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Wenn Ich

Veröffentlicht in 9. November 2014

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Es war einmal ein Mann, der schon immer davon geträumt hatte, Maler zu werden. Als kleiner Junge danach befragt, was er werden wolle, wenn er groß sei, antwortete er: »Ich will Maler werden« und dabei leuchteten seine Augen wie Sterne.

Nach der Schule machte er eine Lehre als Kaufmann, aber jedem, der fragte, erzählte er: »Nach dieser Lehre studiere ich Kunst und lerne, Bilder zu malen.« Und seine Augen strahlten.

Nach seiner Ausbildung wurde er übernommen und arbeitete Jahr für Jahr in derselben Frma. Immer am Jahresende sagte er feierlich: »Im nächsten Jahr fange ich zu malen an«, und seine Augen leuchteten wie früher.

Er wurde älter, schließlich Rentner und schließlich krank. »Wenn ich wieder gesund bin, werde ich Bilder malen«, sagte er sich. Doch die Kraft reichte nicht mehr, um seine Augen zum Leuchten zu bringen.

Auf seinem Grabstein stand unter seinem Namen: »Einer, der immer malen wollte und es nie getan hat«.

Quelle: Tanja Konnerth: Von einem, der Maler werden wollte.

 

 

Aufgabe

Veröffentlicht in 6. November 2014

Alles ruhig in der Schattenstraße. »Fuck the Lokführergewerkschaft…« Höre und lese ich gerade öfters. Geht nichts. In der Hoffnung, dass jede und jeder irgendwie dorthin gekommen ist wo man zwingend sein muss. Nicht einfach. Schwierig und anders, wenn gewohntes nicht mehr gewöhnlich ist. Muss später nach Stuttgart. Unter Zeitdruck. Wenn Termine und Versprechungen sich jagen. Ist manchmal so. Das ist eher das größere Grundübel als… ja als der verpasste Zug. Die rote Ampel. Der Superstau. Keine Ahnung wie ich gen Landeshauptstadt kommen soll. Das Zeitfenster ist ein kleines und das Automobil trotz allem keine Option. Dass nichts geht – wie aktuell auf der Schiene – ist in unserer Heimat tägliche Wirklichkeit. Um ruhig zu bleiben brauchst du Zeit. Und/Oder Nerven wie breite Nudeln, sagen wir Schwaben. Trotz…

vs. Wölfe LII #10

Veröffentlicht in 4. November 2014

Shit happens. Auch Spiele im Neckarstadion. Im eigenen Mittelpunkt der eigenen Welt eher der »Elfer-Battle« von Wichtigkeit. Location: Ein sonniger Sportplatz auf der Schwäbischen Alb. Jahresausflug. Modus. Lange diskutiert, angezweifelt, kritisiert. Die Vorschläge wurden je länger der Abend immer obskurer. Nur Anfänger planen solche Events langfristig. Da muss Dynamik rein. Dass wir schließlich nicht mit zusammengebundenen Beinen rückwärts gen Ball droschen ist der Umsichtigkeit Zweier zu verdanken. So wird es gemacht. Basta. Menschen nennen das Demokratie. Alle dürfen mitsprechen. Wenige bestimmen wie es gemacht wird. Alle sind zufrieden. Wir jedenfalls. Wir? Mumpitz 89. Die Zahl steht für das Gründungsjahr 1989. Wobei ins Leben gerufen der Wahrheit mehr entspricht als gegründet. Es waren seinerzeit Zwei die gesagt haben dass.

Wenn die ÄRZTE die beste Band der Welt sein wollen, sind wir, sprich Mumpitz 89 das beste Fußballteam der Welt. In aller Bescheidenheit. Freundschaft. Spaß am Spiel. An gemeinsamer Zeit. Wöchentlich. Immer mittwochs. Ein Vierteljahrhundert lang. Seltenheitswert. Fast in unveränderter Formation. Meist komplett. Oft einer Meinung. Am Ende immer für den Weltfrieden. Zwischenzeitlich bis auf Zwei im fußballerischen Vorruhestand. Notfalls immer bereit dem Ball nachzujagen. Auch klar: Nichts verlernt falls Tag x je kommen sollte.

