Von Holtrop nach Bagband (Etappe 4)

Der Ossiloop ist mir ans Herz gewachsen. Sagen Menschen so, wenn ihnen etwas besonders gefällt. Dem ist nichts hinzuzufügen. Der Aufwand dafür – der schließlich auch zum „Ende“ geführt hat, beträchtlich.
In den Anfangsjahren bin ich meist unter der Woche vor Ort geblieben. Meist auf dem Dünencamping-Platz in Bensersiel. Eine herrliche Zeit. Wenig los und das Meer – wenn es mal da war. Gefühlt wegen der Gezeiten mehr weg als da. Isso. Ebbe und Flut. Schöne Spaziergänge im Watt. Barfuß. Arbeiten und Leben im Wohnmobil. Ein ganz eigener Rhythmus.
An den Wochenenden immer nach Hause gefahren – weil andere Arbeit wartet. Sprich: Mit den Systemern per Sprinter nach Köln-Deutz fahren. Gegen 2 Uhr in der Früh da. Kleiner Walk über die Eisenbahnbrücke (wo die Schlösser hängen) und Gevatter Rhein. Kaffee im Backwerk am Seitenausgang des Bahnhofs. Ich liebe das „menschenleer“, wo sich sonst die Massen bewegen. Hat einen ganz besonderen Charme. Nur: Macht das Normal schwerer erträglich.

Der erste Zug in den Süden gegen halbvier Uhr. Ein IC. Länger unterwegs aber direkt. Hoffe der Schaffner kontrolliert früh. Mehr Zeit zu ruhen. Gegen halbneun dann zuhause. Zwei Stunden hinlegen. Duschen. Weiter. Harte Zeiten. Später dann auch unter der Woche heimgefahren. Noch härter. Dienstag und Mittwoch verdammt lange Tage. Der Spaß an einer Sache verleiht Überkräfte. Du denkst nicht – machst. Ich war immer rechtzeitig bei allen Veranstaltungen. Im Süden wie im Norden. Selbst als die Bahn meinte zu streiken. Ein Hin und Her über lange Zeit in diesen drei Maiwochen.

Hin und zurück mag ich beim Laufen ungern. Im Wettkampf zweimal nicht. Lieber eine Runde laufen. Sieht auf Strava besser aus. Seltsam ist – entdecke für mich in diesen Tagen dieses #samewayback.
Wer den selben Weg zurückläuft – läuft genauso nach Hause. Vielleicht vertrauter – nicht unbedingt. Anderer Blickwinkel, was manchmal gut tut – gewohntes zu überdenken oder neu zu entdecken. Die andere Seite. Hilft mir auch im normalen Leben Dinge zu beurteilen.

Es ist gut zu wissen was auf dem Rückweg auf mich zukommt. Zukommen könnte. Mache mir beim Hinweg bereits Gedanken über das zurück. Das kurioserweise gefühlt schneller. Was mit Blick auf die Uhr meist nicht stimmt. Es gilt als die große Kunst des Marathonlaufs die zweite Hälfte schneller zu laufen.
Heute also „nomm ond romm“ gelaufen. 11.9 Kilometer die Aufgabe in Etappe 4. 01:14:44h meine benötigte Zeit. An Murr und Neckar entlang. Klare Luft. Der Lauf ein Traum. Gefühlt leichtfüßig. Sehe die Männer des Bauhofs viermal, den Müll des Menschen wegräumend. Danke. Winke freundlich zu und mache auf dem schmalen Weg Platz für ihr Pritschenfahrzeug. Westernhagen singt:
Ich hab‘ mich verlaufen
Der Himmel scheint so weit
Und ein Mann trägt ein Schild
Und auf dem Schild
Da steht nur „Frei“!

Einer meiner Lieblings-Lyrics. In Konzerten ein besonderer Moment wenn die Menge dieses „Frei!“ brüllt. Höhepunkt des Abends.

Wendepunkt. Halbzeit. Auf „meinem Schild“ steht die „6“. Ne. Wundern tue ich mich schon lange nicht mehr.

Soundtrack: Sleaford Mods