Beiträge aus der Kategorie “Gedankenstein

Mit Gewalt gegen Gewalt? #2

Veröffentlicht in 20. September 2014

Einwand 1: Ist (christlicher) Pazifismus nicht weltfremd und naiv? Wenn in diesen Tagen der (christliche) Pazifismus als naiv bezeichnet wird, ist dies kein neuer, sondern ein bekannter und stets wiederkehrender Vorwurf. Quer durch die Geschichte wurden Menschen und Bewegungen, die sich der gängigen Logik von Gewalt und Gegenwalt widersetzt haben, belächelt. Die Mächtigen hielten sie jedoch oft für weit mehr als harmlose Spinner. Sie ahnten, was auf dem Spiel steht und fragten bange: »Was geschieht, wenn sie noch mehr Menschen zur Gewaltfreiheit verführen?« Die Antwort gaben sie häufig gleich selbst in Form von Verfolgung und Todesstrafe. Nicht zuletzt die Täufer können davon mehr als ein Lied singen. Die Frage »Was würde geschehen?« musste dadurch meist unbeantwortet bleiben. Schade, denn im Rückblick ist doch so manche…

Mit Gewalt gegen Gewalt? #1

Veröffentlicht in 19. September 2014

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Es herrscht Krieg. Niemals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs traf das mehr zu als heute. Sprachlosigkeit. Irgendwie Unwissen welcher Weg der Beste ist. Gibt es überhaupt einen Weg.

»Eine neue Kultur des Krieges ist auf dem Vormarsch«, schreibt der SPIEGEL. »Auch Deutschland soll die Bomben wieder lieben lernen. Politiker und Medien wollen den Deutschen ihren Pazifismus abgewöhnen.« Wer Gewaltlosigkeit predigt wie Margot Käßmann wird zur lächerlichen Figur gemacht. Wir müssen dem Einhalt gebieten. Die Zyniker, die nur noch den Krieg denken können, nicht mehr den Frieden, haben den Kampf um unsere Köpfe begonnen. In der ARD sagte Cem Özdemir, die kurdischen Peschmerga-Kämpfer hätten bereits Tausenden von Jesiden das Leben gerettet: »Das haben sie nicht mit der Yogamatte unterm Arm gemacht, sondern mit Waffen.« Über wen macht sich der Chef der Grünen da lustig? Offenbar über alle Menschen, denen beim Thema Konfliktlösung nicht zuerst der Griff zum M16 einfällt.
»Wenn du den Frieden willst, bereite den Frieden vor« heißt es an einer anderen Stelle als Alternative zum römische Altspruch »Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor«.
Mit Luftangriffen und Waffenlieferungen reagieren westliche Staaten derzeit auf den Terror der IS-Milizen im Irak und in Syrien. Eine Reaktion, die angesichts der geschilderten Gräueltaten vielerorts Zustimmung findet. Zunehmend auch in den Kirchen. Protestierten diese 2003 noch weitgehend einmütig gegen die amerikanische Invasion im Irak, mehren sich jene Stimmen, die in den militärischen Interventionen eine dem christlichen Glauben angemessene Form von Verantwortungsübernahme sehen.
Das Theologisches Seminar Bienenberg in der Schweiz steht in einer friedenskirchlichen Tradition, die ihr pazifistisches Engagement aus dem Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi ableitet. Eine Position, die aufgrund der schrecklichen und bedrohlichen Ereignisse einmal mehr grundsätzlich in Frage gestellt ist.
Hier Stellungnahme aus friedenskirchlicher Optik
»Zuallererst sind auch wir – soweit man das in der wohlbehüteten Schweiz überhaupt sein kann – tief erschüttert, wenn wir hören, wie Christen und andere Minderheiten verfolgt und hingerichtet werden. Auch wir verspüren Ohnmacht, Wut und den Wunsch, dass diesem brutalen Vorgehen schnell ein Ende bereitet wird. Trotzdem glauben wir, dass pazifistische Überzeugungen in dieser Situation nicht hinfällig geworden sind. Gerade als Christen sehen wir uns jetzt herausgefordert, vom Evangelium her einen gewaltfreien Umgang mit den Feinden zu suchen. Mit unseren Überlegungen richten wir uns daher vor allem an jene, die Jesus Christus als »Friedefürst« bekennen und ihm nachfolgen. Seine Aufforderung zur Feindesliebe, hören wir als Ruf an die Kirche, in dieser Welt das kommende Reich Gottes zu bezeugen. Mit diesen Zeilen teilen wir einige unfertige Gedanken zu Geschehnissen, die uns zuweilen die Sprache rauben. Sich dennoch zu äussern, beinhaltet daher das Risiko, plump und zynisch zu klingen. Wir sind uns denn auch sehr wohl bewusst, dass wir nicht auf alles eine befriedigende Antwort haben. Wir möchten aber unser Ringen mit drängenden Fragen teilen, die derartige Gewaltausbrüche immer wieder stellen. Dabei wissen wir, dass sich manches einfach sagen lässt, solange man sich in sicherer Distanz zu gewalttätigen Auseinandersetzungen befindet. Auch sind wir Teil einer Gesellschaft, die sich im Bereich der Prävention zu lange zu passiv verhalten hat und längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Von der aufsteigenden Hilflosigkeit und Resignation wollen wir uns jedoch nicht lähmen lassen, sondern uns demütig und mit Hilfe von Gottes Geist weiterhin mit unseren Mitteln und Möglichkeiten an der »Jagd nach dem Frieden« (Die Bibel: Hebrärer 12,14) beteiligen. Dies tun wir in Verbundenheit und Solidarität mit den Opfern dieses menschenverachtenden Treibens. Gott – erbarme dich!«

