Beiträge aus der Kategorie “Gedankenstein

55 Minuten – Und so geht…

Veröffentlicht in 29. März 2013

Wir übertragen nun einen evangelisch-freikirchlichen Gottesdienst…
Kirchenglocken. Wohl ein Symbol für der Gottesdienst möge beginnen. Ein Symbol auf das die Baumeister der Erlöserkirche in Marbach verzichtet haben. Lieber das Kreuz, das über das Neckartal des Nächtens leuchtet. Radio. SWR4. Braucht man das wirklich? Bin skeptisch.
Ich sitze am Strand. Sonnenschein – aber kühl. Blick aufs Wasser. Gemütlich gemacht. Dick eingepackt. Kopfhörer. Beeindruckend. Per App und Livestream direkt mit „meiner“ Kirchengemeinde verbunden. Schon was Besonderes. Für mich eine Premiere. Für unsere Gemeinde auch. Und dann: vertraute Stimmen. Mir bekannte Menschen. Ich sehe ihre Gesichter. Bin mittendrin – und doch weit weg. Könnte heulen wie ein Schloßhund. Kein Heimweh. Nein Freude.
Karfreitag. Eigentlich kein Tag für Freude und Feiern. Würdelos. Kein Tag zum Besingen. Und doch anders. Angefangen bereits am Tag zuvor. Die Nachrichten um 10 Uhr haben es gemeldet. Kein Methodist – nein der Papst verändert die Richtung. Keine Kirche – nein ein Gefängnis ist Ort des traditionellen Gottesdienstes. Einmalig. Mit Fußwaschung an jugendlichen Straftätern und -innen! Nicht alle sind damit einverstanden. Wie an Karfreitag.
Unser Anfang und unser Ende. Lieder. Texte. Musik. Fragen – keine Antworten. Gebete. Und das Kreuz. Vielleicht doch kein Geheimnis für die Welt. Gerade trotz der vielen Kreuze bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung… und die Erkenntnis des Hauptmanns. „Dieser Mann war wahrlich Gottes Sohn!“

55 Minuten am Radio. Wie für mich gemacht. Danke. Live aus Marbach hörten sie…. Und so geht und gebt etwas weiter.

Franz Alt über den neuen Papst

Veröffentlicht in 28. März 2013

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Franziskus war arm, Ökologe und Pazifist – und die Kirche?
Welch ein Anspruch! Erstmals wagt ein Papst sich Franziskus zu nennen. Franz von Assisi war konsequenter Ökologe, überzeugter Pazifist, echter Tierfreund und radikal arm. Dieser Anspruch ist heute geradezu revolutionär und steht in krassem Widerspruch zu Prunk und Protz der real existierenden Amtskirche. Die letzten Päpste hießen Benedikt, Johannes, Paul, Pius oder Leo. Aber noch nie hatte einer gewagt, sich Franziskus, also sich nach dem populärsten Heiligen, zu nennen. Der Anspruch war zu groß.

Ist der neue Papst verrückt oder nur verwegen, mutig oder einfach naiv?
In den ersten Tagen wird von allen Beobachtern seine Bescheidenheit gelobt. Das ist schon viel bei einem solchen Amt in dieser außenorientierten Zeit. Aber der Heilige aus Assisi war nicht nur bescheiden, er war geradezu revolutionär, sein Vorbild war Jesus in aller Konsequenz. Der Radikalität des Heiligen Franz ist geradezu zum Fürchten. Geht so was noch im 21. Jahrhundert?
Im frühen 13. Jahrhundert war Franziskus Gottes grüner Krieger. Er predigte den Vögeln, umarmte den Wolf, griff leidenschaftlich Papst und Kirche an, war der Heilige der Armut und pries in seinem unsterblichen Sonnengesang Sonne und Mond als unsere Geschwister.
Es steckt also ein gewaltiger und sehr moderner Anspruch im Namen des neuen Papstes, sozusagen ein ökosoziales Zukunftsprogramm. Franziskus tritt aber damit ein äußerst gefährliches Erbe an.
Die Vatikan-Bank ist in kriminelle Machenschaften verstrickt. Beim Thema Bewahrung der Schöpfung war die Stimme der Kirche kaum vernehmbar so wie tausend Jahre lang bei fast allen Kriegen. Kann also jetzt alles anders werden? Ökosozial und konsequent pazifistisch statt marktradikal und angepasst?
Franziskus war konsequenter Jesus-Nachfolger, Gottes-Menschen- und Tierfreund. Doch die Kirche hat aus Jesus das „liebe Jesulein“ und aus Franziskus den komischen Heiligen und verkitschten Tierliebhaber gemacht.
Tatsächlich ist Franziskus aber der Jahrtausendheilige
Und erstmals wagt ein Papst, sich nach ihm zu nennen, ihn als Vorbild zu preisen. Es wird sich zeigen, ob der neue Name nur ein populärer PR-Gag ist oder ein aufregendes, die Welt veränderndes Programm und Abenteuer.
Es ist zum Beispiel unvorstellbar, dass Franz von Assisi anderen Menschen vorgeschrieben hätte, wie sie sexuell orientiert zu sein haben. Aber genau das hat der Kardinal Jorge Mario Bergoglio bisher getan, wenn er die Homo-Ehe als „Teufelswerk“ bezeichnet hat.
Wer wie Franziskus Liebe predigt, darf die Homo-Liebe nicht diffamieren. Und wer von Gerechtigkeit spricht, darf Frauen nicht von Kirchenämtern ausschließen. Jesus wusste, warum er gesagt hat: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“
Auch Papst Franziskus wird an seinen Taten gemessen werden. Sein Pontifikat kann die Welt verändern.

