Es ist eine kleine Geschichte der Unsicherheit. Brauche ich das wirklich oder will ich es einfach nur haben? Am Anfang war da noch der Nutzen. Die letzten Meter. Bahnhof, Bus, irgendwohin. Das Fahrrad. Sperrig. Teilweise ausgegrenzt beim öffentlichen Transport. Inzwischen ist auch Spaß dabei. Vermutlich sogar ziemlich viel.
Wenn man sich einmal für einen eScooter entschieden hat, fängt das nächste Problem an.
Ja, es geht um verdammt eScooter. Ich nehme zur Kenntnis: gleiches Verhältnis Hater und Warum-eigentlich-nicht. Und es geht darum: Welcher? Es gibt billig, teuer, noch teurer und vermutlich auch Modelle für Leute, die ihren Roller später testamentarisch weitergeben. Ich will irgendwas dazwischen.
Und natürlich die Frage: Wie sieht das eigentlich aus, wenn ein alter Sack auf so einem Ding steht? Jugendlich? Lächerlich? Modetrend? Ist mir inzwischen ziemlich egal.
Vor Monaten bin ich zum ersten Mal gefahren. Stuttgart. Hall of Fame. Da stand einer herum. App geladen, Kreditkarte rein und los. Auf dem Cannstatter Wasen war Platz. Ich konnte niemanden umfahren und niemand mich. Es hat Spaß gemacht.
Das Abstellen hinterher weniger. Foto machen, richtig hinstellen (mehr reglementiert als ne‘Steuererklärung), irgendeinen Nachweis führen, dass man sich benommen hat. Seitdem frage ich mich noch mehr, wie manche Roller irgendwo quer liegen können. Vielleicht sind die Fahrer spontan ausgewandert und an welchen Orten inmitten der Prärie.
eScooter sind jedenfalls merkwürdige Dinger. Ein bisschen Verkehrsmittel, ein bisschen Spielzeug. Und vielleicht auch ein kleines Stück Jungbleiben.
Ich sehe Jugendliche zu zweit drauf, auf dem Hinterrad, die Tage freihändig. Unfassbar. Darf man vermutlich alles nicht. Kann ich alles nicht. Beeindruckt mich trotzdem. Und ich sehe immer mehr Ältere – die Masters. Senior*innen sagt man nicht. Alle mit einem Grinsen. Servus – ohne zu grüßen. Immer schön die Hand am Lenker – sonst schmerzhaft.
Nach schnellen vier Wochen (Leute… wie die Zeit vergeht…) eigener eScooter-Karriere bin ich jetzt bei Roller Nummer drei angekommen.
Nummer eins kam schnell. Riesiges Paket, schwer wie Sau. Ausgepackt, zusammengeschraubt, versichert und los. Wir haben uns gerade aneinander gewöhnt (einseitig), da war er weg.
Frankfurt Hauptbahnhof. Im Zug. Aus dem Abteil geklaut. Hat mich das geärgert. Über mich selbst. Ich hatte diese Möglichkeit einfach nicht auf dem Schirm.
Vielleicht war das ein Zeichen. Du brauchst keinen Roller. Ich habe die Zeichen ignoriert.
Also Nummer zwei bestellt. Gleiches Modell. Gleiches schweres Paket. Ausgepackt, zusammengebaut, ausprobiert.
Defekt.
Wieder auseinandergebaut. Wieder eingepackt. Wieder so ein Paket, das kein Mensch freiwillig tragen will. Der Paketfahrer und ich haben es gemeinsam in seinen Sprinter gehoben. Er sagt, solche Gewichte stemme er mehrmals am Tag. Menschen bestellen ihre Autoreifen nebst montierter Felge so. Da war kurz Ruhe bei mir.
Weil ich dachte: Der schleppt jetzt meinen Roller herum, weil ich unbedingt einen haben will. Bestellen. Zurückschicken. Noch mal bestellen. Fühlt sich nicht besonders gut an. Vielleicht falscher Denkansatz. Vielleicht sichere ich Arbeitsplätze. Vielleicht rede ich mir das auch nur ein. Keine Ahnung.
Jetzt warte ich auf Nummer drei. Mehr kann ich im Moment nicht tun. Er wird funktionieren – ich weiß das. Dass ihn keiner klaut, ich hoffe gelernt zu haben. Einen Namen hat er schon. Ich werde ihn Rolland nennen.