Beiträge aus der Kategorie “QuerBeet

S. D. G.

Veröffentlicht in 19. Oktober 2025

Morgengedanken 21. Bottwartal Marathon S. D. G.diese drei Buchstaben schrieb der berühmte Komponist Johann Sebastian Bach im 18. Jahrhundert unter viele seiner Werke. Sie stehen für Soli Deo Gloria, das bedeutet doppelt: allein Gott sei die Ehre. Soli Deo Gloria – eine Andacht für Bewegte. Marathonlauf würdig. Manchmal, bevor der Startschuss fällt, ist alles still.Nur das Herz schlägt – ruhig und wach,bereit, etwas Größeres durch sich hindurch fließen zu lassen.Wir atmen das Jetzt.Der Körper ist kein Tempel aus Stein,sondern ein klingendes Instrument. Wir messen Zeiten, zählen Schritte, den Herzschlag, V2OMax.Das Eigentliche entzieht sich jeder Uhr.Denn nicht der Sieg ist die Krone,sondern der Moment, in dem wir uns selbst vergessen.Gott sei Dank – unmessbar.Der Moment in dem alles Eins wird –Kraft, Atem, Erde, Puls. Soli…

New York

Veröffentlicht in 11. Oktober 2025

Wein. Brot. Musik.Die Harmonikafreunde laden ein – in meinem Heimatort, zu einem Abend, der nach Gemeinschaft klingt. Weinprobe, Brotprobe. Verkosten, genießen, zuhören. Keine Sensationen, keine großen Namen – nur bekannte Melodien, die man summen und singen kann. Vertrautes. Und genau das reicht manchmal schon für einen schönen Abend. Für das Gefühl: Wir gehören zusammen. Für einen Moment, der dem ganzen Dorf guttut.Einer der Titel des Abends: »Ich war noch niemals in New York«. Natürlich, Udo Jürgens. Für manche klingt dabei sofort seine Stimme im Ohr, für andere vielleicht die Version der Sportfreunde Stiller. So oder so – ein Lied, das Erinnerungen wachruft.Ich weiß noch genau, wie es war, als ich das erste Mal dort ankam. Gelandet in Newark, mit dem Zug zur Penn Station,…

Herrschaftszeiten!

Veröffentlicht in 2. Oktober 2025

Personen auf den Gleisen. Herrschaftszeiten, denke ich. Innerlich ruhig, wie der Zug, der still steht. Anders geplant. Dabei habe ich versucht, das Beste daraus zu machen. Schon die S-Bahn mit Verspätung bringt vieles durcheinander. Die Unpünktlichkeit der Bahn ist ein großer Feind der Demokratie, habe ich unlängst in einem Podcast gehört. Der Grund: fehlende Verlässlichkeit.Der Mensch möchte sich verlassen können, ein Grundvertrauen in eine Sache, in einen Menschen haben. Kann ich gut nachvollziehen. Ob deshalb die Demokratie ins Wanken kommt — das kann ich nicht allgemein beantworten. In meinem Denken: nein. Ein Nebenschauplatz — mehr nicht. Es ist der kleine Stein, der Schneeball, der die Lawine meist auslöst. Schon im Bus brüllt eine Frau den Busfahrer an, was ihm einfalle, mit Verspätung hier anzukommen.…

Die Kastanie

Veröffentlicht in 10. September 2025

Die erste Kastanie zwischen den Fingern – jedes Jahr ein kleines Wunder und Freudenfest. Ich war nicht darauf vorbereitet. Sie lag einfach da. Ich halte an und mache einen Umweg um den Baum. Ich schiebe mit dem Fuß das Laub zur Seite. Auf der Suche. Früher warfen wir Äste in den Baum, um mehr zu ernten.Sie, die Kastanie, rollt nun hin und her, glänzt wie frisch lackiert – ein Vorbote des Herbstes.Herbst ist, wenn die Sonne ihre Kraft verliert.Herbst ist, wenn die Schulkinder bei Nebel an der Bushaltestelle warten.Herbst ist, wenn das Freibad schließt.Herbst ist, wenn die Bäume Farbe verlieren.Herbst ist, wenn es merklich früher dunkel wird.Wenn das Jahr sich verneigt – und sich meine innere Uhr langsam auf Kerzenschein umstellt. Und trotzdem: ich…

