Archiv für

Bell ruhig. Köder.

Veröffentlicht in 23. März 2026

Es ist ruhiger diese Woche, diese Wochen. Nicht, weil alles klar ist, sondern weil weniger drängt. Eine Stille, die nichts sortiert, sondern offen lässt. Mein Chef sagt: mach nichts. Mhhh – ich lächle. Weniger tun macht nicht zufriedener. Es franst eher aus, verheddert sich im Klein-Klein. Dienstag? Mittwoch? Verschwimmen. Ich könnte planen, Listen schreiben, abhaken, die Straße kehren, das Auto putzen – so tun, als wäre Ordnung gleich Bedeutung. Ist sie aber nicht. Also raus. Bewegung. Solange der März noch kühl ist und die Finger erst nach ein paar Kilometern wieder dazugehören. Die Pflanzen wollen. Die Bäume. Ich auch. Eine Schicht weniger, ein bisschen leichter werden. Außen milder, innen beweglicher – das ist so ein leiser Deal mit mir selbst. Und dann diese Schlagzeile:…

Kleines anschieben,

Veröffentlicht in 19. März 2026

Als wäre es gestern: Am Dampf von Neckarwestheim vorbeigeradelt. Keine Angst, kein Schrecken – aber dieses Gefühl, das bleibt. Nicht laut, nicht panisch, eher ein leises: Hier stimmt etwas nicht. Etwas, das größer ist als ich und gleichzeitig unsichtbar. Als wäre es gestern. Mittwoch. Fußball. Grüne Wiese. Alles wie immer – und doch nicht. Tschernobyl (April 1986) hing irgendwo zwischen den Bäumen. Nicht sichtbar, aber da. Die Expert:innen sagten, es bestehe keine Gefahr. Man solle vielleicht kein Wild essen, wenn möglich. Dieses »wenn möglich« blieb hängen, wie ein Komma, das nicht weitergeschrieben wird, Heute also: Small Modular Reactor. Schon der Name. Small. Als wäre es ein Gadget, ein Campingkocher der Energiepolitik. Ich tippe »SRM«. Mein Gerät denkt an Fahrräder, an Sitzrohrmaß, an Rahmenhöhe. Wie…

Dein Reich komme

Veröffentlicht in 9. März 2026

Gebet zum Internationalen Frauentag (nach Lukas 19, 57-62) duguter gott, heute stehen wir hier.weil leben uns geschenkt wurde.es hätte anders kommen können. am heutigen – internationalen frauentag erinnern wir unsnicht nur an das unrecht, das frauen tragen mussten und tragen.sondern an ihre stärke. an frauen, die getragen haben,an frauen die gesprochen haben,an frauen die gegangen sind, wo man sie festhalten wollte. wir danken dirfür ihren mut,für ihre klugheit,für ihre widerständige kraft. reiß ein, was klein hält.beende, was würdelos macht.lass eine welt wachsen, in der die stärke der frauen nicht mehr überrascht, sondern selbstverständlich ist.lasst uns gemeinsam – männer wie frauen – die rechte der frauen verteidigen und damit das prinzip einer offenen gesellschaft. und wenn wir unsere hand an den pflug legen,lass uns nicht…

Frühlingsgedanken

Veröffentlicht in 1. März 2026

Zum HaWei 50 wenn die mützedie ohren nicht mehr wärmt,weil die luft weich geworden ist. wenn wir nebeneinander laufen,ruhig –im gleichen tempo.keine zieht.keiner bleibt zurück. dann bekommt die freude zeit.sie läuft mit.sie drängelt nicht.sie muss nichts beweisen. wohl dem.wohl der,die den winter durchgelaufen sind.durch kalte tage.durch frühe dunkelheit.jetzt – fällt es leichter. doch stopp.wir laufen nebeneinander –aber nicht zum plaudern.jeder schritt eine ansage.keiner schenkt einen meter.am ende zählt nicht freundschaft,sondern wille.wettbewerb. wir lieben den blick auf den sekundenzeiger.tick.tick.wie er uns reizt.sekunde für sekunde. wir lieben es, außer atem zu sein –weil genau dortdas leben schneller schlägt. und doch:jede minute gleich lang.sonnenaufgang.sonnenuntergang.außerhalb unserer reichweite. draußen,wenn der kaffeenicht mehr dampfen muss,um zu sagen: hier bin ich. wenn wärmenicht erkämpft werden muss,sondern einfach da ist. und doch:vor…

Avocado

Veröffentlicht in 27. Februar 2026

liebe avocado, es tut mir leid. ich habe dich missbraucht. als bild. als vergleich. als projektionsfläche für dinge, die nichts mit dir zu tun haben. ich habe dich aufgeschnitten, nicht nur mit dem messer, sondern mit gedanken. habe deinen kern zum symbol gemacht für härte, für etwas braunes, für etwas, das ich ablehne. dabei bist du einfach nur eine frucht. du hängst nicht an laternenstangen. du schreibst keine wahlprogramme. du führst keine debatten. du wirst weich, wenn du reif bist. mehr nicht. dein kern ist kein gedankengut, sondern biologie. möglichkeit. vielleicht sogar zukunft. es war nicht fair, dich in meine politische unruhe hineinzuziehen. nicht fair, dir bedeutungen überzustülpen, die du nie wolltest. du wolltest vermutlich nur auf einem holzbrett liegen, halbiert, mit etwas zitrone,…