Illustration: Miro Poferl

Nennt mich nicht Fremde

Veröffentlicht in 1. März 2013

„Nennt mich nicht Fremde: Ich brauche Kontakte, ganz besonders, wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Nennt mich nicht Fremde: Ich brauche das Gefühl ein Zuhause zu haben, ganz besonders, wenn mein eigenes so weit weg ist. Nennt mich nicht Fremde: Ich brauche eine Familie, denn meine habe ich verlassen, um für euch zu arbeiten. Nennt mich nicht Fremde: Wir leben auf derselben Erde, doch meine Heimat ist nicht ‚das verheißene Land‘. Nennt mich nicht Fremde: Meine Sprache klingt anders als eure, doch die Gefühle, die ich damit ausdrücke, sind dieselben. Nennt mich nicht Fremde: Es stimmt, ich bin eine Arbeitsmigrantin, aber unser Gott ist derselbe.“ Auszug aus der Klage einer Arbeitsmigrantin – QUELLE: Werkmappe Weltgebetstag Deutschland 2013

Mit leeren Händen

Veröffentlicht in 28. Februar 2013

Wir sind nicht mehr Papst! Hier ein Artikel zum „Nichtvergessen“ aus DER SPIEGEL im April 2010. Wie aktuell! Der zögerliche Umgang des Papstes mit den Sündenfällen seiner Priester weitet sich zur Kirchenkrise aus und schürt die Empörung über sein Pontifikat. Benedikt hat es sich mit Juden und Muslimen, mit vielen Katholiken und auch mit den Deutschen verdorben, die bei seiner Wahl so stolz auf ihn waren. Herr!“, so beginnt der Mann. Es ist Nacht, an den Ruinenmauern flackern die Schatten der Fackeln. „Oft erscheint uns deine Kirche wie ein sinkendes Boot, das schon voll Wasser gelaufen und ganz und gar leck ist.“ Das sind düstere Sätze. Besonders von einem Kirchenfürsten. Und er macht weiter, spricht vom Unkraut auf dem Acker des Herrn, vom Dreck, der…

Benedikt XVI: Die Letzte Botschaft

Veröffentlicht in 27. Februar 2013

  Mhhh. Den letzten Segen gab es am heutigen Mittwoch von Papst Benedikt XVI. Später schreibt er noch eine Botschaft an seine 1,6 Millionen Follower auf Twitter: „Mein Wunsch ist es, dass ein jeder von uns die Freude spürt, Christ zu sein und von Gott geliebt zu sein, der uns seinen Sohn geschenkt hat.“ Ein „frommer“ Wunsch und ein schöner Wunsch noch dazu. Respekt! Starker Abgang. Ciao Benedetto!    

Mehr Fasten

Veröffentlicht in 13. Februar 2013

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Mitnichten. Es beginnt die Fastenzeit. 7 Wochen anders leben. 7 Wochen ohne oder mit. Und: Fasten ist eine persönliche Entscheidung und nicht auf andere übertragbar. Umso besser, authentischer je weniger Aufhebens um das eigene Fasten gemacht wird. No Fasten-Showtime. Ich werde also kein T-Shirt tragen mit der Aufschrift „Achtung Faster“ oder  „In 7 Wochen bin ich wieder der Alte“ oder so ähnlich. Oft ist diese Zeit mit vielen Hoffnungen besetzt. Und das mögliche Scheitern vorprogrammiert. Der Druck fasten zu wollen, sprich: müssen. Dem will ich mich eigentlich nicht aussetzen. Die Fastenzeit als persönliche Leistung zu empfinden. Idee krass verfehlt. Ich muss. Ich will. Ich lasse irgendetwas weg. Ok. Ich esse 7 Wochen keine Schokolade – Einfach! Trinke 7 Wochen…