Ja zur Schokolade

Veröffentlicht in 3. September 2025

Die Tage trieb sie mich um, die Schokolade. Von verschiedenen Seiten. Nicht weil ich sie gegessen hätte – vielmehr die Gedanken daran, die Gelüste, die Möglichkeit, in meiner Schublade eine Tafel zu finden. Ich habe eine Schublade in der sich Süßigkeiten befinden.Am Sonntag noch hatten wir über Preise gesprochen: Lindt, knapp sechs Euro. Wir beide: WHAT?Und trotzdem wurde gekauft. »Der Kakaopreis ist explodiert«, sagt mit die Bäckersfrau. Ahh. Wie viel davon bei den Menschen wohl ankommen wird. Also bei denen die die Bohnen pflücken? Offenen Fragen.Dann Schlagzeilen von null auf neunzig auf meiner Lokalzeitung. Reden auch andere drüber. Ist Thema. Eine Marke erhöht den Preis und schrumpft zugleich die Tafel von 100 auf 90 Gramm. Verbrauchertäuschung wird laut gerufen. Eine Verbraucherzentrale klagt. Und ich?Im…

bäppede Hend

Veröffentlicht in 28. August 2025

Ich sitze im ICE auf der der Fahrt nach Stuttgart. Hauptbahnhof Erfurt. Früh da. Gut so. Mega froh dass ich da bin. Einen Happen essen. Kaffee und Kuchen. 2 Kugeln Eis. Ein ganz spezieller Tag wie gefühlt alles auf dieser Reise. 87 km 5 Stunden Fahrzeit. Regentatsächlichkeit, 98%. Von diesen wiederum waren 50% starke Regen. 40% normaler Regen. 10% getröpfelt. Eigene Wahrnehmung. An das Brennen in den Augen gewöhnst du dich beziehungsweise ist mal da mal nicht da. Meine Finger, runzelig wie nach einem Dauerbad. Es ist nicht kalt. Es ist windstill. Yeah. Let‘s go. Setze mit ein Zwischenziel. Ab da fahre ich ggf. mit dem Zug. Was ich nicht machen werde. Ankommen zählt. Es fällt mir nicht leicht. Es ist ok. Kurz vor…

Brocken & Bali

Veröffentlicht in 27. August 2025

Erstens:Ich wollte immer unbedingt auf den Brocken. Nehme den Mund voll: Was will ich auf Bali, solange ich noch nicht dort oben war. Vielleicht hat gerade dieser Wunsch mich hinaufgetragen. 26,6 Kilometer am Stück bergauf, 24 davon über Schotter im Schnitt 9%-Steigung oder so– das ist irgendwann kein Spaß mehr, sondern ein Ringen von Achim, Mind und Material. Zwei Passagen habe ich geschoben, eine Schraube verloren, repariert, weitergefahren. Das Gehoppel geht an die Substanz, klingt dramatischer als es ist – wie so oft: Erzählwert und Erlebniswert gehen auseinander. Erschreckend sind die abgestorbenen Bäume am Brocken: sichtbarer Zusammenbruch der alten Fichtenwälder – und doch zugleich der Beginn eines neuen, widerstandsfähigeren Waldes. Klimawandel. Borkenkäfer. Viel Glück und Zukunft. Ich schaue nach vorn. Wenn dir das Kaputtsein…

Schwindelnde Höhe

Veröffentlicht in 26. August 2025

Als ich Celle verlasse, entdecke ich unterwegs gleich mehrere schöne Schlafplätze. Ein Zelt aufstellen, ausruhen, fertig – manchmal braucht es nicht mehr. Vielleicht ist es einfach die Müdigkeit, vielleicht liegt es daran, dass der erste Tag einer Reise noch nicht ganz das Loslassen zulässt, sondern man in vertrauten Sicherheitsstrukturen denkt. Vielleicht ist es auch immer so. Keine Ahnung. Jedenfalls fahre ich mit einem guten Gefühl aus Celle hinaus. Ich passiere die »Food Mafia« (fragt mich nicht) und die Firma Moeck – Musikinstrumente und Verlag. Zu wissen, dass meine Blockflöte aus Celle stammt, ist eine schöne kleine Erinnerung. Seit dem Verlassen der Lüneburger Heide prägt die Landwirtschaft stärker das Bild: mehr Ackerbau, mehr Weite. Viele Felder sind bereits abgeerntet, der Mais steht noch – teils…