Quelle: Mit Gewalt gegen Gewalt? Eine Stellungnahme aus friedenskirchlicher Optik | Kollegium des Theologisches Seminar Bienenberg

Mein täglich Brot.

Veröffentlicht in 10. September 2014

Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. (Matthäus 6, 11) Mein täglich Brot. Was verbinden wir nicht alles mit dieser heutigen Brotbitte: Den Alltagstrott, das harte Brot, die liebe Not, die Lust, die Freuden, den Frust, die Leiden! Mein täglich Brot. Was meinen wir nicht alles mit dieser täglichen Brotbitte: Das Teilen, das Danken, das Heilen, das Zanken, das Singen, das Fragen, das Ringen, das Klagen! Mein täglich Brot. Was erhoffen wir nicht alles in dieser so nötigen Brotbitte: Das Geschick, das Wagen, das Glück, das Tragen, das Gelingen, das Erfassen, das Vollbringen, das Loslassen! Mein täglich Brot. Quelle: Weisheitsletter l Paul Weismantel

Sage NEIN!

Veröffentlicht in 16. August 2014

Konstantin Wecker schreibt. Und dem ist nichts hinzuzufügen. Wenigstens für den Augenblick.: »mir imponieren nur die Ratschläge, die der Ratgebende selbst beherzigt«, schrieb Rosa Luxemburg, und ich frage mich, wie viele der kriegsbereiten Kommentatoren ihre Ratschläge wohl selbst in die Tat umsetzen würden. Ist es nicht viel einfacher kriegerische Handlungen zu fordern, wenn man sie anderen überlässt? Gut bezahlten Söldnern, entmenschlichten Militaristen? Wer möchte sich schon ins Gemetzel stürzen, wer von all den gewaltbegeisterten virtuellen Kriegern? Wer möchte seinen Kopf hinhalten? Wäre es nicht besser ihn zu gebrauchen? Gibt es wirklich keine Alternativen zum weiter und wieder und wieder bewaffnen, oder sind wir einfach zu faul, zu müde, zu gehirngewaschen um neu zu denken? Friedvoll zu denken? Helfen ohne auch zu morden? Zieht selbst,…

Geschichten brauchen Gegengeschichten

Veröffentlicht in 8. August 2014

»Es war ein Jammer, die Leute anzusehen, die mit ihrer allernötigsten Habseligkeit über den Rhein zogen, ihr ganzes Heim im Stich lassend aus Furcht, dass ihre Häuser zusammengeschossen werden. Frauen und Kinder mit weinenden Gesichtern. Ein alter Mann mit wenigen Habseligkeiten auf einem Schubkarren.« Diese Sätze stehen im Kriegs-Tagebuch meines Großvaters. Aufgeschrieben auf den Tag genau heute vor 100 Jahren. Der 1. Weltkrieg war gerade eine Woche im Gang. Noch sind die Soldaten voller Begeisterung, wie mein Großvater tags darauf im Tagebuch festhält. 17 Millionen Menschen bezahlen diese Begeisterung am Ende mit ihrem Leben. Dieser Kriegsbeginn vor 100 Jahren begleitet mich in diesem Jahr. Durch das Tagebuch meines Großvaters. Durch die täglichen Erinnerungen in den Medien. Sie rücken mir besonders nahe durch die aktuellen…