Nutze, pflücke den Tag

Veröffentlicht in 11. Januar 2013

“Ich feiere jeden Tag Geburtstag“ grinst er mich schelmisch wie ein kleiner Junge an. Sein zufriedenes Lächeln ist echt und lebendig. Wie überhaupt der ganze Mann vor Energie und Vitalität strotzt. Ich frage nach: „Wie, du feierst jeden Tag Geburtstag?“ Nur langsam verstehe ich was er meint. Er erklärt: „Hör mal, es ist nicht selbstverständlich in meinem Alter, dass ich noch lebe!“ Er ist 98 Jahre alt und ich weiß, die meisten seiner Freunde und die Familienmitglieder seiner Generation sind alle schon gestorben. “Ich feiere jeden Tag Geburtstag.“ Diese Haltung beeindruckt mich. Jeden neuen Tag wendet er sich bewusst dem Leben zu. Ich weiß, dass er Schmerzen hat, dass er in seinem Körper deutlich die Spuren des Alters spürt. Trotzdem ist er dankbar und…

Das allein genügt

Veröffentlicht in 24. Dezember 2012

24. Juni 2012 In einem halben Jahr ist die Heilige Nacht. Die Gnade (Gottes) kommt zu uns in dieser Nacht: deshalb heißt diese nunmehr Weihnacht. Davor Advent. Die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten – so der eigentliche Sinn. Fett eingetragen in meinem Kalender steht was in 26 Wochen auf mich zukommen wird. Ich will es ruhiger angehen als früher. Rausnehmen. Nichts auf den letzten Drücker – ich bekomme eh nicht alles vom Tisch. Ob es mir gelingen wird – ist nicht entscheidend. Ich kann nicht alles beeinflussen. Aber ich will vorbereitet sein – das allein genügt. 24. Juni 2013 In einem halben Jahr ist die Heilige Nacht.

Wenn ich wüsste, dass…

Veröffentlicht in 21. Dezember 2012

21. Dezember 2012. Heute geht nach dem Maya-Kalender die Welt unter. Eigentlich um es genau auszudrücken – es endet lediglich ein Zyklus ihres Kalenders. Irgendwie schon ein kleiner Unterschied. Was aber wenn die Welt tatsächlich untergehen würde. Martin Luther hat es mal so ausgedrückt: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Ich jedenfalls habe gestern keinen Apfelbaum gepflanzt. Irgendwie käme mir der Weltuntergang doch etwas ungelegen. Habe schließlich das eine oder andere noch vor. Naja die Mayas. Um es mit Polt zu sagen: Ist schon Recht. Aber bitte: Keine Überheblichkeit. Kein Grund sich über die Mayas lustig zu machen oder diesen Tag ins lächerliche zu ziehen. Bei den Zeugen Jehovas ist die Welt in der Vergangenheit schon…

Nikolaus

Veröffentlicht in 6. Dezember 2012

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Eigentlich könnte es uns egal sein, dass einst der Bischof einer hungernden Hafenstadt Kinder mit Essen versorgte.

Aber es ist die Erinnerung an Ängste und Träume, Schiffe und Sehnsucht, Beten und Wunder, die uns diese Geschichte gerade im Advent nächtens und liebevoll vor die Türe und die Schuhe schiebt.

Quelle: Der Andere Advent / Hinrich C.G.Westphal

Innehalten ist Luxus – Gedanken zum Buß- und Bettag

Veröffentlicht in 21. November 2012

Nie war er so wertvoll wie heute – der Buß- und Bettag. Einst ein arbeitsfreier evangelischer Feiertag. Dann kam er unter die Räder von wirtschaftlichen Interessen. Wurde als Tag des gesellschaftlichen Innehaltens und Besinnens geopfert, um die Arbeitgeberanteile der Pflegeversicherung gegenzufinanzieren. Was – so sagen Kritiker – gescheitert ist. So wurde dieser Mittwoch (immer elf Tage vor dem 1. Advent) ab 1995 ein Arbeitstag. Früher in meiner Kindheit schulfrei. Die ruhige Jahreszeit begann und meist wurde die Autorennbahn in Betrieb genommen. Herbstspaziergänge und Gottesdienstbesuch standen auf dem Programm. Abends meist ein Fußballländerspiel. Ein „Sonntag“ mitten in der Woche. Tempo rausnehmen aus dem umtriebigen Leben. Dieser Tag mit diesem etwas merkwürdigen Namen. Buß- und Bettag. Beten ist ja noch verständlich. Aber Buß?? Mit dem Namen…