Florian Goldberg. Denn die Vergangenheit habe gezeigt, dass Menschen, die in ständiger Unsicherheit leben, nie richtig ankommen. Das werde zwar nicht leicht, aber: »Es gibt immer etwas zu lösen«. Seien wir mal ehrlich: Die meisten von uns nach 1945 geborenen Deutschen sind in einer Welt aufgewachsen, in der es nie so richtig um etwas ging. Klar, wir hatten alle unsere Steckenpferde: Vergangenheitsbewältigung, Anti-Atomkraft, Anti-Kommunismus, Öko-Bewegung, Friedensbewegung, New Age… Wir sind die diversen Karriereleitern rauf und runter geklettert. Wir haben diskutiert, konkurriert, demonstriert, meditiert. Aber alles in allem haben wir uns den Bauch vollgehauen und unsere jeweiligen Neurosen gepflegt. Keiner von uns, zumindest wenn er aus dem Westen des Landes kommt, hat jemals am…

Die Simplizität der Umgebung

Veröffentlicht in 24. September 2015

Die morgendliche S-Bahn-Fahrt nutze ich gerne um schnell ein paar Gedanken zu Papier zu bringen. Pscht. Ist ein Geheimnis. Man sagt das-Papier-zu bringen immer noch. Obwohl zwei Daumen über die Tastatur des Tablets fliegen. Diese ist auf ruhig eingestellt. Bloß keine Geräusche. Nur nicht auffallen. Wie im Theater oder in der Bibliothek. In aller Regel ist während der Fahrt Totenstille. Maximal leises murmeln, rascheln der Zeitung (wird weniger) und Schläfrigkeit. Auch zu Mittagszeit. Selten aufgedreht. Außer Schüler in jungen Jahren. Weshalb erfahrene S-Bahn-Fahrer diese Verbindungen gerne meiden. Und am frühen Abend lärmende Senioren. Die ihren Wanderausflug in einer Besenwirtschaft enden lassen und diese Ausgelassenheit mit in das öffentliche Verkehrsmittel bringen. Für mich ist das die CDU-on-Tour. Weil es vermutlich stimmt. Weil ich mich doch über…

über die Freundschaft

Veröffentlicht in 26. August 2015

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Ob ich was über Freundschaft schreiben könnte. Wurde ich unlängst gefragt. Kurz prägnant. Leider gehöre ich der Gattung Mensch die immer »ja« sagt. Obgleich ich kein Ja-Sager bin. Was kein Widerspruch ist. Später denke ich – jetzt hast du den Salat. Musst du liefern. Gar nicht so einfach. Denn die klassische Beschreibung mit den typischen Schlagworten ist ungefähr so unterhaltsam, so erfrischend und so überraschend, wie wenn sich an einem Bahnübergang die Schranke öffnet.

Hier mein Versuch:

Ursprünglich wollten wir uns miteinander messen. Jungs. Fussball. Tore. 11 gegen 11. Doch es fehlten. Spontan – wie vielleicht nur ballverliebte Jungs sein können – spielten wir mit statt gegeneinander.
35 Jahre später.
Jeden Mittwochabend steht die Zeit still. Dem Ball jagen wir seit Jahren nicht mit hinterher. Außer Zweien. Stattdessen über dies und jenes schwätzen und streiten. Lachen und weinen. Und Bier trinken. Einfach zusammen eine gute Zeit haben. In all den Zeiten die wir gemeinsam erlebt haben. Es wurde geheiratet. Geschieden. Gestorben und Geboren. Gekündigt. Erkrankt und Geheilt. Getragen und Gefeiert. Leben eben. Mittwochs sind wir die Jungs die Blödsinn aushecken. Die die viel beschriebenen Pferde stehlen.
Menschen nennen dies auch Freundschaft. Ein Glücksfall einer von den Jungs zu sein.

Heute ist Mittwoch.

Dagegen halten

Veröffentlicht in 5. August 2015

Klartext im tagesthemen/ Kommentar von Anja Reschke: »Wenn ich mich jetzt hier hinstelle und öffentlich sage: Ich finde, Deutschland soll auch Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen – was glauben Sie, was dann passiert? Es ist nur eine Meinung, die darf man äußern. Schön wäre also, wenn darüber sachlich diskutiert würde. Aber so würde es nicht laufen. Ich bekäme eine Flut von Hasskommentaren. ‚Scheiß Kanacken, wie viel wollen wir noch aufnehmen, sollen abhauen, soll man anzünden …‘, all sowas halt. Wie üblich. Bis vor kurzem haben sich solche Kommentatoren noch hinter Pseudonymen versteckt. Aber mittlerweile wird sowas längst unter Klarnamen veröffentlicht. Anscheinend ist das nicht mal mehr peinlich. Im Gegenteil, auf Sätze wie ‚Dreckspack, soll im Meer ersaufen‘ bekommen sie ja auch noch begeisterten Zuspruch und eine Menge…

Neon

Veröffentlicht in 21. Juli 2015

Neon war mal laut und grell, stand für Provokation, Gefahr und Techno: Aber spätestens seitdem die Büro-Radler neonfarbene Warnwesten tragen, ist das alte Neon verstummt. Neon schrie. Neon schrillte. Neon schmerzte. Gelb, Grün, Blau, Orange, Pink – immer grell, immer laut. Neon war das Andere, das Künstliche. Ein Kind des frühen 20. Jahrhunderts, ein Rabauke, ein Krachmacher, der zunächst Freunde in der Werbebranche fand. Bier, Bars, Zigaretten, Neon machte alles mit, liebte verruchte Schaufenster, war das Ecstasy New Yorks, lange bevor es Ecstasy gab. Hielt den Times Square wach, hielt New York wach, erweckte mit optischer Dauerbeschallung die Illusion der niemals schlafenden Stadt. Doch Neon war nie nur in der Mad-Men-Welt zu Hause. Neon ging auch dahin, wo es dreckig war, wo es wehtat,…

Lebensgefahr.