da und das

Veröffentlicht in 30. Juli 2014

Israels Ministerpräsident Netanjahu hält diesen Krieg für einen Gerechten. Mhhh… Lesenswert dazu die Lehre vom gerechten Krieg. Nochmals Mhhh… In der Freitags-BILD gibt es das NIE WIEDER JUDENHASS Arschgegeige… Menschen sprechen von Antisemitismus – ab dem Zeitpunkt der Kritik an Israels Politik. Das geht mir doch deutlich gegen den Strich – ohne eine politische Seite zu bevorzugen. In welcher Welt leben wir eigentlich? Eigentlich stelle ich mich immer gerne auf die Seite des Menschen, der Menschen. Im christlichen Sinn auf die des Schwachen. Und eigentlich schaue ich lieber in die Zukunft als zurück. Und Zukunft hat auch immer etwas mit meinem Gottesbild zu tun. Auf dieses berufen sich die Politiker dann gerne auch. In Bezug auf Israel wird gerne der Prophet Sacharja zitiert: »Denn…

Pfingsten

Veröffentlicht in 9. Juni 2014

Tue Gutes und rede darüber, heißt ein alter Spruch aus der Wirtschaft. Fessele die Aufmerksamkeit deiner Kundschaft. Sei laut und frech, damit du lang im Gedächtnis der Leute bleibst. Der Arzt Adalbert Stifter fand ein anderes Kennzeichen für Erfolge: »Die großen Taten der Menschen sind nicht die, welche lärmen. Das Große geschieht so schlicht wie das Rieseln des Wassers, das Fließen der Luft, das Wachsen des Getreides.« Das gilt auch für den Geist Gottes, an den wir zu Pfingsten denken. Er wirkt bis heute wie das »Fließen der Luft«. Er hält, kaum merklich, die christlichen Gemeinden zusammen, ja sogar die Kirchen, in denen es manchmal recht menschlich zugeht. Ohne lautes Getöse wirkt der Heilige Geist. Heute und immer. Einen guten Tag. Quelle: Wolfgang Fietkau…

Glücklich seid ihr

Veröffentlicht in 7. Juni 2014

Glücklich die Menschen, … die über sich selbst lachen können. Sie werden sich immer gut amüsieren. Glücklich die Menschen, … die einen Maulwurfshügel von einem Berg unterscheiden können. Sie werden sich viel Ärger ersparen. Glücklich die Menschen, … die ausruhen und schlafen können, ohne dafür eine Ausrede zu suchen. Sie werden weise werden. Glücklich die Menschen, … die schweigen und zuhören können. Sie werden viel Neues lernen. Glücklich die Menschen, … die so klug sind, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Sie werden von ihren Mitmenschen geschätzt werden. Glücklich die Menschen, … die aufmerksam sind für die Hilferufe anderer, ohne sich dabei für unersetzlich zu halten. Sie werden Freude säen. Glücklich die Menschen, … die denken, ehe sie handeln, und beten, ehe sie…

Himmelfahrt

Veröffentlicht in 29. Mai 2014

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Die Bibel erzählt, ein paar Wochen nachdem einige Frauen von seiner Auferstehung erzählt hatten, trafen sich seine Anhänger auf einem Berg. Und Jesus war bei ihnen. Da hat er zu ihnen gesagt: »Der Geist Gottes wird auf euch herabkommen. Der wird euch Kraft geben. Dann werdet ihr meine Zeugen sein, von mir erzählen und tun, was ihr von mir gelernt habt.« (Apostelgeschichte 1, 8)