Zurück zum Elfer-Battle. Jeder schießt auf jeden. Du bist Schütze und Torwart. Einfache Regel. Treffer zählen. Leicht verständlich. Kein Diskussionsbedarf.
Ich als Brillenträger mit Bedenken. Schießen völlig egal. Du triffst. Oder nicht. Trotzdem verwundert, dass der Ball meist seinen eigenen Weg nimmt. Gerne nicht den von mir gedacht erwünschten. Oben links geht unten rechts rein. Oder nicht. Oder vorbei. Anderen geht es genauso. Zum Glück. Eher »Die Angst des Torwarts vorm Elfmeter.« Wissend, dass dies ein sogenanntes geflügeltes Wort, sprich… ach lest es selber nach. Ich dafür übervorsichtig im Tor stehend (dabei war ich mal ein Guter) damit möglichst nichts passiert. Damit meine ich Ball in Fresse. Brille kaputt. Kenn ja die Schußgewalt und Treffbescheidenheit meiner Kameraden zu Genüge. Wenn sich dann noch sportlicher Ehrgeiz mit aktuellem fußballerischem Mißerfolg paart. Naja… jedenfalls überlebte meine Brille und ich die Elfer-Battle. Es war schööön.
Und: Sieger wurde übrigens GGT. Unser Mann mit dem bekanntlich und offiziell schwächsten vermessenen Schuss (Volksfest 2008. Ewger Dank für den schönsten Tag meines Lebens.). Seine späte aber verdiente Rache.
Und: Der mehrheitliche Lieblingsklub mit null zu vier untergeht.
Und: Ich meine Brille – eigentlich wohlbehütet – am Sonntag (also tags drauf) verlieren werde. So ist Leben. Intensiv. Pure. Manchmal scheisse.
Und: Gar nichts – wirklich gar nichts bedarf einer Änderung. Thanks God morgen ist Mittwoch.

Was Heiliges

Veröffentlicht in 1. November 2014

Es ist der erste November. Allerheiligen. Da zu viele zu Heiligen bestimmt wurden – reicht schlicht und einfach die Anzahl von Gedenktagen nicht aus. Somit quasi der Sammelfeiertag für alle diejenigen, die es nicht zum eigenen Tag geschafft haben. Herzlichen Glückwunsch. Oder wie gratuliert man einer Heiligen? Oder überhaupt? Kerze und Gedenkens-Mine aufziehen. Als Heiliger wird ein Mensch bezeichnet, der als einer Gottheit besonders nahestehend beziehungsweise als ein in religiöser und ethischer Hinsicht als vorbildlich angesehen wird. Während des Pontifikats von Johannes Paul II. (1978–2005) wurden allein 482 Personen heiliggesprochen. Er selber am 27. April 2014. Nun denn… Heilig oder nicht. Besser ist… mach Dein Ding und lass Dich von den Anderen nicht aufhalten. Dazu eine Fabel: Die Frösche machten einen Wettlauf. Um ihn besonders schwierig zu machen, legten sie…

Trick or Treat

Veröffentlicht in 31. Oktober 2014

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Nicht wirklich. Nein. Ich brauche Halloween nicht. »Trick or Treat«. Nichts für mich. Meine Haustüre bleibt verschlossen. Bin einfach nicht da. Keine Gedichte. Keine Süßigkeiten. Aber wenn ich mir vorstelle wie es in der ZEIT so wunderbar beschrieben ist: »Aber wenn Klein-Pimpf-Dracula jetzt so vor dir steht, die kleine Hand mit theatralischem Zittern ausgestreckt, da wirst du auf einmal ganz traurig. Am liebsten würdest du dich zu ihm hinunterbeugen, ihm in die schattigen Augen schauen und sagen: Kleiner, weißt du eigentlich, dass du überhaupt nicht gruselig bist? Das einzig Schreckliche an dir ist, dass du mit fünf schon zur Speerspitze der kapitalistischen Verwertung gehörst.« Ein Heidenspaß. Aber Spielverderber. Völlig unlustig. Aus Kindersicht: »So muss wohl ein Arschloch sein.« Wenig heilig. Deshalb… ausfliegen. Soll nicht heißen, dass ich es ablehne. Eher eine Art Gleichgültigkeit. Ist mir schlicht und einfach egal. Wenn es Menschen glücklich macht…, sagen die Hamburger. Mich nicht – nicht wirklich. Wobei wirklich nicht wirklich passt. Unmögliches kann niemals wirklich werden. Und Halloween ist ja. Wie auch am selbigen Tag die Erinnerung an die Reformation. Dafür können die Hexen und die Draculas nichts.

Erinnerung I – 31.10.2013 

Gerade angekommen. New York. Rein ins Getümmel. Times Square. Fröhliches Treiben. N’Dollar für den Erinnerung-Selfie. Mich getraut. Die anderen lachen blöd. Berührung war natürlich nicht.

Gegenwart – 31.10.2014 

Schwäbische Alb. Knapp 1700 Seelen Dorf. Genannt Berghülen. Von Halloween keine Spur. Mystisch – mit Dunkelheit, Landschaft und Nebel von alleine.

Erinnerung II – 04.08.1990 

Konzert: The Cure. Ort: Zentralstadion, Leipzig. Schwarz gekleidete Menschen. Affenhitze. Tolle Frisuren. Gesichtsschminke. Wenigstens am Anfang.

