Beiträge aus der Kategorie “BallZauber

Die Dimension der Genügsamkeit

Veröffentlicht in 16. September 2015

Klar ist es müßig darüber nachdenken was wäre wenn. Warum pfeift die einen der Kircher und die anderen eben nicht. Die einen lassen ab Minute siebzig die Köpfe hängen. Die anderen holen die letzten Prozente aus sich raus. Und biegen das Ding um. Selbst eine »dieser-Elfmeter-ist-ein-Witz« Situation musst du erst erzwingen. Ballgeschiebe um die Mittellinie herum treibt mich zum Wahnsinn. Passiert nichts. Selbst mit Dusel und Fußballgott nicht. Ich glaube auch nicht, dass es dieses viel besungene Aufrecht-Berg-am-Laim-Gen ist. Es ist der Unterschied zwischen Sport, Leistungssport und Spitzensport. Die Dimension der Genügsamkeit. Ich tue mich am Berg schwer. Auch in der Ebene – was Geschwindigkeit angeht. Diese ist natürlich frei definierbar. Wie so vieles. Habe nicht das Killer-Gen. Nie gehabt. Ankommen ist das Ziel.…

Es gilt.

Veröffentlicht in 9. Mai 2015

hochauflösende Version

Es gilt. Meine Güte. Welche Spannung. Heute Jubel für das Erreichen des nächsten Endspiels. Oder Trauer. Alles vorbei mit Liga eins. Unvorstellbar und doch nah. Sehr sogar wie andere sagen. Die Statistik sagt, wer am 31. Spieltag den letzten Tabellenplatz belegt steigt ab. Chancenlos. Bis auf einmal. Wir werden das zweite Mal sein. Oder eben nicht. Überhaupt: Mich interessieren Tore. Eins mehr als der Gegner. Klassiker fürs Phrasenschwein. So what. Das Gute. Du weißt nicht wie es ausgeht. Deshalb gehen Menschen zum Fußball. In dieser Anspannung. Zwischen Himmelhochjauchzen und zu Tode betrübt. Ein schmaler Grat. Die Fußballsaison geht in die entscheidende Phase. Und es klingt verrückt. Ich freu mich so auf diese Spiele. Alles oder nichts. Die Tiefen tiefer. Die Höhen höher. Der Jubel der Meisterschaft verhallt nie. Davon zehren. Irgendwann kommen wieder fette Jahre. Wahrer Kampf ist der nach und gegen unten. Kurz vor dem nichts. Immer oben ist langweilig. Meine das wirklich so. So wie das Leben. Vonwegen Vertrösten oder ähnliches. Heute: Voller Hoffnung das Ding noch umzubiegen. Vor Jahren singen gegnerische Fans das »so schön euch nicht mehr zu sehn«. Lasst sie singen. Gehört dazu. Das ist das Spiel mit der Häme. Und: Du steigst nicht in diesen drei Spielen ab. Du arbeitest die ganze Serie darauf hin. Noch drei Spieltage. Durchhalteparole: Mainz ist nicht Barcelona. Es gilt. Yeah.

abwegig

Veröffentlicht in 12. April 2015

In den Augen des Frankfurter Philosophen Martin Seel ist Fußball ein »Mysterium der Kontingenz«, und damit meint er: »Im Fußballspiel könnte alles auch ganz anders sein. Niemand kann sagen, wohin und zu wem der Ball gerade springt, er ist immer auf Abwegen, er ist wild und unberechenbar, unbestimmbar und unvorhersehbar. Das Ungewisse und Zufällige bilden das Geheimnis des Mannschaftsspiels. Erwartbar ist nur das Unerwartbare.« Die Pointe liegt hier gewissermaßen auf dem Fuß: Damit die Anarchie des »abwegigen« Balls ins Rollen kommt, braucht es eine feste Regel. Die Regel ist gleichsam die Bedingung für das Regellose, für all das Unerwartete, Zufällige und Spektakuläre in einem Spiel. Damit alles immer anders wird, muss die Regel gleich bleiben, und was immer an Unvorhergesehenem auch geschehen mag: Nach…

