Beiträge von Achim Seiter

Fasten 15

Veröffentlicht in 19. Februar 2015

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Ich werde fasten. Beziehungsweise… ich werde es versuchen. Aber auf eine andere Art. Auf meine Weise. Wie so vieles…  Anders als üblich. Was ist üblich? Menschen verzichten gerne. In der Fastenzeit. Das Wörtchen »gerne« hier in schwäbischer Doppeldeutigkeit. Verzicht meine ich nicht. Eben anders. Anders denken. Andere Ansätze. Meine Freunde und mein Gott mögen mir dabei behilflich und gnädig sein.

Kleine Anleitung dazu:

Sich unterbrechen
im alltäglichen Einerlei,
eingespielte Gewohnheiten ablegen
wie einen verschlissenen Mantel. 
Aussteigen aus dem
»Das war schon immer so«,
alte Denkmuster überprüfen,
ob sie noch greifen.
Frei werden,
Neues einlassen
in Herz und Hirn.
Das Unmögliche für möglich halten
und dem Himmel die Türen öffnen.

Quelle: SpiritLetter

Das 18. Kamel

Veröffentlicht in 26. Januar 2015

1404_lampe900Ein Mann reitet durch die Wüste. Er sieht drei Menschen, die sehr traurig sind, und steigt von seinem Kamel. Sie erzählen, ihr Vater sei gestorben. Der Mann tröstet sie und sagt, der Vater habe ihnen doch sicher etwas etwas hinterlassen. Die drei antworten: Ja, gerade darin liege das Problem. Es seien 17 Kamele aufzuteilen. Der älteste der drei bekomme die Hälfte. Der Zeitgeborene ein Drittel und der Jüngste ein Neuntel. Mit 17 Kamelen sei das unmöglich. Der Mann überlegt und meint lächelnd: »Nehmt mein Kamel dazu, dann wird es funktionieren.« So bekam von den 18 Kamelen der älteste Bruder die Hälfte, also neun. Der mittlere Bruder bekam ein Drittel, also sechs, und der jüngste ein Neuntel, also zwei Kamele. Ein Kamel blieb übrig – das Kamel des fremden Mannes. Er grüßte, stieg auf und ritt seines Weges.

Quelle: Nach Paul Watzlawick 

Mein Bruder – ein Brief.

Veröffentlicht in 14. Januar 2015

Als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris hat Regisseur Luc Besson (»Leon, der Profi«, »Rausch der Tiefe«) auf seiner Facebook-Seite einen Text veröffentlicht. Hier die deutsche Übersetzung seines offenen Briefs an einen muslimischen Bruder. Mein Bruder, mein Bruder, wenn Du wüsstest, wie schlecht ich mich heute fühle für Dich, Dich und Deine schöne Religion, die so beschmutzt, gedemütigt, beschuldigt wurde. Vergessen sind Deine Kraft, Deine Energie, Deine Menschlichkeit, Deine Brüderlichkeit. Das ist ungerecht, und gemeinsam werden wir sie beseitigen, diese Ungerechtigkeit. Millionen lieben Dich, und wir alle werden Dir helfen. Fangen wir am Anfang an. Wie sieht die Gesellschaft aus, die wir Dir anbieten? Sie basiert auf Geld, Profit, Trennung, Rassismus. In einigen Banlieues erreicht die Arbeitslosigkeit der Unter-25-Jährigen 50 Prozent. Man hält dich…

Von Hecken und Rädern

Veröffentlicht in 11. Januar 2015

Ein Freund hat sich vor einigen Jahren einen ehemaligen kleinen Bahnhof gekauft. Mit Liebe und ohne Eile saniert. Als letztes hat er um das Grundstück eine Hecke gepflanzt. Als Sichtschutz und grünes Element. Hecke ist Natur. Diese Hecke wurde ihm nächtens kurz nach der Bepflanzung gestohlen. Wohlgemerkt eine Hecke. Nach der Erneuerung noch ein weiteres Mal. Mir wurde am gestrigen Abend mein fast neues Fahrrad geklaut. Nicht von der Stange. Aufgepimt. Einzigartig zumindest in der Region. Angekettet an einen Fahrradständer wohlgemerkt. Stuttgart. Mineralbäder. Mit einem Rad gehst du fast eine Beziehung ein. Gewöhnungsphase. Dann Freude. Keine Liebe. Deshalb ist der Diebstahl halbschlimm. Aber ärgerlich. Sehr sogar. Mit einem Fahrrad kannst du dich fortbewegen. Von A nach B. Zur Arbeit, Einkauf oder Schule. Oder du…

Nachweihnacht.

