Ich liebe die Zeit zwischen den sogenannten Jahren. Etwas wird langsamer. Die Tage, vielleicht auch der Mensch. Ich. Eine Ruhe breitet sich aus, die man sonst in Kursen über Resilienz und Aufmerksamkeit sucht, oft teuer bezahlt und doch vermisst.
Ganz frei bin ich nicht. Drei feste Arbeitstermine liegen in diesen Tagen. Und gerade deshalb mag ich sie. Sie gehören dazu, wie Markierungen in einer ansonsten offenen Landschaft. So wie meine Radstrecke. 500 Kilometer. Kein Pappenstiel. Irgendwo habe ich einmal geschrieben, es sind nicht die Tage, sondern die Kilometer die zählen. Dieser Satz passt – für eine Weile.
Meine, die Welt steht nicht still. Ich weiß das. Aber sie fühlt sich an, als würde sie kurz anhalten. Dieses gute Gefühl reicht. Es schenkt mir Ruhe. Gleichzeitig Zweifel. Und Mut. Den Mut, wieder nach vorne zu denken, ins neue Jahr hinein. Ich bin noch Stunden davon entfernt und bleibe bewusst hier. Ich koste jede Sekunde aus.
Seit ein paar Tagen steht eine Sauna im Garten. Ein Weihnachtsgeschenk auf Zeit. Ein Versuch, ein Test einen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Ein paar Holzscheite genügen, um eine Wärme zu erzeugen, die mehr ist als Temperatur. Sie tut gut. Sie macht Freude.

Der Weg durch den Garten ist kurz. Leicht bekleidet gehe ich durch die Kälte. Es ist dunkel. Still. Familie trifft sich – ungewöhnlich Ort. Macht es besonders. Ein Hauch von »Geheimnis«. Die Nachbarn sind fort oder zurückgezogen in ihre warmen Häuser. Die Rolladen runter. Der Schnee knirscht bei jedem Schritt. Ein Zentimeter hat gereicht, um alles zu verändern. Was ein Glück.
Klamotten aus. Wärme an. Später laufe ich nackt durch die Nacht, geschützt vor fremden Blicken – so hoffe ich zumindest. Wer will schon einen nackten Mann sehen? Der Gedanke des Schreckens und Grauen taucht in mir auf, verschwindet wieder. Es ist dunkel. Es ist kalt. Ich bin sicher. Niemand sieht mich. Also genieße ich den Moment (Adiletten sind die Gamechanger) und schleiche zurück in die Wärme.
Auf dem Rückweg ins Haus, es sind nur ein paar Meter, passiert etwas Unerwartetes. Meine Brille beschlägt von der Wärme meines Körpers. Um den Mond liegt ein regenbogenfarbener Ring. Auch um den beleuchteten Stern im Garten. Ein stilles, fast übersehenes Schauspiel. Zu kalt, um mich sattzusehen.
Man nennt es Korona. Mit »K«.