Royal Flush

Veröffentlicht in 21. November 2014

Es gibt sie. Die Spiele des Lebens. Spiele, bei denen allein die Ansetzung dich in Verzückung versetzt. Der Royal Flush. Im Poker genannt mit einer Wahrscheinlichkeit von unter 0,0032 Prozent. Das ist wenig. Nicht die Spiele in einer Serie. Nicht wiederkehrend. Die Feiertage. Im Fußball – davon rede ich – mit einer Häufigkeit ähnlich einem Royal Flush. Dem Königsblatt. Bestmöglich. Spiele binnen Sekunden ausverkauft. Wenn überhaupt Karten in den freien Verkauf gelangen. Klingt seltsam. Auch das ist das Spiel. Schon alleine eine Karte zu ergattern nicht ganz einfach. Es sei denn du bist Very Important. Wer ist das schon? Mr. Super-Wichtig. Und will das sein. Viel wichtiger: Pflichtspiele. Es muss um was gehen. Freundschaftsspiele, Vorbereitung- und Benefiz- sind für‘n Arsch. Hier fehlt das Leben.…

vs. Leverkusen LII #8

Veröffentlicht in 21. Oktober 2014

Man nehme Kreide. Grüne rechteckige Packung mit weißer Beschriftung. Rechteckige Felder auf den Boden malen und los gehts. Eins-eins-eins-beide-eins-beide-drehen-beide. So in etwa sind wir durch die Straßen gehüpft. Spielstraßen gab es noch nicht. Waren nicht notwendig. Man ging zu Fuß. Und immer wenn ich heute ein Feld sehe, was selten genug ist, hüpfe ich oder es juckt zumindest zu hüpfen. Das war unser Himmel und unsere Hölle in jungen Jahren. Und diese beiden bedeutungsvollen Worte gingen leicht über die Lippen. Wieviel Hölle und wieviel Himmel das Ballspiel auf dem rechteckigen Grün mit weißen Linien an den Tag brachte – ich kann es nur vermuten. Für den Journalisten genug. Vermutlich zum verrückt werden. Spaß wird es nicht immer allen gemacht haben. Fan-Michael jedenfalls sah nur…

Hertha LII #7

Veröffentlicht in 7. Oktober 2014

CHO14-barefoot_3000

Kurios. Herb. Fröhlich soll es zugehen. Eine gute Zeit wollen wir gemeinsam erleben. Für die Meisten, vielleicht kann man sagen für alle ist dieser Fall eingetreten. Einige ungehörte, leise Bruddler gibt es immer (?). Angeblich gerne in der schwäbischen Landschaft (!).
Ein Bergsprint-Radrennen über 202 Meter. 14 Prozent Steigung. Kopfsteinpflaster. Jeder gegen Jeden. Und doch gemeinsam. Dieser Spagat glückt. Die Menschen lassen sich darauf ein. Am Gassenrand mit Begeisterung. Auf der Rennstrecke mit Schweiß und Begeisterung. Ein Lächeln. Tausendfaches Lächeln. Dazu scheint die Sonne. Traumwetter.
Vergessen wir nicht die Kreativität. Geprobt. Genäht. Getragen. Kostüme. Verkleidungen. Die einfach Freude machen. Den damit Gesehenen. Und den Erstaunten. Wie verrückt.
Vergessen wir nicht die Räder. Geschraubt. Geputzt. Gefahren. Alter Bock und Carbon-Maschine. Alleine oder zu Zweit. Achtzehn oder Eingang. Mühevoll auf den Punkt zusammengeschweisst oder vielfach rennerprobt. So bunt wie alles an diesem Tag.
Vergessen wir nicht das Ankommen. Einfach. Irgendwie den Berg bezwingen. Die »Kurve der Erkenntnis« ob der Steilheit. »Smokers End« wenn es flacher wird und kurioserweise das Herbe erst beginnt. Die Muskulatur sagt »Good Bye«. Den voigtsche »Shut Up, Legs!«-Schalter haben die Wenigsten installiert.
Vergessen wir nicht das Siegen. Im Höllentempo gen Torturm-Gipfel. Kräftig ist zu wenig. Die Startnummer 55 hat seine Kettenstrebe verbogen. Der Schnellste einen Platten. Der Sieger liebt das Rennen in all seiner Vielfältigkeit.
Wir nennen es Cobble Hoppel. Jedes Jahr am dritten Oktober.
Achja… nach dem Rennen haben die Weiss-Roten das Ihrige vergeigt. Hat heute nicht wirklich interessiert.