Veröffentlicht in 9. Januar 2015

Zwei Wochen lang haben wir jetzt Weihnachten gefeiert. Am Anfang die Heilige Nacht, dann den Weihnachtstag; Neujahr. Dann sechs Tage später das Fest der Erscheinung des Herrn. Weihnachten war. Und was kommt jetzt? Was bleibt?

Schade wenn »wir Christen« an Weihnachten nicht nur ein bisschen Romantik inszenieren. Schön wäre zu begreifen Weihnachten als eine Aufgabe für das ganze Jahr begreifen. Denn Weihnachten hat durch und durch mit dem gelebten und erlittenen Leben von Menschen zu tun.

Erinnerung: Josef und Maria waren Flüchtlinge. Jesus ein Mensch mit Integrationshintergrund, der sich aufmüpfig gegenüber der Staatsmacht zeigte. Die »Drei Heiligen Könige« waren ein »Neger«, ein Jude und ein Araber.

Weihnachten hat offenbar gemacht: Menschsein hat auf engstmögliche Weise mit Gott selbst zu tun und umgekehrt. Das gibt menschlichem Leben eine unvergleichliche Würde, jedem Einzelnen. Es ist völlig gleichgültig, ob eines dieser Wesen groß oder klein, gescheit oder dumm, kunstfertig oder behindert, erfolgreich oder erfolglos, unschuldig oder schuldig ist. Seine Würde ist davon unabhängig und unantastbar. Das war zur Zeit der frühen Kirche nicht selbstverständlich und ist es heute nicht mehr. Darum auch verlangt christlicher Glaube gebieterisch, diese Würde zu verteidigen, wo sie bestritten wird, und sie wiederherzustellen, wo sie niedergehalten ist – ohne Ansehen der Person und der Umstände. So wie Jesus halt. Manche Menschen nennen das Nachfolge.

Quelle/Inspiration: leider unbekannt

Je Suis Charlie

Veröffentlicht in 7. Januar 2015

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ATTENTAT IN FRANKREICH AUF SATIREMAGAZIN
12 Tote.

Den Tätern sei gesagt:
Lacht solange ihr noch könnt!
Ihr könnt uns biegen!
Ihr werdet uns niemals brechen!

Quelle: unbekannt

»Der Terrorangriff in Paris ist entsetzlich, traurig und frustrierend. Und er gefährdet den Frieden zwischen den Religionen. Menschen, die fremdbestimmt sind und nicht über sich selbst, über die Gesellschaft und über ihre Religion lachen können, sind armselige Menschen. Die Satire ist die größte Errungenschaft der Demokratie. Auch für mich als Christ. Dies ist ein wirklich trauriger Tag.«

KOMMENTAR JÖRG HAMMER (PASTOR DER EMK)

»Einen weniger guten Tag hatte heute die überwältigende Mehrheit derjenigen Menschen, die einfach in Frieden leben und nichts mit derartigen Extrempositionen zu tun haben wollen – darunter Muslime, Christen, Anhänger anderer Religionen, Agnostiker und Atheisten.«

KOMMENTAR DER POSTILLON

 

OHNE WORTE WAS DIESE BEIDEN MELDEN
PEGIDA…
…sieht sich durch das Massaker bestätigt. Auf der Facebook-Seite heißt es: »Die Islamisten, vor denen Pegida seit nunmehr zwölf Wochen warnt, haben heute in Frankreich gezeigt, dass sie eben nicht demokratiefähig sind, sondern auf Gewalt und Tod als Lösung setzen! Unsere Politiker wollen uns aber das Gegenteil glauben machen. Muss eine solche Tragödie etwa erst in Deutschland passieren?«
AFD
Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, sieht den Anschlag auf die Redaktion als Rechtfertigung für die Anti-Islam-Bewegung Pegida. »All diejenigen, die bisher die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft«, sagte Gauland.

 

Eigentlich sind mir der Menschenhaufen und die vermeintliche Alternative scheissegal. Unser Grundrecht erteilt Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit. Das ist gut so. Und sie in eine Ecke zu treiben halte ich für fragwürdig, zu einfach – daher langweilt es mich. NUR: An diesem Tag diese Aussagen. Mir fehlen die Worte. Selbstausgrenzung. Untragbar. Verständnislos schüttle ich meinen Kopf. Arme Irre. Wir müssen reden.

Hier noch im Nachtrag ein sehr lesenswerter Bericht von Peter Richter

Kleiner Hinweis: Alles unterstrichene ist verlinkt mit ebenfalls interessanten Artikel.