»On candy stripe legs the Spiderman comes. Quietly he laughs and shaking his head. I will wake up in the shivering cold And the Spiderman is always hungry.«  Lullaby

Wenn schaurig – Dann schön. Irgendwie erinnert mich der letzte Tag des Oktobers immer wieder an diese gruselig schöne August-Sommernacht. Und Leipzig – Wittenberg sind gerade mal 70km. NewYork – Berghülen Welten.

x-beliebig

Veröffentlicht in 30. Oktober 2014

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Es ist eine Geschichte, die von Phantasie und Liebe erzählt. Und wie wildfremde Menschen sich für einen Moment davon anstecken lassen.
Stellen Sie sich vor: ein Speisewagen in einem ICE, unterwegs irgendwo zwischen Berlin und Leipzig. Voll mit Menschen, die mit ihrem Essen beschäftigt sind. Oder geschäftliche Dinge miteinander besprechen.
Plötzlich eine Frau am Ende des Ganges, vielleicht Mitte dreißig. Sie trägt einen Korb voller Rosen im Arm. »Bitte, hören Sie mir einen Moment zu«, sagt sie, und schaut in die Runde. »Jetzt schon wieder diese Nummer«, denken einige. »Nicht mal im Speisewagen hat man seine Ruhe.«
Die Frau sagt, dass sie die Tochter des Lokführers ist. Ihr Vater vorn auf der Lok fährt gerade seine letzte Fahrt. Gleich in Leipzig endet sein Berufsleben. Er habe immer bedauert, dass er nie die Menschen sehen würde, die er Jahr für Jahr befördert habe.
Das sei doch jetzt eine gute Gelegenheit, habe sie sich gedacht. Wenn jeder der Fahrgäste ihm bei der Ankunft eine der roten Rosen aus ihrem Korb überreichen würde.
Im Speisewagen ist es einen Moment still. Dann allseitiges Nicken. Jeder nimmt eine Rose. Der Manager, die Großmutter auf der Fahrt zu ihren Enkeln, der Bundeswehrsoldat. Als der Zug in Leipzig zum Stehen kommt, bewegt sich eine Menschenschlange auf die Lok zu. Viele Hände strecken sich dem Lokführer entgegen. Und überreichen ihm eine Rose. Fast jeder sagt noch ein freundliches Wort dazu. Tränen fließen. Schon nach kurzer Zeit ist der Führerstand übersät mit Rosen. Fassungslos steht das offizielle Verabschiedungskomitee der Bahn daneben, das dem Jubilar einen kleinen Strauß Blumen überreichen wollte.
Damit endet die Geschichte. Nein, sie endet damit gewiss nicht! Denn wer bei diesem Ereignis dabei war, wird es nicht vergessen. Die liebevolle Idee einer Tochter, die sich für ihren Vater etwas einfallen ließ. Die mitreißende Wirkung dieser Idee, die aus anonymen Besuchern eines x-beliebigen Speisewagens für einen Moment eine verschworene Gemeinschaft machte. Das Glück und die Freude, mit der sich alle miteinander beschenkt fühlten.
Wertschätzung und Achtsamkeit sind knappe Ressourcen in unserer Gesellschaft. Die Geschichte zeigt aber auch: es braucht nur eine kleine Prise davon – und alles verwandelt sich. Man könnte auch so sagen: Liebe kann Berge versetzen.

Quelle: Freude. Schätze aus 20 Jahren »Der andere Advent«, erzählt von Birgit Kummer

Eintracht LII #9

Veröffentlicht in 28. Oktober 2014

1:0 – 1:1 – 1:2 – 1:3 – 2:3 – 3:3 – 4:3 – 4:4 – 4:5. Aus Aus Auswärtssieg. Auf einmal wird die Handschrift des Trainers erkannt. Prima. Eindeutig. Das ist im Erfolgsfall gerne der Fall. Die harte Arbeit fruchtet. Eingespielt. Laufwege. Im anderen Fall – also dem Negativen. Eben nicht. Das ist die Tragik. Da wird von dem berühmten Ruder gesprochen. Das nicht herum gerissen wird. Abstimmung. BlaBlaBla. Also freuen wir uns dran. So eine Art Wiederauferstehung. Nennen wir es Stehaufmännchen. Mit Respekt. Bin aus Überzeugung Optimist. Deshalb beginnt jetzt eine Serie. Alles wird gut. Die Mannschaft versteht den Trainer. Unbekümmertheit. Spiele gewinnen ohne den Grund zu wissen warum überhaupt. Menschen nennen das Psychologie. Das Wiederentdecken der eigenen Stärke. Apropos entdecken. Wiederentdecken. Während…

vs. Leverkusen LII #8

Veröffentlicht in 21. Oktober 2014

Man nehme Kreide. Grüne rechteckige Packung mit weißer Beschriftung. Rechteckige Felder auf den Boden malen und los gehts. Eins-eins-eins-beide-eins-beide-drehen-beide. So in etwa sind wir durch die Straßen gehüpft. Spielstraßen gab es noch nicht. Waren nicht notwendig. Man ging zu Fuß. Und immer wenn ich heute ein Feld sehe, was selten genug ist, hüpfe ich oder es juckt zumindest zu hüpfen. Das war unser Himmel und unsere Hölle in jungen Jahren. Und diese beiden bedeutungsvollen Worte gingen leicht über die Lippen. Wieviel Hölle und wieviel Himmel das Ballspiel auf dem rechteckigen Grün mit weißen Linien an den Tag brachte – ich kann es nur vermuten. Für den Journalisten genug. Vermutlich zum verrückt werden. Spaß wird es nicht immer allen gemacht haben. Fan-Michael jedenfalls sah nur…