Zum HaWei 50
wenn die mütze
die ohren nicht mehr wärmt,
weil die luft weich geworden ist.
wenn wir nebeneinander laufen,
ruhig –
im gleichen tempo.
keine zieht.
keiner bleibt zurück.
dann bekommt die freude zeit.
sie läuft mit.
sie drängelt nicht.
sie muss nichts beweisen.
wohl dem.
wohl der,
die den winter durchgelaufen sind.
durch kalte tage.
durch frühe dunkelheit.
jetzt – fällt es leichter.
doch stopp.
wir laufen nebeneinander –
aber nicht zum plaudern.
jeder schritt eine ansage.
keiner schenkt einen meter.
am ende zählt nicht freundschaft,
sondern wille.
wettbewerb.
wir lieben den blick auf den sekundenzeiger.
tick.
tick.
wie er uns reizt.
sekunde für sekunde.
wir lieben es, außer atem zu sein –
weil genau dort
das leben schneller schlägt.
und doch:
jede minute gleich lang.
sonnenaufgang.
sonnenuntergang.
außerhalb unserer reichweite.
draußen,
wenn der kaffee
nicht mehr dampfen muss,
um zu sagen: hier bin ich.
wenn wärme
nicht erkämpft werden muss,
sondern einfach da ist.
und doch:
vor vier jahren stand ich hier.
ein land wurde überfallen.
mit ihm ein stück gewissheit.
vier jahre später.
vier jahre älter.
und manches
erschreckend gleich.
schattige weltwolken über uns.
und wir?
wir laufen weiter.
zusammen.
das glück ist nicht laut.
es atmet.
mit uns.
danke.
ich weiß es zu schätzen.
sehr.
und jetzt –
noch fünf minuten.
der countdown läuft.
der puls klopft im takt.
eins – zwei – drei – vier.
spannung im beat.
füße bereit.
blick nach vorn.
gleich geht’s los.
Hardtsee.
Weiher.