Freitage

Veröffentlicht in 6. Januar 2015

  Tschuldigung. Habe mich ein paar Tage nicht gemeldet. So hätte früher ein Brief lauten können, wenn man um Vergebung bittet. Hier im SeiterBlick gab es ein einige Tage nichts. Hoffentlich habt ihr ihn vermisst, wenigstens ein bisschen. Waren es ja doch 6387 Klicks in 2014. Danke dafür. Soviel zu Zahlen was mich null-komma-null interessiert. Zu schreiben hätte es viel gegeben – aber es waren FREITAGE. Nicht, dass ich heulend im tiefen Tunnel versunken. Nein. War auch nicht weg. Auch Internetempfang ok. Rechner läuft. Andere Gewichtungen gesetzt. Wie zum Beispiel angefangene Bücher zu Ende lesen. Sind auch Baustellen die »abgearbeitet« werden müssen. Angenehme. Und wurden. Über Schwaben wird gerne von »fleißig« gesprochen. Das könnte passen. Sprich wenn wir mal nichts tun – schaffen wir…

vs. Schalke 04 LII #14

Veröffentlicht in 12. Dezember 2014

Letzten Dienstag ist ausgefallen… Natürlich nicht der Dienstag. Der war. Der Nachbetracht. Es gab einfach nichts zu schreiben. Und besser erst denken, sacken lassen, dann schreiben. Sprachlos. Huub Stevens – zwischenzeitlich Trainer – spricht von Rückschlägen wie Vorsaison in Nürnberg. Aha. Wir Stuttgarter Fans entgegen dann  das «kämpfen und siegen, niemals aufgeben«. Passt mehr als die Marketingstrategie von »furchtlos & treu«. Bloß nicht noch eine Baustelle, noch ein Faß aufmachen. Kurzes Wort zum Spiel: Danke Schalke. Ihr werdet uns zwar den 13. Mai 2001 niemals verzeihen. Krassimir Balakov setzte mit einem 14-Meter-Schuss den blauweißen Wünschen ein Ende. Der »1000 Frauen – 1000 Biere – aber stets nur eine Liebe«-Banner weht irgendwo immer noch wenn sich die Schalker ins Neckarstadion aufmachen. Unser PSV-Heim an diesem Tag…

Freiburg LII #13

Veröffentlicht in 2. Dezember 2014

»Liebe Freiburger.« Eigentlich – was schon gelogen ist – ein blöder Beginn für eine Art offener Brief. Weiß nicht ob sie lieb sind. Nicht alle. Muss auch nicht. Vor dem Spiel jedenfalls nicht so gut auf Schwaben zu sprechen. Voll Inbrunst und vor Stolz schier platzend intonieren sie ein Lied. Kurz vor Anpfiff. Ihres? Ehrlich. Find ich blöd. Gestrig. In der Masse vereint gegen. Gegen was eigentlich (weder noch). Oder einfach nur so. Dann die Hand von der Brust weg. Es reimt sich Militär und Ehr. Eben gestrig. Seis drum. Wenns fürs Ego taugt. Ist wenigstens friedlich.
Also kein »Liebe Freiburger.« Einfach nur »Freiburger!« Mhhh noch gestriger als gestrig. Nicht gut!

Dann eben ohne. Ganz ehrlich. Ich mag das Freiburger Stadion. Die Menschen und die Umgebung. An der Dreisam gelegen. Mein ersten Auftritt als Zuschauer ist Tage her. Dreckhaufen statt schmucker Osttribüne mit Solardach. Zweite Liga. Menschen standen auf Bierkisten (sind nicht so wackelig wie Sprudelkisten und Inhalt authentischer) oder mehreren um freien Blick auf das Spielfeld zu haben. Mitten im Wohngebiet. Heute äußerst selten. Meist Konzeptstadien. An den Stadtrand aufs Industriefeld gedrängt. Wie der Fußball. Aus Herzblut werden Kapitalgesellschaften. Wegen Wettbewerbsfähigkeit. Baulich optimiert. Der Komfort wird größer. Für mehr Business-Seats und Logen. Eigentlich (Wahrheit!) für mehr Kohle. Das sagte schon der Hoeneß, dass der Fußball von einer Spezies Mensch nicht leben kann. Eigentlich (Wahrheit 2) reicht ein Dach über dem Kopf und ein Bierstand mit verrauchter Wurstbraterei und Kühlschrank. Mit viel Liebe. Es soll – so hört man – Geschichte werden. Planen. Nicht leben. Feiner Unterschied. Ein Neubau wird‘s. Na toll. Eine weitere herzlose »Coface Arena« im Anmarsch. Profitieren tun die Großen, die die Enge und Nähe zu den Menschen nicht mehr gewohnt sind. Ihren System-Fußballspiel ob der Bedingungen nicht abrufen können. Kampfspiele. Dass vermeintlich Kleine über sich hinauswachsen und gewinnen. Heimstark. Die große Fußball-Lobby will das nicht. Ein netter Trick dem entgegenzuwirken ist unter dem Wort »Auflagen« bekannt. Super DFL. Einknicken statt Veto einzulegen. Aber die Masche funktioniert. Irgendwann haben dann auch die Nachbarn keinen Grund mehr zu klaren. Obgleich diese Sorte Mensch sicherlich immer einen finden wird.