Veröffentlicht in 28. Mai 2015

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Keine Menschen. Kein Rad. Gar nichts. Natürlich der Reiz dieses Schild einfach mal zu übersehen. Neugierde. Was versteckt sich dahinter? Verbotene Wege oder nur Angstmache. Tatsache oder die Bremse und der Nothalt für die Schisser und das schlechte Gewissen. Was darf man. Was nicht. Mich hält niemand auf. Wie weit bestimme ich immer noch selbst. Verlockend.
Natürlich habe ich das Verkehrszeichen respektiert. Keinen Schritt weiter. Keine Grenzen überschritten. Ist manchmal auch gut so. Obwohl.

Leben ist immer Gefahr.

Ich weiß nicht, ob Sie einmal den Druck von den Lebensaltern gesehen haben; früher hing er in den Wohnstuben, über dem Kanapee. Da steigt der Mensch links bergauf, bis zur Mitte des Lebens, und dann kommt unweigerlich der Abstieg. »Von der Wiege bis zur Bahre« könnte der Titel dieses Druckes gewesen sein. In früheren Zeiten wurde, nachdem die Höhe erklommen war, es bergab ging, nur noch das Grab gesehen. Heute, da wir im Durchschnitt älter werden als jede vorangegangene Generation, wollen wir nicht mehr wahrhaben, dass wir sterblich sind. Aber wenn wir den Tod ausblenden, nehmen wir das Leben für selbstverständlich. Die Hoffnung ist die Leidenschaft für das darüber hinaus im Leben noch Mögliche. Es gibt etwas in uns Menschen, das uns Flügel wachsen lässt, uns treibt, neugierig über uns hinauszuschauen und zu fühlen. Sehnsucht nennen wir dieses Urgefühl, das oft unvernünftig und doch so lebenswichtig und mächtig ist.

Text: Elke Tegtmeyer

muttimerkel

Veröffentlicht in 6. Mai 2015

hochauflösende Version

Apropos Merkel. Der israelische Künstler Amit Shimoni hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle aktuellen und ehemaligen Staatsführer in hochmoderne Hipster zu verwandeln. Seine bunten Illustrationen zeigen bekannte Gesichter wie Angela Merkel, Che Guevara und Nelson Mandela, mit Nasenringen, Tätowierungen und Mützen. Voll fetzig.

Der ehemalige Student der Bezalel Academy in Jerusalem nennt seine Bilderserie »Hipstory« und verkauft sie nicht nur als Posterdrucke, sondern auch gleich als Kissen, Smartphonehüllen und Postkarten. Wenn ihr also demnächst eine coolere Variante unserer Landesmutti bei euch an die Wand hängen wollt, könnt ihr hier zuschlagen.

Quelle: AMYPINK

Weekend

Veröffentlicht in 23. März 2015

Montagmorgen. Wie war’s. War was?, denke ich. Sage schön. Der Tatort auch. Und Heimsieg. Damit ist es in aller Regel abgehandelt. Wobei ich nicht zur Verschwiegenheit mute.

Der Begriff Weekend (=Wochenende) taucht im frühen 20. Jahrhundert als direkte Übersetzung des englischen weekend auf. Gebräuchlich wird dieser Begriff in England seit Einführung des freien Samstagnachmittags in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, politisch durchgesetzt von Lord Shaftesbury. In der Londoner Times taucht der Begriff erstmals 1830 in einer Kleinanzeige und dann verstärkt ab 1833 auf. Weekend wird von vielen Sprachen als Fremdwort oder als Lehnwort übernommen.

Die als fortschrittlich geltende Fachzeitschrift für Autofahrer Der Herrenfahrer betitelte in ihrer ersten Ausgabe 1924 einen Reisebericht mit »Weekend um Berlin«:

Weekend – bleiben wir bei dem englischen Wort: der Engländer hat es, der Deutsche muß es erst lernen – bedeutet lebendiges Ausruhen. Erholung nicht durch Untätigkeit, die ein negatives Vorzeichen hat und für den, der das Leben bejaht, der Langeweile gleichzusetzen ist, sondern durch Ausübung einer anderen Tätigkeit, als die Werktage verlangen. Werktagsarbeit ist gebundene Tätigkeit zur Erzielung wirtschaftlichen Nutzens, Weekendruhe ist freie Tätigkeit, die von jedem wirtschaftlichen Nutzeffekt bewußt absieht, und auf die Erfüllung der Muße mit reinen Lebenswerten gerichtet ist. Wundervollstes Instrument zur Weekendfreude ist das Automobil. Es bedeutet das sanfte, reibungsfreie Sichloslösen von der Wochenpflicht.

Aha. Welch Wortwahl und Wortkunst. Für meinen Teil: Alles drin. Berlin. Fahrradschau. Nicht un, sondern tätig. RadRace – erste Rennen 2015. Freunde. 1618 Automobil-Kilometer. Ungewöhnlich reibungslos gelaufen, -fahren. Das Automobil für viele Menschen 90 Jahre später Mittel zum Zweck. Kein wundervollstes Instrument zur Bespaßung. Zeiten ändern sich. Das ist gut so, sagt der Berliner.

Nur (?j einer befindet sich seit drei Stunden im Panda-Modus. Wie war dein Wochenende Jan?

TextQuelle: Wikipedia | BildQuelle: RadRace GmbH