Die Nacht war heute eine Stunde kürzer, Umstellung auf Sommerzeit. Man kann das gut finden oder nicht. Es ist entschieden, also lasse ich es ziehen und verschwende keine Gedanken daran. Ich sitze früh vor dem Haus, trinke einen Kaffee, 7:35 Uhr. Zwischen den Häusern schiebt sich die Sonne. Es ist kühl, eher kalt, ich bin warm eingepackt in eine Daunenjacke. Die Aussenschicht ist am Reißverschluss leicht eingerissen ist. Ich sollte sie nähen oder lassen, denke ich, damit Wärme bleibt. Irgendwie ist alles gemacht um kaputt zu gehen, wird weniger. Kleiner Senti-Push. Mhhhh.
Gestern Abend habe ich noch, entgegen meiner Vorsätze, den Kachelofen nochmals angezündet. Den ganzen Tag im Freien gewesen, unbewusst durchgefroren, verlange ich nach Wärme. Weil frieren irgendwie lauter ist als jede Disziplin. Undiszipliniert die Zeit auf dem Sofa verbracht um meine Gedanken in Form bringen – es gelingt mir nicht. Also habe ich Zeit totgeschlagen. Am linken Daumen fast eine Blase vom scrollen. Es war trotzdem ok. Scheinbar unnütz, aber mal wichtig.
Jetzt ist Palmsonntag. Ein Sonntag zwischen den Dingen. Noch nicht Ostern, aber auch nicht mehr einfach Alltag. Ein Dazwischen, das etwas ankündigt und gleichzeitig innehält. An meinem Ort ist noch leise, eine seltene Ruhe, die nicht leer ist, sondern voll. Gefühlt länger als andere Sonntage. Ich könnte jetzt aufstehen, spazieren gehen, den Ort von außen betrachten, aber ich sitze und merke, dass selbst das Aufstehen eine Entscheidung ist.
Die Wanderhose mit Zip liegt inzwischen hier, ein Paket vor der Tür, irgendwann gebracht. Der Paketdienstleister hat seine Touren umgestellt, bekomme Pakete erst spät. Im Laden in der Stadt gab es nur die normale Länge, meine Beine wollen mehr, Long. Sie sagen, sie können sie mir bestellen. Ich hätte sie in der Stadt abholen müssen, habe dann aber direkt bestellt. Beim selben Laden. Habe dort eine Kundennummer. Diese bindet und gibt Bonus. Es hätte keinen Sinn gemacht, es anders zu tun. Ich fühle mich nicht als Beratungsdieb, nur jemand, der weiß, was er braucht. Jetzt bleibt nur noch, es auch zu tun: wandern.
Mein Zahnarzt hat ein Loch gebohrt. Eine Entzündung freigelegt, wie sich herausstellt. Diese hat mich den ganzen Winter begleitet, mal mehr, mal weniger, mal gar nicht. Früher dachte ich, ein Loch im Zahn ist das Ende der Welt. Jetzt, wo der Zahn offen ist, fühlt es sich wie Erleichterung an, ein Widerspruch, den ich nicht ganz verstehe. Die Krankenkasse stuft den Zahn als nicht erhaltungswürdig ein – im Leistungskatalog nicht enthalten. Ist Zahn 47 bereits versorgt, die Nachbarzähne ebenso – mehr als drei Wurzelbehandlungen, höre ich meinen Zahnarzt sagen. Derweil meine Zunge fremdes inspiziert. Eine Reparatur ist kostenintensiv, der Erfolg ungewiss. Mein Backenzahn, unten ganz hinten rechts. Alles mit und im System. Selbst der hat seinen Platz, mitten im Dschungel der Regulierungen deutscher Ordnung. Ich weiß nicht, ob ich lachen soll, schließe meinen Mund. Entspanne im Liegen angestrahlt vom Scheinwerferlicht des Hightech-Stuhles. Bei ebay-Kleinanzeigen wird ein solcher verschenkt. Man müsste ihn selber abbauen und abholen. Mein Kauen ist etwas eingeschränkt. Im April wird der Zahn gezogen, ich werde weniger. Es kommt etwas auf mich zu.
