»Diese Weiber … « – ein Satz, der hängen bleibt. Bruno Morawitz, der Fernsehkommentator aus einer anderen Zeit, hat ihn gerufen, als zwei Frauen ins Bild liefen – in eine Loipe, die nicht für sie gedacht war. Ein kleiner Moment, ein großes Wort. Als wäre da eine Grenze gewesen. Als wäre da ein Vergehen gewesen.

Weiber. Ein Wort wie ein Schnipsen. Kurz, hart, abgetan. Und ich höre es wieder. Nicht im Fernsehen, sondern neben mir. Im Freundeskreis. Im Gespräch. Im Lachen. Weiber …

Ich widerspreche nicht immer. Um des Friedens willen. Und doch ist da kein Frieden. Es arbeitet in mir, leise, aber beharrlich, wie ein Riss, der nicht laut ist, aber spürbar. Immer wieder. Weil ich merke, dass ein Wort reicht, um Menschen ein Stück nach unten zu schieben. Nicht viel. Aber genug.

Und ich sitze dazwischen: zwischen Dazugehören und Dagegenhalten, zwischen Schweigen und Stolpern, zwischen Freundschaft und Haltung. Es ist kein lautes Zerreißen, kein Drama. Eher dieses leise Daneben: So will ich nicht sprechen. So will ich nicht hören. Und trotzdem bleibe ich still.

Ich will nicht superschlau mit der Moralkeule den Finger erheben. Das macht mich nicht besser. Aber dieses Zwiegefühl reißt und reibt sich in mir. Das Wort bewegt sich – in mir – zwischen Hirn und Darm wie ein Echo, das sich immer wieder zurückschleudert.

Ich sage es nicht, weil es nicht zu mir passt.

  • Weil ich Menschen nicht reduzieren will.
  • Weil »Weiber« aus individuellen Frauen eine Masse macht.
  • Weil ich den Ton spüre – dieses Harte, dieses Abwertende, selbst dann, wenn es locker gemeint ist.
  • Weil für mich Respekt der Standard ist. »Frauen« ist klar, ruhig, auf Augenhöhe.
  • Und weil ich nicht in dieses Rollen- oder Macho-Ding will. Sprache ist auch immer Positionierung.

Aber wie sage ich das, ohne mich über andere zu stellen? Wie halte ich das aus, ohne mich selbst zu verlieren?

Ich strecke meinen Arm aus wie ein Schwimmer beim Straucheln. Nicht, um zu schlagen, sondern um nicht unterzugehen. Vielleicht berührt er jemanden. Vielleicht auch nicht.

Wir Männer können so vieles nicht. Mehr als wir denken. Ich mache mich nicht klein. So groß bin ich nicht. Kein Rosenkranz. Kein Büßen. Das ist/wäre ne Kack-Rolle. Aber: Ich habe die Fähigkeit abzuwägen und zu lernen. Und die Pflicht. Darin liegt meine Hoffnung: im Gespür, in der kleinen Verschiebung, in der Wirkung meiner Worte. Keine Ahnung. Vielleicht liest jemand diese Zeilen. Ohne Gelb. Ohne Rot. Steht mir eh nicht zu, das weiß ich.