Himmelfahrt. Welch seltsamer Name? 40 Tage nach Ostern. 40 Tage wie die Passionszeit lang. Übrig blieb der Tag. Feiertag Himmelfahrt. Immer Donnerstag. Weil die Christen – weil w i r Christen glauben, Jesus Christus sei in den Himmel aufgefahren. Passend dazu – auch zeitlich – Alexander Gersts Weltraumfahrt. Nach oben. In den Himmel. Alles was oben ist, ist Himmel. Fast alles. Bis auf die Planeten und so. Die englische Sprache ist hier für das Verständnis besser. Die hat zwei Worte für Himmel. Einmal sagen sie sky. Das ist das Blaue da oben, wo die Wolken sind und die Flugzeuge fliegen. Und dann gibt es den heaven. Das ist der Himmel, wo Gott ist. Ob der wirklich oben ist, irgendwo bei den Sternen – mhhh? Eher so: Wo Gott ist – da ist Himmel. Wo Menschen sich lieben. Wo sie füreinander da sind. Wo sie sich dafür einsetzen, dass das Leben gut und die Welt ein lebenswerter Ort für alle ist – da ist Gott. Da ist Himmel. »Feels like heaven« würden die Engländer sagen. Da fühlt es sich an wie im Himmel. Und da überall, da ist Jesus mit seinem Geist. Weil da Leute in seinem Geist leben und handeln. Weil da die Leute das tun, was er vorgelebt und vorgemacht hat.

Quelle/Inspiration: Lucie Panzer | SWR

Barmherzigkeit

Veröffentlicht in 1. Mai 2014

Sasa Stanisic ist Schriftsteller, jetzt 36 Jahre alt. Als Junge ist er geflüchtet aus dem Bosnienkrieg, den Massakern in Visegrad ist er mit seiner Mutter entkommen und 1992 ist er nach Deutschland gekommen. Er sagt: Denk ich an Deutschland. Denk ich an Schiller. Und so wie Schiller will er schreiben und sein quirlig und mutig und umtriebig. Er schreibt Bücher, sein erster Roman erzählte die Innenseite des Krieges in Bosnien mit dem Blick eines kleinen Jungen. Denk ich an Deutschland, sagt er, denk ich auch an diesen einen Sachbearbeiter in der Ausländerbehörde der mir sagte: Es gibt einen Weg für Sie, damit sie bleiben. Sie müssen sich immatrikulieren. Und wenn sie sich immatrikulieren, kommen sie noch einmal zu mir. Und es ist alles legal. Ich öffne ihnen eine Tür.…

3 Tage noch

Veröffentlicht in 18. April 2014

Schlag auf Schlag einstecken. Verachtung, Demütigung, Gewalt, Folter – die Schlagzeilen des Tages. Karfreitag. Einer der schwierigeren Tage im christlichen Fest- und Freudenkalender. Verachtet und verlassen. Ein Mann der Schmerzen. Mit Leiden vertraut. Einer, vor dem man das Angesicht verbirgt. Bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Um unserer Übertretungen willen durchbohrt. Wegen unserer Missetaten zerschlagen. Wenn ich mich auf den Anblick des Kreuzes einlasse, stellt sich die Frage nach Gott und Gottverlassenheit. Es ist nicht Gott, der demütigt und schlägt. Wir werden auf uns selbst zurückgeworfen. Wir spielen mit in diesem Drama. Als diejenigen, die Gewalt zulassen und ausüben können. Als diejenigen, die von Schuld befreit werden, weil einer für Gerechtigkeit sorgt. Es geht um unsere Rolle. Unsere Verantwortung. Unsere Befreiung. Diese Art der…

Aus einem Guss

Veröffentlicht in 14. April 2014

Und wie fasten Sie? Martin Buber erzählt von einem Chassid, der einmal von Sabbat zu Sabbat fastet. Am Freitagnachmittag überkam ihn ein so grausamer Durst, dass er meinte sterben zu müssen. Da erblickte er einen Brunnen, ging hin und wollte trinken. Aber sogleich besann er sich, um einer kleinen Stunde willen, die er noch zu ertragen hätte, würde er das ganze Werk dieser Woche vernichten. Er trank nicht und entfernte sich vom Brunnen. Stolz flog ihn an, dass er die schwere Probe bestanden habe. Wie er dessen inneward, sprach er zu sich »Besser, ich gehe hin und trinke, als dass mein Herz dem Hochmut verfällt.« Er kehrte um und trat an den Brunnen. Schon wollte er sich darüber neigen, um Wasser zu schöpfen, da…