Foto: Bernd Häußermann | Passende Musik: Ray Collins‘ Hot Club – Barefoot

vs. Hannover LII #6

Veröffentlicht in 30. September 2014

Kleider machen Leute ist eine Novelle des Schweizer Dichters Gottfried Keller. Erstmals 1874 erschienen. Die Geschichte handelt von dem Schneidergesellen Wenzel Strapinski, der sich trotz Armut gut kleidet. Er gelangt in eine fremde Stadt und wird dort wegen seines Äußeren für einen polnischen Grafen gehalten. Nachdem er aus Schüchternheit versäumt hat, die Verwechslung aufzuklären, versucht er zu fliehen. Doch da betritt eine junge Dame, Tochter eines angesehenen Bürgers, den Schauplatz. Die beiden verlieben sich ineinander, worauf der Schneider die ihm aufgedrängte Grafenrolle weiterspielt. Ein verschmähter Nebenbuhler sorgt dafür, dass der vermeintliche Hochstapler entlarvt wird. Auf der Verlobungsfeier kommt es zum Skandal. Strapinski flieht, seine Braut aber findet ihn, rettet ihn vor dem Erfrieren und stellt ihn zur Rede. Als sie sich davon überzeugt hat,…

BVB LII #5

Veröffentlicht in 24. September 2014

Vor dem Spiel Unruhe. Viel Gequatsche. Fredi Bobic ist raus. Entlassung laut Medienberichten via Telefon. Fiktiv: Bei Fredi Bobic klingelt dasselbe.
»Bobic«
»Wahler«
»Hi Bernd. Was gibts? Alles weiss-rot?«
»Hi Fredi. Wir sind gerade zusammengesessen. Mittagessen und so. Der Joachim und ich sind der Meinung – verstehe das nicht falsch – aber du kennst ja das Spiel.«
»Was meinst du Bernd? Bin gerade mit den Jungs in Vorbereitung für heute abend.«
»Ja ähhh…. wir meinen es ist das Beste, wenn wir also – das ist nichts gegen dich persönlich – bist ein guter Junge – aber wir müssen handeln. Wir, also der Joachim und ich, müssen an den Verein denken. Läuft ja alles nicht so rund. Ähh. Wir wollen trennen! Dich von deinen Aufgaben entbinden. Aber Danke. Wir sehen uns dann in Stuttgart. Gute Heimfahrt.«
Laut BILD ist kurze Zeit später Fredi Bobic mit dem PKW auf dem Rückweg nach Stuttgart. Die Stuttgarter Zeitung meldet bereits am Vormittag. Seltsam. Vermutlich vor Bobic. Die Art und Weise der Trennung ist die unseres Tabellenplatzes würdig. Ganz unten. Von der Sache her vermutlich in Ordnung. Begründbar. Von Fans gefordert. Von Bobic »provoziert« mit »an der Mannschaft könnt ihr mich messen.« Jetzt passiert. Rauswurf per Telefon. Wobei ein User irgendwo postet  »besser Telefon als mit What’s App«. Wohl war. Man muss nicht den Maßstab von ganz unten neu definieren. Das »war« auf Wikipedia: »Diese Seite wurde zuletzt am 24. September 2014 um 19:58 Uhr geändert.«

2 Minuten später auf’m Platz. Anpfiff. Mit zwei Toren geführt. Was was besonderes war und im Fanblock dementsprechend gefeiert wurde. Selten genug. Träumen erlaubt. Noch zwei eingefangen. Häufig genug. Aufgewacht. Gekämpft. Linie geklärt. Abpfiff.

Pommes, Cola und Café im Goldenen M. Warten. Heimfahrt. Morgenfrüh um 7 Rückkehr nach Stuttgart. Die Nacht nicht geschlafen. Das habe ich mit Fredi gemein. Denke ich. Also bin ich, sagt der Philosoph.