liebe avocado,
es tut mir leid.
ich habe dich missbraucht. als bild. als vergleich. als projektionsfläche für dinge, die nichts mit dir zu tun haben. ich habe dich aufgeschnitten, nicht nur mit dem messer, sondern mit gedanken. habe deinen kern zum symbol gemacht für härte, für etwas braunes, für etwas, das ich ablehne.
dabei bist du einfach nur eine frucht.
du hängst nicht an laternenstangen. du schreibst keine wahlprogramme. du führst keine debatten. du wirst weich, wenn du reif bist. mehr nicht. dein kern ist kein gedankengut, sondern biologie. möglichkeit. vielleicht sogar zukunft.
es war nicht fair, dich in meine politische unruhe hineinzuziehen. nicht fair, dir bedeutungen überzustülpen, die du nie wolltest. du wolltest vermutlich nur auf einem holzbrett liegen, halbiert, mit etwas zitrone, ein wenig salz. vielleicht auf einem brot. einem mürben hörnchen daneben.
ich entschuldige mich für die schwere, die ich dir angedichtet habe. für das pathos. für die überfrachtung.
viel freude
achim
… der manchmal zu viel hineinliest