Der Bürgermeister von

Veröffentlicht in 25. August 2025

Am Ende des Tages blieb das Gefühl: beschissen worden. Booking-Rate und Hoteltresen, zwei Welten, die nicht zueinander passten. Kein Platz fürs Zelt, keine sichere Ecke gefunden. Die Dunkelheit stand schon bereit. Der Thermometer zeigt nach unten. Alternativlos – gestehe ich mir ein. Nachtzug. Gestartet in Hamburg. Gelandet in Celle. Dazwischen: unglaublich Schönes. Nur die letzten fünfzig Kilometer einfach nur gefressen, stumpf auf dem Radweg entlang der B3. Zwischen Sahne und Finger in den Hals. Wer von A nach B will, muss auch Kilometer können. Nicht immer Sand, Stein, Wald und Ruhe. Kerzengerade. Arbeit für Beine und die Gedanken. Hat auch seinen Reiz, wenn du merkst wie Autoverkehr weniger wird. Wenn die Dörfer kleiner, zerfallener, weniger wichtig werden. Aus Hamburg heraus rollen – und dann:…

Der Mann im weißen T-Shirt

Veröffentlicht in 21. August 2025

Keine Ahnung, was ihn geritten hat. Was und Wen ihn reitet. Und Warum?In Untertürkheim steigt er ein. Weißes T-Shirt, normaler Typ. Der Mann im weißen T-Shirt. Kaum eingestiegen füllt er die S-Bahn mit seiner Stimme.»HALTS MAUL. ICH KOMME AUS ZWICKAU. INGOLSTADT ÄHH REGENSBURG. SCHEISS STUTTGART. KOMM NÄHER UND ICH HAUE DIR EINE, DASS DU DEIN WUNDER ERLEBST.«So in etwa, und in Dauerschleife. Aufgeregt, der Mann in weiß. Eine stille Gelassenheit über den Fahrgästen. Er wirkt nicht wirklich aggressiv, mehr wie einer, der sich selbst im Echo verliert. Vielleicht Alkohol. Vielleicht nichts außer sich selbst.Immer wieder stehen Leute auf, wollen unaufgeregt Ruhe reinbringen. Am Neckarpark Schluss: Türen auf, Türen zu, Stillstand. Polizeieinsatz. Jemand hat gepetzt. Alle raus. Mahlzeit.Ich habe Zeit. Wäre ich in Eile, Anschlusszug…

Für Leben, Freude und Frust

Veröffentlicht in 10. August 2025

Kurze Morgengedanken (Nordschwarzwald-Triathlon)nach 4. Mose 6,24–26 Es ist Sonntag. Das heutige Wort zum Sonntag lautet:»Der Herr segne dich und behüte dich …« steht so bei Mose. Ein Segen, der Gottesdienst beendet. Basics. Wir sind jetzt beim Start. Basics ist mehr als Sport.Es ist Freude am Körper.Es ist Frust, wenn’s nicht läuft.Es ist Leben pur – zwischen Endorphin und Muskelkater. Basics – das ist nicht nur Sport.Das ist ein Reset-Knopf.Puls hoch, Kopf frei, Körper an, Alltag aus. Du gehst an deine Grenzen.Und manchmal drüber.Lachst mit anderen.Oder schweigst mit dir selbst. Und Gott?Er ist dabei.Nicht nur auf dem Siegertreppchen,auch im Frust danach.Nicht nur in der Kraft,auch in der Erschöpfung.Vielleicht ist Gott näher,wenn du außer Atem bist,als wenn du den Atem anhältst. Der Herr segne dich –wenn…

Fall des Falles

Veröffentlicht in 8. August 2025

Ich sollte mich auf die Suche machen. Nicht nur, um endlich etwas Ordnung ins Chaos zu bringen – wobei Chaos ja so ein Wort ist, das für die einen wildes Durcheinander bedeutet und für die anderen… na ja, einfach: Alltag.Worum’s eigentlich geht: meinen Bescheid. Besser gesagt: meinen Ausmusterungs-Bescheid. Wie fast alle Jungs in meinem Alter (ein paar wurden einfach vergessen) durfte ich damals in Ludwigsburg antreten. Jägerhofallee. Musterung. Fester Termin. Eisentore. Lange Flure. Büros wie aus einem alten Schwarzweißfilm. Nervosität. Vieles ist verblasst, nur eins nicht: dass ich beim Sehtest durchgefallen bin.Ein paar Tage vorher zuvor – theoretische Führerscheinprüfung (Friedensstraße in Ludwigsburg), auch da: Augen-Test versemmelt. Räumliches Sehen? Fehlanzeige. Mit Brille geht’s, aber ich wäre selbst dann ein miserabler Schütze geworden. Beim Sommer-Biathlon habe…