Vergangenen Freitag. Flutlichtspiel. Was für eine Atmosphäre. Enge. Ungünstig gestanden. Letzte Reihe. Was soll‘s. Ich muss den Ball nicht über die Linie rollen sehen. Es reicht der Torjubel der Werners, Harniks und Gruezos. Vier an der Zahl. Einer traf doppelt. Mitten ins Badener Herz. Entschuldigung. Schön wars. Basta.
Danke »Liebe Freiburger«. Bitte bleibt standhaft für das Dreisamstadion. Es ist eure Heimat und ein Schmuckstück. Fußball pur. Mitten im Leben. Dort wo die Menschen sind.

Und bei all der Euphorie ein kleiner Nachdenker:  »Jets, das ist ein Win. Win, das sind die New York Jets. Ihr habt euch beide so selten in letzter Zeit gesehen, da dachte ich, ich stelle euch nochmals gegenseitig vor. Denn wer weiß, wann ihr euch das nächste Mal seht.« Ja wer weiß das schon.

Verbotene Vögel

Veröffentlicht in 1. Dezember 2014

Die Politischen Gefangenen in Uruguay durften ohne Erlaubnis nicht reden, auch nicht pfeifen, lächeln, singen, schnell gehen oder andere Gefangene grüßen. Sie durften auch keine Bilder von schwangeren Frauen, Paaren, Schmetterlingen, Sternen oder Vögeln bekommen. Didako Perez war wegen »ideologischer Ideen« eingesperrt. Eines Tages wollte seine fünf Jahre alte Tochter Milay ihn sonntags besuchen und brachte eine selbstgemalte Zeichnung von einem Vogel mit. Die Gefängniswärter zerstörten das Bild am Eingang zum Gefängnis. Am folgenden Sonntag kam Milay mit einer Zeichnung mit Bäumen. Bäume sind nicht verboten und das Bild kommt durch. Didako lobt dieZeichnung seiner Tochter und fragt dann, was die die kleinen farbigen Punkte oben im Baum sind, die man kaum zwischen den Blättern sehen kann: »Sind das Orangen? Was für Früchte sind…

vs. Augsburg LII #12

Veröffentlicht in 25. November 2014

Traumsonntag 1.Heimspiel Vorfreude Paulaner 39er Anpfiff Bemüht GelbRot Kienhöfer Glücklos Kopflos Handspiel Gegentor Abpfiff Achtzehnter Beifall Veh Fragezeichen 18 Worte. Wortkarg. Andere wissen mehr zu schreiben zu diesem Thema. Tun dass in so einer Genüge, dass ich des Lesens Unlust spüre auch zu schreiben. Deshalb hier ein leckeres Waffel Rezept. Man nehme: 250g Mehl, 125g Zucker, 1 Packung Vanillezucker, 125g Butter, 3 Eier, 250ml Milch, 1 Packung Backpulver, 1 Schuss Rum. Einfach nur alle Zutaten gut mithilfe eines Handrührgerätes mischen und in einem gefetteten Waffeleisen ausbacken. Bei diesem Rezept kommen ca. 10 Waffeln heraus, das Rezept kann natürlich beliebig vervielfacht werden! Viel Erfolg. Es wird.

Royal Flush

Veröffentlicht in 21. November 2014

Es gibt sie. Die Spiele des Lebens. Spiele, bei denen allein die Ansetzung dich in Verzückung versetzt. Der Royal Flush. Im Poker genannt mit einer Wahrscheinlichkeit von unter 0,0032 Prozent. Das ist wenig. Nicht die Spiele in einer Serie. Nicht wiederkehrend. Die Feiertage. Im Fußball – davon rede ich – mit einer Häufigkeit ähnlich einem Royal Flush. Dem Königsblatt. Bestmöglich. Spiele binnen Sekunden ausverkauft. Wenn überhaupt Karten in den freien Verkauf gelangen. Klingt seltsam. Auch das ist das Spiel. Schon alleine eine Karte zu ergattern nicht ganz einfach. Es sei denn du bist Very Important. Wer ist das schon? Mr. Super-Wichtig. Und will das sein. Viel wichtiger: Pflichtspiele. Es muss um was gehen. Freundschaftsspiele, Vorbereitung- und Benefiz- sind für‘n Arsch. Hier fehlt das Leben.…