Beiträge aus der Kategorie “Gedankenstein

Himmelweiter Unterschied – Gedanken zum Reformationstag

Veröffentlicht in 31. Oktober 2012

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ Martin Luther soll diesen Satz gesagt haben, als er seine Überzeugungen vor den Mächtigen seiner Zeit widerrufen sollte. Manchmal sind es einzelne Sätze, die eine ganze Geschichte erzählen. „I have a dream – Ich habe einen Traum“ von Martin Luther King zum Beispiel. Oder „Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand“ von Arno Pötzsch. Martin Luther hat, bevor er seine evangelische Auslegung der Bibel entdeckte, diese bittere Erfahrung machen müssen. „Wie kann ich Gott gerecht werden?“ – das war die Frage, die ihn umtrieb und die ihn zu manchen Selbstkasteiungen führten. Er betete, fastete, verrichtete die niedrigsten Arbeiten im Kloster, beichtete oft mehrere Male am Tag … aber eine Antwort auf…

Feindesliebe

Veröffentlicht in 28. Oktober 2012

Was Jeremia da von seinen Landsleuten erwartet, ist im Grunde genommen kaum zu vermitteln. Man stelle sich vor, er hätte einen solchen Brief an Gilad Shalit geschrieben, den israelischen Soldaten, der verschleppt und fünf Jahre lang in Palästina gefangen gehalten worden ist. Vor ein paar Monaten wurde er frei gelassen, im Gegenzug kamen über 1000 Palästinenser frei. Gerade hat Shalit sein erstes öffentliches Interview über die Zeit seiner Gefangennahme gegeben. Und natürlich ist diese Gefangenschaft nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Aber wie wäre es ihm ergangen, hätte er Jeremias Zeilen lesen müssen? Schließlich fordert der Prophet nichts anderes, als sich mit der Deportation und der Gefangenschaft abzufinden. Ja mehr noch: Er verlangt von den Verschleppten, für ihre Peiniger zu beten! Jenen, die ihnen…

Zu der Frage, ob es einen Gott gäbe

Veröffentlicht in 9. Oktober 2012

Menschen fragen nach Gott. Manchmal fragen sie, wenn sie mit eigenem Leid oder dem Leid anderer Menschen nicht mehr zurechtkommen. Seltener fragen sie auch nach ihm, wenn ihnen das Glück in ihrem Leben so unerklärlich erscheint. Gelegentlich drängt sich die Frage auf, worin der Sinn all unseres Lebens mit seinem Auf und Ab liegt; ob das alles nur ein begrenztes Spiel auf der Bühne des Lebens ist, ein kurzfristiges Aufflammen, das sich mit dem Tod wieder im undurchdringlichen Dunkel verliert – oder ob nicht vielleicht doch in diesem dunklen Geheimnis unserer Zukunft eine Antwort verborgen ist, die uns hoffen lässt, auch wenn wir sie nicht kennen. Gibt es für unser Handeln etwa Verbindliches? Der sogenannte „gesunde Menschenverstand“ kann nicht begründen, warum es besser sein…

Respekt? Wovor denn?

Veröffentlicht in 21. September 2012

Es wirkt wie ein bedingter Reflex: Kaum gehen religiöse Fanatiker auf die Barrikaden, sind westliche Politiker und Journalisten zur Stelle, um Respekt für religiöse Gefühle einzufordern. So war es vor sechs Jahren im Zuge des Karikaturenstreits, so ist es heute bei den Protesten gegen das trashige YouTube-Filmchen Die Unschuld der Muslime. Im ersten Moment mag die Forderung sogar vernünftig erscheinen: Denn wäre es nicht schön, wenn wir alle etwas respektvoller miteinander umgehen würden? Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese so freundlich wirkende Haltung diametral gegen die Streitkultur der Aufklärung verstößt, auf der der moderne Rechtsstaat gründet. „Mehr Respekt bitte!“ ist ein Totschlagargument, das jede vernünftige Debatte zum Erliegen bringt. „Respekt“ (von lateinisch „respectus“: Zurückschauen, Rücksicht) bezeichnet eine Form der Achtung und Ehrerbietung…

Wunderbares Norwegen

Veröffentlicht in 24. August 2012

Wir werden mit Dir fertig. Wir wissen, wie Du tickst und was Dich zu Deinen Taten getrieben hat. Wir sind stark genug, auch wenn es schwerfällt, Dir ins Auge zu schauen und Dir zu sagen, dass Du ein erbärmlicher Verbrecher bist. Deine Anmaßung beeindruckt uns nicht. Wir lassen uns von Dir nicht verrückt machen. Deine Taten sind monströs, aber Du bist kein Monster. Und wir müssen Dich nicht zu einem Freak erklären, um mit Dir leben zu können. Die Auseinandersetzung mit dem Ungeist, für den Du stehst, wird eine politische sein, keine psychiatrische. Die Botschaft der Richterin Arntzen

Augenhöhe

Veröffentlicht in 21. Juni 2012

Manches passt einfach nicht zusammen: zwei Löffel Salz im Kaffee zum Beispiel … oder eine karierte Krawatte über einem gestreiften Hemd … oder Uli Hoeneß als Präsident auf Schalke … undenkbar. Es gibt Dinge, die gehen gar nicht, obwohl es theoretisch durchaus im Bereich des Möglichen wäre. Warum? Nun, das eine schmeckt einfach nicht, das andere sieht grauenhaft aus und das dritte ist ein sportliches Tabu. Denkt man darüber nach, sträuben sich die Nackenhaare, alles sagt einem, das ist nicht richtig, es ist falsch. So ist es auch mit der Finsternis und dem Licht: Entweder es ist hell oder es ist dunkel. Der Autor des 1. Johannesbriefes verknüpft nun diese Erkenntnis mit dem Leben eines/einer ChristIn. Sich zu Gott zu bekennen, aber nicht in…

Brot & Wein

Veröffentlicht in 6. April 2012

Ein Schluck Wein, ein Stück Brot … Mehr ist nicht nötig, um dem Evangelium nachzuspüren. Und nur zwei Verse braucht Paulus, um zu erklären, was Kirche ist. Das wirklich Wichtige erschließt sich nicht selten im Schlichten, Einfachen … Oft machen wir es zu kompliziert. Wir stellen Regeln auf, machen Gesetze, schreiben dicke Bücher, philosophieren über Gott und die Welt … Dabei liegt die ganze Wahrheit in einem Schluck Wein und einem Stück Brot. Wein und Brot – Elemente des Lebens, die wir miteinander teilen. Und genau darin liegt das Geheimnis: im Teilen. Denn das ist mehr als ein Weiterreichen von Lebensmitteln, obwohl auch das schon viel bedeutete, würden wir es nicht nur im Gottesdienst tun. Jeder Schluck und jeder Bissen verbindet uns mit dem…