Schneeglöckchen

Veröffentlicht in 26. Februar 2026

Mit feuchter Zunge den roten Briefumschlag ablecken, dieses kleine Dreieck zurück auf das Papier führen, drücken, streichen. Es klebt. Umschlag verschlossen. Die Wahl getätigt. So schnell geht das. So leise. Diesmal mache ich alles anders! Ja, ich habe sie gewählt. Die Alternative. Vielleicht braucht es für DIE DA OBEN einmal einen Schreck. Als Warnung. Meinen Rachefeldzug an der Urne. »Ihr Nachbar wählt uns schließlich auch« hängt an Laternenstangen und trotzt im feuchten Februarwind. Vielleicht muss man sie einfach mal lassen. Vielleicht sind sie besser als der Rest vom Schützenfest. Vielleicht? Schweißgebadet wache ich auf. Der graue Umschlag der Wahlbenachrichtigung liegt wirklich auf dem Küchentisch. Briefwahl. Noch offen. PUUH. Nur geträumt. Noch einmal Glück gehabt. Ein Wahlvorgang hat nichts mit Glück zu tun. Nichts mit…

Der Rucksack & der Schnee

Veröffentlicht in 26. Januar 2026

Ich habe mir geschworen, dass … na ja. Man kann ja wenigstens mal schauen. Googeln ist schließlich noch kein Kaufen. Googeln ist eher ein vorsichtiges Blinzeln in Richtung der möglichen Möglichkeiten Und dann stolpere ich über die Maße eines Rucksacks in Inches und lande beim Umrechnen in Zentimeter – mir deutlich mehr vertraut – bei: 0.0267313982 m⁻⁵·kg²·s⁻⁴·a⁻³ bytes Ein Wert, der klingt wie ein Scherz, den das Universum sich erlaubt hat. Physik. Bytes. Irgendwas mit hoch minus irgendwas. Nichts davon gehört zu meiner Kernkompetenz. Wobei ich mich ohnehin frage, ob ich so etwas wie eine Kernkompetenz habe. Das ist keine Unsicherheit. Eher eine nüchterne Bestandsaufnahme. Mein Kopf ist kein Werkzeug. Er ist ein Streuner. Er kommt und geht, behält Dinge für sich, wirft mir…

Leben leben eben.

Veröffentlicht in 21. Januar 2026

Ich habe das Gefühl, ich sitze auf einem Baum. Auf einem Ast. Meine Beine baumeln. Blick nach unten. Es ist nicht hoch. Kein Absturz. Und trotzdem Bedenken. Vielleicht passiert nichts. Vielleicht genau das. Die Leute sagen, es gibt Schutz. Für Schwangere. Für Betrunkene. Ich bin beides nicht. Oder doch. Betrunken vor Lebenslust. Betrunken vor Sehnsucht. Nach Glück. Nach Losgehen. Ohne Sicherung. Schwanger? Dem Kommenden Gestalt geben. Verantwortung für Anfänge übernehmen. Zukunft verkörpern. Dem Leben Raum und Traum geben. Leben leben eben. Ich habe das Gefühl, ich sitze auf einem Baum. Auf einem Ast. Meine Beine baumeln. Blick nach links. Politik. Geräuschkulisse. Die Stimmen werden leiser, nicht weil es ruhiger wird, sondern weil sie sich ähneln. Zustimmung, Empörung, richtige Haltung. Mehr Gedanken, mehr Reflexion, mehr…

Die Tagesschau

Veröffentlicht in 15. Januar 2026

Wie ist dein Ritual, dich upzudaten? Zu festen Zeiten, zu festen Bildern, zu festen Stimmen und Stimmungen? Ich frage mich das immer öfter, denn ich schaue Nachrichten weder morgens noch abends. Nicht aus Desinteresse und nicht aus Trotz. Eher aus dem Gefühl heraus, dass mir beides im Moment nicht guttut. Diese Phase läuft seit Monaten, Jahren gar. Der Morgen ist mir zu offen dafür, der Abend zu voll. Ich kenne das Ritual, ich respektiere es, für viele ist es richtig. Für mich nicht. Ich bin eher ein Leser. Zeitungen, unterschiedliche. Am liebsten einen Tag später. Nicht der Bericht darüber, was passiert ist, sondern der Versuch zu verstehen, was es bedeutet. Kommentare, Meinungen, Reibung, Pro und Contra. Nicht, um mir eine Wahrheit zu leihen, sondern…

Korona

Veröffentlicht in 4. Januar 2026

Ich liebe die Zeit zwischen den sogenannten Jahren. Etwas wird langsamer. Die Tage, vielleicht auch der Mensch. Ich. Eine Ruhe breitet sich aus, die man sonst in Kursen über Resilienz und Aufmerksamkeit sucht, oft teuer bezahlt und doch vermisst. Ganz frei bin ich nicht. Drei feste Arbeitstermine liegen in diesen Tagen. Und gerade deshalb mag ich sie. Sie gehören dazu, wie Markierungen in einer ansonsten offenen Landschaft. So wie meine Radstrecke. 500 Kilometer. Kein Pappenstiel. Irgendwo habe ich einmal geschrieben, es sind nicht die Tage, sondern die Kilometer die zählen. Dieser Satz passt – für eine Weile. Meine, die Welt steht nicht still. Ich weiß das. Aber sie fühlt sich an, als würde sie kurz anhalten. Dieses gute Gefühl reicht. Es schenkt mir Ruhe.…